Pinneberg
Kreis Pinneberg

Erziehung – „Hey Papa, leg doch mal das Handy weg“

Silvia Stolze (r.) und Ramona Lübcke von der Kreisverwaltung zeigen eines der Plakate der Kampagne

Silvia Stolze (r.) und Ramona Lübcke von der Kreisverwaltung zeigen eines der Plakate der Kampagne

Foto: Burkhard Fuchs

Eine neue Kampagne der Erziehungs- und Suchtberatungsstellen warnt Eltern vor Entwicklungsstörungen bei kleinen Kindern.

Kreis Pinneberg.  Die ständige Erreichbarkeit durch Handys und soziale Medien lenkt uns nicht nur im Straßenverkehr ab. Auch ein gesundes Aufwachsen und die Entwicklung kleiner Kinder litten zunehmend darunter, klagen die Erziehungs- und Suchtberatungsstellen im Kreis Pinneberg. Zusammen mit dem Team Prävention und Jugendarbeit haben sie jetzt eine Kampagne gestartet, die junge Eltern dazu anhalten soll, ihr Smartphone immer dann wegzulegen, wenn sie mit ihren Kindern spielen, sprechen oder nur zusammen sind. Sie trägt den Titel: „Haben Sie heute schon mit ihrem Kind gespielt/gesprochen?“

Ansonsten könnten die Kinder in ihrer Konzentrationsfähigkeit, Persönlichkeits- und Sprachentwicklung nachhaltig gestört werden, warnt Michaela Otte von der Lebenshilfe. „Wenn junge Mütter und Väter ihrem Kind nicht die volle Aufmerksamkeit schenken, was diese sofort spüren, geht die emotionale Bindung zum Kind verloren“, ergänzt Frauke Schöffel von der Familienbildungsstätte in Elmshorn.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen, hat die Kreisverwaltung jetzt alle 155 Kindertagesstätten, Erziehungs- und andere Beratungsstellen für Eltern und Kinder sowie Kinderärzte und Rathäuser mit entsprechenden Plakaten ausgestattet. Diese zeigen, wie ein kleines Kind schaukelt, der Vater aber nicht auf das Kind, sondern auf sein Handy achtet. Statt dem Kind also Freude und Selbstbewusstsein einzuprägen, indem die Eltern das Verhalten als toll verstärken, erfährt dies keinerlei Unterstützung.

Ein anderes Foto stellt eine Szene beim Abendessen dar, in der beide Eltern von dem elektronischen Gerät so abgelenkt sind, dass ihr Kind praktisch allein essen muss. „Das wirkt auf das Kind genau so, als ob die Eltern gar nicht da wären und den Kontakt abgebrochen hätten“, erklärt Michaela Otte. „Die gerade für kleine Kinder so wichtige emotionale Bindung zu den Eltern bleibt auf der Strecke.“

Pro Tag etwa 200-mal aufs Handy gucken

Wer glaubt, dies sei nur ein marginales oder vorübergehendes Problem, irrt. Untersuchungen zeigten, dass die Digitalisierung unseres Alltags dazu geführt hat, dass ein Erwachsener etwa 200-mal am Tag auf sein Handy starrt, um E-Mails, SMS, Nachrichten, Wetterberichte oder soziale Medien zu checken, sagt Silvia Stolze von der Präventionsstelle in der Kreisverwaltung.

Das gehe inzwischen so weit, dass Mütter und Väter schon bei der Schwangerschaftsberatung ihren älteren Kindern lieber das Handy zum Spielen geben als sie dort mit den vorhandenen Spielsachen spielen zu lassen, hat Mirjam Bergfeld von der Schwangerschaftsberatung beobachtet. Darum könnte die Kampagne auch so heißen: „Mama, hast du deine Facebook-Freunde lieber als mich“, sagt Ineke Koedijk von der Erziehungsberatung der Awo.

Die Plakatkampagne soll von einer Fachtagung der Kindergarten-Erzieherinnen am 27. Juni im Kreishaus begleitet werden. Dort soll dann auch darüber beraten werden, wie die Eltern am besten auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden sollen, erklärt Ramona Lübcke, die die Frühen Hilfen in der Kreisverwaltung koordiniert. Zentrale Elternabende wären ebenso denkbar wie Gespräche in den einzelnen Kitas. Erste Kindergärten wie der katholische in Wedel hätten schon ein grundsätzliches Handyverbot in ihren Einrichtungen erlassen, weiß Marisa Schuchhardt vom Sozialdienst katholischer Frauen.