Pinneberg
Elmshorn

Bürokratie macht Tierheim die Arbeit schwer

Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn, mit einer jungen Katze aus dem Tierheim

Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn, mit einer jungen Katze aus dem Tierheim

Foto: HA

Anträge für Fördergeld nur unter hohem Aufwand möglich. Veterinäramt hat alle Medikamentenspenden beschlagnahmt.

Elmshorn.  Dass während der Sommerferien deutlich mehr Tiere ausgesetzt werden als im Rest des Jahres, kann Brigitte Maeder, Vorsitzende des Tierschutzvereins Elmshorn, nicht beobachten. Aber: „Bei uns herrscht von Frühjahr bis Herbst Hochsaison“, sagt sie. Etwa 30 Hunde, 60 Katzen und 35 Kleintiere leben zurzeit in der Einrichtung an der Justus-von-Liebig-Straße. „Etwa 90 Prozent der aufgefundenen Hunde werden von ihren Besitzern wieder abgeholt, bei den Katzen sind es 20 Prozent. Verlierer des Sommers sind häufiger Kleintiere, die ungechipt leichter ausgesetzt werden können.“

Probleme bereitet den Tierschützern auch die Bürokratie. Laut der neuen „Verordnung über Nachweispflichten der Tierhalter für Arzneimittel, die zur Anwendung bei Tieren bestimmt sind“ dürfen im Tierheim keine gespendeten Medikamente mehr angenommen oder verwendet werden. Darüber sei man nicht informiert gewesen, so Maeder. „Bei einer Prüfung im vergangenen Jahr beschlagnahmten Mitarbeiter des Veterinäramtes alle Medikamentenspenden“, sagt sie. Die Beschaffung der Arzneien und auch der Chips, die nicht mehr in Großmengen besorgt werden dürfen, wird teurer. Bislang fielen jedes Jahr bereit 45.000 bis 60.000 Euro Tierarztkosten an. Der Betrag dürfte nun noch um einiges steigen. „Allein ein einfaches Flohmittel kostet zehn bis 20 Euro, Schmerzmittel kosten noch viel mehr“, so Maeder.

Das Tierheim kämpft jährlich mit einem Minus von rund 50.000 Euro. Denn Ordnungsämter zahlen bei Fundtieren für 28 Tage. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Dauergäste zu.

Dass die Förderung des Tierschutzes gelegentlich an Bürokratie scheitern kann, stellte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Beate Raudies kürzlich bei einem Besuch im Tierheim fest. Sie wollte sich nach dem Sanierungsbedarf der Einrichtung erkundigen, denn gemäß neuer Tierheimförderrichtlinie des Umweltministeriums in Kiel stehen für den laufenden Betrieb von Tierheimen und tierheimähnlichen Einrichtungen 100.000 Euro zur Verfügung. Für Investitionen stehen dieses Jahr 250.000 Euro bereit. Diese Förderung soll es auch 2019 geben. Das hört sich erst mal gut an.

Doch wie Raudies von Maeder erfahren musste, steckt der Teufel im Detail. Sie wies auf einen Punkt der Richtlinie hin, der besagt, dass Geld Dritter, insbesondere der Kommunen, vorrangig in Anspruch zu nehmen sei. Diese Förderung ist immer zu beantragen, bevor ein Antrag beim Umweltministerium gestellt wird. „Das bedeutet für uns, dass, wenn wir beispielsweise Zuschüsse aus dem Landesförderprogramm für einen neuen Rasenmäher beantragen wollen, wir vorher Anträge an 19 Ordnungsämter im Kreis Pinneberg stellen müssen. Die sind nämlich für uns vorrangig zuständig“, sagt Maeder. Daher bemühen sie und ihre Mitarbeiter sich lieber um Geld von Stiftungen, um den großen bürokratischen Aufwand zu vermeiden.

„Das kann ich nachvollziehen. Die jeweiligen rechtlichen Voraussetzungen für die Tierheime im Land sind offenbar nicht berücksichtigt worden. Diese Richtlinie muss daher nachgebessert werden, damit auch wirklich alle Tierheime in Schleswig-Holstein leicht und unbürokratisch an die Finanzen kommen“, so Raudies. „Die Förderung von Tierschutz darf nicht an Bürokratie scheitern.“