Pinneberg
Appen

Hier zeigt die Bundeswehr, was sie kann

Reservisten der Bundeswehr zeigen bei einer Lehrvorführung, wie Soldaten beim Objektschutz einer Bedrohung während eines Auslandseinsatzes begegnen würden

Reservisten der Bundeswehr zeigen bei einer Lehrvorführung, wie Soldaten beim Objektschutz einer Bedrohung während eines Auslandseinsatzes begegnen würden

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Knapp 10.00 Besucher beim Tag der Bundeswehr in der Marseille-Kaserne. 30 Jahre Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen.

Appen.  Malte (6) und Bjarne (4) weichen einen Schritt zurück, als der Motor des Bergepanzers angelassen wird. Das Aggregat dröhnt, Abgase werden aus einem Stahlgitter – dem Auspuff – gepustet. Fasziniert schauen die beiden Jungen aus Heidgraben auf das Gefährt, als sich dessen große Baggerschaufel hebt und senkt. Dann senkt sich auch der Räumschild vor dem Panzer, der vordere Teil des Militärfahrzeugs erhebt sich, um nur noch auf Schaufel, Schild und dem hinteren Teil der Ketten zu stehen. Der Bergepanzer, auf der Basis des „Leopard“ konstruiert, scheint ein bisschen zu schweben.

Der Mensch im Mittelpunkt der Unteroffizierschule

Es ist Sonnabend in Appen. Malte und Bjarne sind mit Vater Jan Riedemann und Großvater Hartmut Riedemann zum Tag der Bundeswehr – Motto: „Willkommen Neugier!“ – in die Marseille-Kaserne gekommen. Die beiden Erwachsenen haben einst ihre Wehrpflicht abgeleistet und wollen sehen, was die Bundeswehr heutzutage macht, über welche Ausrüstung sie verfügt. „Hier ist schon einiges aufgefahren worden“, so Hartmut Riedemanns erster Eindruck. Die beiden Jungen sind allein schon von dem Bergepanzer beeindruckt. Es ist das erste Fahrzeug, das sie sehen. „Bei den anderen Panzern waren wir noch nicht. Mal schauen, was sie dazu sagen“, sagt Jan Riedemann.

Knapp 10.000 Besucher wollen sich wie die Riedemanns über die Bundeswehr informieren. Zum ersten Mal ist diese Veranstaltung in der Marseille-Kaserne organisiert worden, und zwar aus Anlass der Gründung der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen vor 30 Jahren. Deren Motto lautet: Führen will gelernt sein.

Im Mittelpunkt steht an diesem Tag die Ausrüstung der Truppe. Die Luftwaffe hat mit der Transall, die zu besichtigen ist, und einem Airbus A400M, der das Gelände überfliegt, Geschichte und Zukunft dieser Teilstreitkraft aufgeboten. Auch dabei: eine einmotorige Piaggio, mit der Piloten ihre ersten Ausbildungsflüge absolvieren, und der Leichthubschrauber H145M, mit dem Spezialkräfte in den Einsatz fliegen. Das Heer hat fast die gesamte Palette seiner Rad- und Kettenfahrzeuge aufgeboten, schwerstes Geschütz ist die Panzerhaubitze 2000. An allen Geräten stehen Soldaten, die Fragen beantworten. Apropos Geschütz: Auch eine Gulaschkanone ist da, es gibt Erbsensuppe – und zwar gratis.

Die Unteroffizierschule stellt ihre Ausbildungsarbeit dar. Auf einer kleinen Messe wirbt das Militär um Nachwuchs, auch die Polizei ist dort vertreten. Auch andere Organisationen des Rettungs- und Sicherheitsapparates können sich präsentieren. So hat etwa das Technische Hilfswerk eine große Wasserreinigungsanlage aufgebaut, wie sie im Katastrophenfall zum Einsatz kommt.

Mit einer Dornier Do 28 können die Besucher zu einem Schnupperflug abheben. Bei einer Lehrvorführung wird von Reservisten das Szenario eines Kampfeinsatzes durchgespielt, wie er sich im Ausland zutragen könnte. Professionell und bestmöglich geschult sollen die Soldaten in ihre Einsätze gehen.

Munter führt der RSH-Moderator Carsten Kock durch das Programm. In einer Talkrunde lässt er den Kommandeur der Unteroffizierschule, Oberst Michael Skamel, zu Wort kommen. „Schule ist Schule“, sagt der. „Der Mensch steht bei uns im Mittelpunkt.“ Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) lobt das „brillante Verhältnis“ zur Bundeswehr. Die Faszination der „dritten Dimension“, des Fliegens, hebt als Vertreter des Verteidigungsministerium der stellvertretende Inspekteur der Luftwaffe, der Drei-Sterne-General Ansgar Rieks, hervor.

Der Tag der Bundeswehr wird seit vier Jahren organisiert. Ziel ist, die Verbundenheit des Militärs mit der Gesellschaft zu demonstrieren. An bundesweit 16 Standorten haben sich in diesem Jahr die Kasernentore geöffnet. Im Rahmen der Imageoffensive spricht immer auch der oberste Chef der Truppe. Die in Oldenburg gehaltene Rede von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ist per Video live an alle Standorte übertragen worden, also auch in Appen zu sehen und zu hören gewesen.