Pinneberg
Schleswig-Holstein

Großbaustelle bei der Bahn: Was Sie wissen müssen

Ein Gleisbauer flext nachts ein Stück Schiene: Wie auf diesem Deutsche-Bahn-Imagebild wird es bald auch im Kreis Pinneberg aussehen

Ein Gleisbauer flext nachts ein Stück Schiene: Wie auf diesem Deutsche-Bahn-Imagebild wird es bald auch im Kreis Pinneberg aussehen

Foto: Deutsche Bahn AG / HA

Deutsche Bahn investiert 5,8 Millionen Euro in Strecke zwischen Pinneberg und Elmshorn. Auch Züge nach Sylt betroffen.

Kreis Pinneberg.  Es ist ein Eisenbahn-Großprojekt, wie es die Region lange nicht erlebt hat, und – das steht außer Frage – es wird viele Menschen im Kreis Pinneberg und im Großraum Hamburg mit voller Wucht treffen: Von Ende kommender Woche an bis in den Mai hinein verwandelt sich die Strecke zwischen Pinneberg und Elmshorn, auf der nach Schätzungen der Deutschen Bahn in Stoßzeiten 3000 bis 4000 Menschen pro Stunde unterwegs sind, in eine Großbaustelle. Das Unternehmen investiert 5,8 Millionen Euro. Am Mittwoch haben die Verantwortlichen in Neumünster Details zu dem gigantischen Vorhaben genannt. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was und wie wird gebaut?

Bei dem Projekt steht die Erneuerung des sogenannten Oberbaus im Mittelpunkt. Michael Körber von der zuständigen DB Netz AG erklärt: „Die jetzigen Gleise sind 30 Jahre alt. Sie nähern sich dem Ende ihrer technischen Nutzbarkeit an.“ Deshalb nehme der Konzern einen Komplettaustausch vor. Schiene, Schotter, Schwellen – alles werde neu gemacht. Das geschehe mithilfe eines sogenannten Umbauzuges, etwa 500 Meter lang, maschinell.

Wann sind die Arbeiter wo?

Die DB Netz AG hat die gesamte Strecke in drei Bauabschnitte eingeteilt. Der erste, 2124 Meter lang, liegt zwischen Pinneberg und Tornesch und wird von Donnerstag, 29. März, 22 Uhr, bis Donnerstag, 5. April, 12 Uhr, bearbeitet. Unmittelbar im Anschluss daran nimmt sich die DB Netz AG ein 1939 Meter langes Teilstück zwischen Tornesch und Elmshorn vor. Die Arbeiten daran dauern laut Zeitplan bis Donnerstag, 12. April, 5 Uhr. Bis Mittwoch, 2. Mai, konzentrieren sich die Gleisbauer dann auf ein 2020 Meter langes Stück zwischen Tornesch und Pinneberg. Sie arbeiten rund um die Uhr an sieben Tagen pro Woche. Bereits ab Freitag, 23. März, werden die Schienen inspiziert.

Was kommt auf Bahnfahrer zu?

Es gibt in den jeweiligen Abschnitten keine Weichen, auf denen Züge das Gleis wechseln könnten. „Deshalb steht ab 23. März bis zum Ende der Arbeiten nur ein Gleis zur Verfügung“, sagt DB-Netz-Mann Michael Körber. „Das bedeutet, dass etwa nur jeder zweite Zug fährt“, sagt sein Kollege Robert Guggenberger von der DB Regio AG. 50 Prozent weniger Kapazitäten heißt nach seinen Worten auch, dass „der Zug zur Stunde sieben einfach mal voll sein kann“. In diesem Fall sorgten Bahn-Mitarbeiter dafür, dass niemand mehr einsteige. Guggenberger: „Sonst kämen wir zu der unschönen Situation, dass wir einen Zug räumen müssten.“

Wie reagieren Bahn und Nordbahn?

Sowohl die DB Regio als auch die Nordbahn fahren mit den längstmöglichen Zügen. Beide Unternehmen setzen auch Busse zwischen Pinneberg und Elmshorn ein. „Die Fahrzeit der Busse weicht von der der Züge ab“, sagt Nordbahn-Chef Eduard Bock. Die Bahn setzt unterdessen mehr Servicekräfte auf den Bahnsteigen ein und verstärkt das Personal in den Stellwerken.

Gibt es einen Ersatzfahrplan?

Der Ersatzfahrplan ist minutiös getaktet, aber recht unübersichtlich. Allein das gedruckte Heft der Nordbahn ist 24 Seiten dick. Deutsche-Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis empfiehlt Reisenden, sich tagesaktuell zum Beispiel im Internet (siehe Kasten) zu informieren. Er sagt: „Auch die Aushänge in den Bahnhöfen werden aktuell sein.“

Was ist, wenn etwas schiefläuft?

Was von niemandem offiziell, aber von vielen hinter vorgehaltener Hand zu vernehmen ist: Sobald es während der Bauphase auf der ohnehin schon störungsanfälligen Strecke zu einem Zwischenfall kommen sollte, weil etwa ein Zug im eingleisigen Bereich liegen bliebe oder das Stellwerk defekt wäre, bräche der gesamte Ersatzfahrplan in sich zusammen wie ein Kartenhaus.

Was erwartet die Anlieger?

Alle Anlieger bekommen Flugblätter zugestellt. Michael Körber: „Obwohl unsere Maschinen dem neusten Stand entsprechen, kann es auch laut werden.“

Kommen Autofahrer überall durch?

Auch Autofahrer im Großraum Tornesch müssen sich vereinzelt auf Einschränkungen gefasst machen, weil mehrere Bahnübergänge gesperrt werden. Betroffen sind nach Angaben von Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis die Anlagen Strümploh in Prisdorf (Behelfsübergang ist für unmittelbare Anlieger passierbar) sowie auf Tornescher Gebiet Esingen/Pinneberger Straße (für Fußgänger und Radfahrer passierbar), Kreyhorn und Denkmalstraße (für Fußgänger und Radfahrer passierbar) jeweils vom 29. März bis zum 5. April und vom 13. April bis zum 2. Mai. Der ebenfalls in Tornesch gelegene Bahnübergang Gärtnerweg wird vom 5. bis zum 12. April geschlossen.

Wie die Tornescher Stadtverwaltung angekündigt hat, können sich Autofahrer an den ausgeschilderten Umleitungsstrecken orientieren.