Pinneberg
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Stadt soll marode Wohncontainer schließen

Zerborstene Scheiben und rotte Wände im Obdachlosencontainer

Zerborstene Scheiben und rotte Wände im Obdachlosencontainer

Foto: Andreas Daebeler / HA

Die Kommunalpolitiker erhöhen den Druck auf Stadt: Noch im kommenden Jahr soll in neue Bauten für Obdachlose investiert werden.

Pinneberg.  Eingeschlagene Fenster. Kaputte Rohre. Eine Satellitenschüssel rottet vor sich hin. Und wer bei Regen den Weg zu den blauen Containern an der Müssentwiete geht, bekommt nicht nur eine desolate Obdachlosenunterkunft der Stadt Pinneberg zu Gesicht, sondern auch reichlich Schlamm. Das Abendblatt hatte im Winter über die menschenunwürdigen Zustände dort berichtet. Jetzt zieht Pinneberg die Notbremse. Die Wohncontainer an der Müssentwiete werden nicht mehr belegt.

Das bestätigte Rathaussprecherin Maren Uschkurat auf Anfrage. „Die Unterkunft sollte kürzlich notdürftig wieder hergerichtet werden. Leider war dies nicht möglich“, sagt sie. Daher werde die Anlage derzeit nicht genutzt. Eine wegen des schlechten Zustands ebenfalls in die Kritik geratene Containerunterkunft am Hindenburgdamm werde jedoch weiterhin belegt.

Die Politik erhöht unterdessen den Druck auf die Stadtverwaltung. 2019 soll unbedingt investiert werden. Auch ein Neubau für Menschen ohne Wohnung soll her. Anlass der neu aufkeimenden Diskussion war eine Anfrage der Grünen. Die wollten anlässlich des nahenden Winters wissen, wann sich an der Müssentwiete und am Hindenburgdamm endlich etwas tue. Derzeit habe der Schulbau Priorität. Die Unterkunft für Obdachlose laufe „nachrangig“, hieß es aus dem Rathaus. Es werde angepeilt, erst 2020 zu handeln.

Entstehen könnte ein Neubau an der Elmshorner Straße

Zwei weitere Winter mit den rotten Containern? Das kam nicht so gut an. „Wir waren unzufrieden mit der Antwort aus der Stadtverwaltung“, so Ulrike Bues, die für die Grünen im Rat sitzt. Die Fraktion forderte in einem flugs formulierten Antrag, Geld für neue Unterkünfte bereits in den Haushalt 2019 einzustellen - und dann auch endlich zu bauen. Die Grünen ernteten die Unterstützung sämtlicher Fraktionen.

Entstehen könnte ein Neubau auf dem Grundstück an der Elmshorner Straße. Ob die einst prognostizierten Baukosten von 600.000 Euro noch zu halten sind, weiß Rathaussprecherin Uschkurat nicht. Sie verweist auf die in der Baubranche anhaltenden Preissteigerungen, eine Folge der großen Nachfrage nach Handwerkern.

Das bislang genutzte Grundstück an der Müssentwiete könne später als Gewerbegrundstück veräußert werden. „Gleichzeitig sollen dann aber auf einem anderen Grundstück an der Müssentwiete neue Container aufgestellt werden, vorbehaltlich einer Machbarkeitsstudie“, so Uschkurat. Mit dem Containerstandort Hindenburgdamm werde weiterhin geplant.

Die maroden Container an der Müssentwiete stehen bereits seit 1999. Vor zehn Monaten war es dort sogar zu Gewaltausbrüchen gekommen. In der Folge hatte es die Stadt geschafft, einem betroffenen Mann, der dort mehrere Jahre lebte, eine Wohnung zu vermitteln. Dass ein neues Heim für Wohnungslose her soll, ist längst politisch beschlossen und seit Jahren vorgesehen. Das nötige Geld wurde jedoch woanders ausgegeben. Hochgezogen werden soll der Neubau, der im Jahr 2014 mit zehn Wohneinheiten geplant war, nach Informationen des Abendblatts auf einem Grundstück an der Elmshorner Straße 193.

Dass Investitionen nötig sind, verdeutlichen aktuelle Zahlen. Zum Stichtag 31. August waren in der Stadt Pinneberg 641 Obdachlose gemeldet. Die schäbigen Container an der Müssentwiete stehen nur wenige hundert Meter von einem 2017 bezogenen Holzhaus für Wohnungslose entfernt. Dort haben Flüchtlinge eine Heimat gefunden. Auf Sicht könnten auch Obdachlose dort unterkommen.

Die Stadt Pinneberg hat allerdings bereits darauf hingewiesen, dass Containerstandorte weiterhin benötigt würden, weil es Menschen gebe, deren Verhalten eine andere Unterbringung ausschließe.