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Dieser Pilot fliegt die Transall nach Appen

In Appen gelandet: Frank Plumhoff an seinem Arbeitsplatz im Cockpit der 48 Jahre alten Transall

In Appen gelandet: Frank Plumhoff an seinem Arbeitsplatz im Cockpit der 48 Jahre alten Transall

Foto: Burkhard Fuchs

Frank Plumhoff hat den Transporter am Dienstag zur Stellprobe für den Tag der Bundeswehr gebracht. 10.000 Besucher werden erwartet.

Appen.  Brummend hat sie sich von Westen her angekündigt. Als ihre Räder auf der trockenen Graspiste aufsetzen, staubt es mächtig. Es ist Dienstagmorgen, als auf dem kleinen Sportflugplatz Uetersen-Heist eine ungewöhnlich große Maschine landet: eine Transall der Bundeswehr, olivgrün, 30 Tonnen Gewicht, 40 Meter Spannweite. Langsam rollt sie auf das Gelände der benachbarten Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen zu. Lande- und Stellprobe heißt das Manöver. Eine Vorbereitung für den Tag der Bundeswehr am Sonnabend in einer Woche, zu dem 10.000 Besucher erwartet werden.

Vorn links im Cockpit sitzt Oberstleutnant Frank Plumhoff, der seine „alte Lady“, wie er den fliegenden Transporter liebevoll nennt, voraussichtlich auch in der kommenden Woche nach Appen manövrieren wird. Der Flug vom Standort des Lufttransportgeschwaders 63 in Hohn bei Rendsburg über Aukrug, Hohenwestedt und Elmshorn entlang der Elbe dauert nur 15 Minuten. Die Landung mit der vor 48 Jahren in Dienst gestellten großen Maschine, die schon 13.200 Flugstunden im Einsatz war, sei nicht ganz so einfach gewesen, sagt der erfahrene Pilot: „Auf einer Graspiste zu landen ist immer etwas Besonderes und birgt ein gewisses Risiko.“ Weil auf dem Flugplatz Uetersen-Heist sonst nur eher kleine Sportflugzeuge starten und landen, hat das Organisationsteam um Oberstabsfeldwebel Michael Schmidt von der Unteroffizierschule vorher mit aufwendigen Erdbohrungen die Tragfähigkeit des Untergrundes genau untersucht. Und für gut befunden.

Pilot vergleich Transall mit altem VW Käfer

Für den doppelt so schweren Airbus A400M, der 2021 die Transall als Transportflugzeug der Bundeswehr ablösen soll, wird es allerdings nicht reichen. Diese Großmaschine wird am Tag der Bundeswehr gegen 15.20 Uhr nur mit einem Überflug über das Gelände der Unteroffizierschule aus der Luft grüßen. Pilot Plumhoff vergleicht den Unterschied zwischen den beiden Fliegern mit einem alten, luftgekühlten VW Käfer und einem modernen High-Tech-Auto mit Navi und allem möglichen elektronischen Schnickschnack. Heute würde keiner mehr die Transall bauen, meint Plumhoff. „Aber von der Konstruktion her funktioniert sie hervorragend.“ In 5800 Stunden ist er bis Afghanistan, Jordanien und Somalia geflogen.

Und nun nach Appen. Innenminister Hans-Joachim Grote (CDU) und der stellvertretende Inspekteur der Luftwaffe, Ansgar Rieks, werden die Veranstaltung offiziell eröffnen. Sie stehe den ganzen Tag unter dem Motto „Eine Truppe zum Anfassen“, erklärt Hauptmann Marko Wilckens. „Wir wollen zeigen, was wir hier machen und dass die Bundeswehr ein guter Arbeitgeber ist.“ In Appen sind neben den 250 fest stationierten Soldaten 100 Menschen in zivilen Berufen vom Elektriker über den Schlosser bis zum Gärtner angestellt.

Auch das Heer zeigt seine Großgeräte in Appen. So werden mehrere Panzer und andere Fahrzeuge ausgestellt sein, die zusammen 350 Tonnen wiegen und 6700 PS Leistung bringen. Für die Besucher werden von 11 bis 15 Uhr Rundflüge ausgelost. Die 30 Gewinner – die Zahl orientiert sich am 30-jährigen Bestehen der Unteroffizierschule in diesem Jahr – können sich auf einen 20-Minuten-Flug über die Elbe bis nach Hamburg und zurück freuen – allerdings mit einer historischen Do 228. Wer dabei nicht zum Zuge kommt, kann anschließend noch spontan einen Flug für 70 Euro buchen.

Der Katastrophenschutz des Kreises Pinneberg wird gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk, dem Deutschen Roten Kreuz und der DLRG ein Katastrophenszenario darstellen. Dabei wird gezeigt, wie schnell im Ernstfall bei einem Deichbruch Sandsäcke befüllt und aufgestellt werden können. Mit Feuerwehrkräften aus der Region wird die Funktionsweise einer Wasseraufbereitungsanlage vorgestellt, die laut Hauptmann Wilckens aus verunreinigtem Wasser genießbares Trinkwasser machen kann.

Auch der Sanitätsdienst der Bundeswehr wird darstellen, wie schnell er im Ernstfall verwundete Soldaten versorgen und retten kann. Polizei- und Feuerwehrkräfte zeigen Teile ihrer Ausbildung. An einem Schießsimulator können die Besucher ihre Treffsicherheit testen. Mit scharfer Munition darf an diesem Tag aus Sicherheitsgründen natürlich nicht geschossen werden.

Darüber hinaus wird den Besuchern auf der großen Wiese vor dem Unteroffiziersheim ein buntes Unterhaltungsprogramm mit Musik, Interviews und Auftritten des Marine-Musikkorps Kiel (12 Uhr) oder des Spielmannzuges Appen (15 Uhr) und einem Shanty-Chor (15.30 Uhr) und einer Live-Band (16.20 Uhr) bestückt wird. Ein erfahrener Radio-Reporter führt durchs Programm. Dabei wird es sogar eine Live-Schaltung nach Afghanistan geben, bei der eine dort stationierte Soldatin über ihre Erfahrungen im Auslandseinsatz Rede und Antwort stehen wird.

Auch für die kleinen Besucher wird es ein buntes Unterhaltungsprogramm mit verschiedenen Spielmöglichkeiten zum Toben sowie Torwandschießen, Hüpfburg und Barfußpark geben.