Pinneberg
Wedel

Volkshochschul-Lehrer kämpft für Geflüchtete

Hans-Peter Holzwarth und sein Schüler Nebojsa Stanisic, 23, aus Serbien

Hans-Peter Holzwarth und sein Schüler Nebojsa Stanisic, 23, aus Serbien

Foto: Anne Dewitz

Nebojsa Stanisic aus Serbien sucht händeringend eine Lehrstelle im Handwerk. Hilfe bekommt er von Hans-Peter Holzwarth.

Wedel.  Hans-Peter Holzwarth arbeitet seit langem als Deutschlehrer an der Volkshochschule Pinneberg und musste immer wieder erleben, wie schwierig es für Bewerber aus dem Ausland ist, in Deutschland eine Arbeit zu finden. „Die meisten finden, wenn überhaupt, nur eine Lehrstelle im Gastronomiegewerbe“, sagt er. „Einer meiner Schüler ist 23 Jahre alt und zeigt in jeder Hinsicht ein einwandfreies Verhalten.“ Nebojsa Stanisic heißt der junge Mann, der mit seiner Familie in Wedel in einer Flüchtlingsunterkunft lebt. Diese kommt aus Serbien.

Auf die Frage, warum er nach Deutschland gekommen ist, sagt Stanisic kurz: „Wir sind Roma und in Serbien nicht erwünscht.“ Sein Deutsch ist noch recht holprig, doch er lernt jeden Tag Vokabeln. Stockend erzählt er, dass seine Familie von der serbischen Mafia bedroht wurde, der Vater sei verschwunden, Mutter und Schwester Opfer von Vergewaltigungen. In Serbien hielt sich Nebojsa Stanisic mit Gelegenheitsjobs über Wasser. „Gartenarbeit und so“, sagt er. Als Angehöriger einer Minderheit habe er in seiner Heimat kaum Chancen auf eine feste Arbeit.

Sein Wunsch ist es, in Deutschland zu bleiben und arbeiten zu dürfen. Der 23-Jährige sucht schon längere Zeit einen Ausbildungsplatz als Maler oder Tischler. „Ich habe ihn dabei unterstützt und mehrere Firmen im Umkreis angemailt. Fehlanzeige“, sagt Holzwarth. Er habe nicht einmal eine Antwort erhalten. „Auch mit der Handwerkskammer hatte ich Kontakt. Nichts! Warum?“ Dabei lese er doch ständig, dass das Handwerk über Fachkräftemangel klage.

Anderen Geflüchteten ist der Schritt auf den deutschen Arbeitsmarkt bereits gelungen. So erhielten Ende vergangenen Jahres 1061 Asylbewerber im Kreis Pinneberg einen Arbeitsvertrag. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mit und spricht von einem „Ankommen in der Gesellschaft – bei Kollegen und Chefs“. Die NGG beruft sich hierbei auf eine neue Statistik der Bundesagentur für Arbeit.

Danach ist die Zahl der berufstätigen Flüchtlinge aus den acht wichtigsten Herkunftsländern – darunter Syrien, Afghanistan und Irak – stark angestiegen. Vor drei Jahren zählte die Arbeitsagentur im Kreis Pinneberg noch 338 Asylsuchende mit einem Arbeitsvertrag.

„Die Zahlen zeigen, dass ein großer Teil der Menschen, die in den letzten Jahren zu uns gekommen sind, im Berufsleben Fuß fassen konnte. Und zwar trotz Sprachbarrieren und teils enormer bürokratischer Hürden“, sagt NGG-Regionalchefin Silke Kettner.

Positiv wertet die Gewerkschafterin den steigenden Anteil regulärer Jobs. Laut Statistik waren kreisweit 66 Prozent der erwerbstätigen Flüchtlinge sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Diese Menschen verdienen ihr eigenes Geld, sie zahlen Steuern und Sozialbeiträge“, so Kettner.

In Nebojsa Stanisics Fall könnte der unsichere Aufenthaltsstatus eine Rolle bei der bislang erfolglosen Arbeitssuche spielen. Die Familie ist seit drei Jahren in Deutschland und hat den Status „geduldet“. Alle zwei Monate müssen sie sich bei der Ausländerbehörde in Elmshorn melden. Dann erfahren sie, ob sie weitere zwei Monate Asyl bekommen.

Wer aus Drittstaaten wie Serbien nach Deutschland kommen will, um zu arbeiten, braucht eine Arbeitserlaubnis. Die rechtlichen Regeln finden sich im Asylgesetz: Für Staatsangehörige aus Serbien, Montenegro, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo und Mazedonien gilt die Sonderregelung, dass bei Vorlage eines verbindlichen Arbeitsplatzangebotes aus Deutschland eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird. Dies gilt für alle Berufe, Ausbildungen und Helfertätigkeiten – auch ohne eine qualifizierte Berufsausbildung. Nur die Beschäftigung in einer Leiharbeitsfirma ist untersagt.

Holzwarth hatte in seinem Deutschunterricht schon Schüler aus Peru, Vietnam, „im Grunde aus der ganzen Welt“, wie der 73-Jährige sagt, der früher als Vertriebsdirektor einer Computerfirma tätig war. Der Rellinger findet, wer in Deutschland arbeiten möchte, dem soll man es nicht verwehren. Er findet, „jeder, der in Deutschland Handwerker werden will, ist für unser Land ein Zugewinn.“