Pinneberg
Wedel

Der Flüchtling, der die Flüchtlinge fotografiert

Mohamad Alzabadi aus Syrien, der eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement macht, hat mit dem Diakonieverein die Fotoausstellung „We work“ umgesetzt

Mohamad Alzabadi aus Syrien, der eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement macht, hat mit dem Diakonieverein die Fotoausstellung „We work“ umgesetzt

Foto: Mohamad Alzabadi

Mohamad Alzabadi aus Syrien und der Diakonieverein Wedel machen gelungene Integration sichtbar. Neue Ausstellung mit Mohamads Fotos.

Wedel.  Mohamad Alzabadi aus Syrien hat sowohl eine große Leidenschaft als auch ein großes Talent: das Fotografieren. Das erkannte auch Sandra Lüpping, Mitarbeiterin im Diakonieverein Wedel. Sie holte den Hobbyfotografen für ihre Fotoausstellung zum Thema „We work“ mit ins Boot. Ihr Anliegen: Vorurteile abbauen und den vielen, vielen positiven Beispielen gelungener Integration ein Gesicht geben. „Wir haben Wedeler Neubürger wie Alzabadi, die in den vergangenen Jahren geflüchtet sind und sich so schnell integriert haben, dass sie bereits einen Arbeitsplatz gefunden haben, abgelichtet“, sagt sie.

Alzabadi selbst macht eines seiner Hobbys zum Beruf: Der 21-Jährige absolviert eine Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement beim Kamerahersteller Olympus Europa in Hamburg-Hammerbrook. Alzabadi ist im zweiten Lehrjahr, und die Arbeit macht ihm Spaß. „Die Kollegen sind sehr nett“, sagt er. Wenn er trotz guter Deutschkenntnisse mal ein Wort nicht verstehe, seien sie geduldig und würden es umschreiben.

Von Elmshorn ging es nach Wedel

Der junge Mann flüchtete 2015 aus Damaskus. „Ich wäre sonst zum Militärdienst eingezogen worden“, sagt er. Auf seine eigenen Leute schießen wollte er auf keinen Fall, und so nahm er die beschwerliche Flucht über das Mittelmeer, die Türkei, Griechenland und Italien auf sich. In Deutschland kam er zunächst in der zentralen Auffangstelle in Neumünster unter, wurde später Elmshorn zugeteilt. Seine Familie musste er zurücklassen. „Da ich nicht mehr minderjährig bin, darf ich sie nicht nachholen“, sagt Alzabadi. Wenn es dort Strom gibt und Empfang, telefoniert er mit ihnen. Er vermisst sie, versucht aber, das Beste aus seiner Lage zu machen.

Von Elmshorn ging es in eine Flüchtlingsunterkunft nach Wedel. „Ich hatte das große Glück, dass mich eine deutsche Familie für ein Jahr bei sich aufgenommen hat“, sagt der Syrer. Die gab ihm Halt. „Sie haben mir sehr geholfen.“ Er besucht Sprachkurse an der VHS Wedel, lernt Deutsch, trainiert Taek-wondo. Mitarbeiter des Wedeler Diakonievereins begleiten ihn, kennen jeden Flüchtling, der in ihrer Stadt ankommt. Ein gut gespanntes Netzwerk fängt die Neuankömmlinge auf. Im Willkom-
menscafé knüpft Alzabadi Kontakte – zu Deutschen und anderen Flüchtlingen.

Seine Zeugnisse nahm er auf der Flucht mit

Über das Fotografieren lernt er seine Umgebung kennen. Möglich macht es ein Foto-Projekt, das von Katja Gärtner, Mitarbeiterin von Olympus Europa in Hamburg, für Migranten ins Leben gerufen wurde und in Wedel untergekommen war. Gärtner zog mit den Neubürgern durch Wedel und Umgebung, um die neue Heimat durch das Objektiv einer Kamera zu erkunden. Einige der Bilder werden später in der Sparkasse Wedel ausgestellt, auch die Alzabadis.

In Syrien ging er bis zur zehnten Klasse zur Schule. Seine Zeugnisse nahm er auf der Flucht mit. „Hier wurden sie als mittlere Reife anerkannt“, sagt er. Nach anderthalb Jahren begann Alzabadi den Bundesfreiwilligendienst bei der Stadt Wedel. Vormittags im Sprachkursus, arbeitet er nachmittags im Stadtteilzentrum „mittendrin“.

Vieles ist ganz anders als in Syrien

Die Fotos für die Ausstellung „We work“ sind Beispiele für gelungene Integration, die auch dank der vielen Helfer möglich wurde. „Wir möchten nicht rumsitzen, sondern etwas leisten“, sagt Alzabadi. Das Geld, das sie verdienten, sei manchmal nicht mehr als die Sozialhilfeleistungen. „Wir verdienen unser Geld lieber selbst und möchten selbstständig sein“, sagt er. „Egal ob Afghane, Iraner, Syrer oder Afrikaner, die sind alle hier, um ein neues Leben zu gründen. Wir arbeiten, wir verdienen und entwickeln uns weiter. Das wollen wir mit den Bildern zeigen.“

Alzabadi lernt jeden Tag dazu. „Vieles ist ganz anders als in Syrien“, sagt er. Dass man Steuern zahlt zum Beispiel, oder nur acht Stunden am Tag arbeiten darf. „In Syrien gibt es keinen Arbeitsschutz. Da kannst du zehn, zwölf Stunden arbeiten. Kein Problem“, sagt er und lacht. Für seine Zukunft wünscht er sich, in Deutschland zu arbeiten und zu leben. Und bald seine Familie wiederzusehen.

Die Ausstellung „We work“ kann während der Interkulturellen Wochen demnächst Mo–Fr 8.30–13 Uhr, Do 15–18 Uhr in der VHS Wedel, ABC-Straße 3, besichtigt werden. Eintritt frei.