Pinneberg
Kreis Pinneberg

Volksbank startet Beratung durch Roboter

Die Volksbank-Vorstände Stefan Witt (v. l.), Uwe Augustin und Horst Alsmöller vor der Seite ihres Computer-Beratungsprogramms

Die Volksbank-Vorstände Stefan Witt (v. l.), Uwe Augustin und Horst Alsmöller vor der Seite ihres Computer-Beratungsprogramms

Foto: Burkhard Fuchs

Geldanlage ist jetzt online möglich. Wo er investiert, erfährt der Kunde nicht. Comdirectbank hat es schon, Sparkasse zieht nach.

Kreis Pinneberg.  Die Volksbank Pinneberg-Elmshorn führt als erste Regionalbank im Kreis Pinneberg eine rein computergestützte Anlageberatung ein. „Wir gehörten zu den wenigen Genossenschaftsbanken, die das seit November bundesweit als Pilotprojekt mit unserem Wertpapierpartner getestet haben“, sagt Volksbank-Vorstand Horst Alsmöller. „Als eine der ersten Volksbanken in Schleswig-Holstein bieten wir dieses Beratungstool jetzt unseren 94.000 Kunden an.“

Die Sparkasse Südholstein werde demnächst etwas Ähnliches auf den Markt bringen, kündigt Sparkassen-Sprecherin Imke Gernand an. „Wir sind kurz davor, es einzuführen. Das ist ja ein allgemeiner Trend. Da müssen wir unseren Kunden auch etwas anbieten können.“ Vorreiter dabei sind die Direktbanken. Die Comdirectbank mit Sitz in Quickborn arbeite seit Mai 2017 mit der computergestützten Bankberatung, sagt Sprecherin Ullrike Hamer. 300 Millionen Euro an Kundenvermögen würden auf diese Weise inzwischen rein virtuell verwaltet.

Die Volksbank verspricht sich von diesem reinen Online-Angebot, vor allem der jüngeren Generation, die mit Internet und Smartphone-Apps aufgewachsen ist, das Geldanlegen einfacher zu machen. „Moderne Vertriebskanäle werden stark nachgefragt“, begründet Volksbank-Vorstand Stefan Witt. So hatte die Volksbank bereits die Schließung von sieben ihrer zuvor 25 Geschäftsstellen im vorigen Jahr damit begründet, dass heute 40 Prozent weniger Kunden in die Filialen kämen als es noch im Jahr 2009 der Fall gewesen sei. Bis 2020 rechnet das Kreditinstitut mit einem Rückgang der Besucherzahlen um weitere 40 Prozent. Aktuell wickelten etwa 45 Prozent ihrer Kunden ihre Bankgeschäfte online ab, so Vorstand Witt.

Den digitalen Anlage-Assistenten erreicht der Volksbank-Kunde über die Internetseite des Pinneberger Unternehmens (www.vb-piel.de) in der Rubrik Geldanlage. Der potenzielle Kunde muss sich dann durch einen kleinen Fragenkatalog hindurchklicken, in dem er sein Alter, seinen Einsatz, sein Sparziel und seine Risikobereitschaft angibt. Daraus entwickelt das Computerprogramm eine Anlagenstrategie, die von konservativ bis hoch spekulativ reicht und ihm dann einen entsprechenden Investmentfonds empfiehlt.

Wo er investiert, erfährt der Kunde nicht

Welcher Aktien-, Immobilien- oder Rentenfonds konkret sich dahinter verbirgt, erfahre der Kunde nicht, erläutert Alsmöller. Aber selbstverständlich könne er jederzeit die Wertentwicklung verfolgen. Ab 25 Euro monatlich sei eine Geldanlage bei der Volksbank auf diese Weise jetzt möglich. Ob der Kunde sich von diesem „Robo-Advisor“, wie die Volksbank diese computergestützte „Selbstberatung“ neudeutsch nennt, angesprochen fühlt, hänge davon ab, wie online-affin der jeweilige Kunde sei, erklärt Vorstand Uwe Augustin. „Mit dem digitalen Anlage-Assistenten ‘Mein Invest’ bieten wir unseren Kunden jetzt die Möglichkeit, eine Geldanlage von der Legitimation bis zur Depoteröffnung komplett online abzuschließen.“

Bei der Comdirectbank sei die computergestützte Vermögensverwaltung ab einer Summe von 3000 Euro möglich, erklärt Sprecherin Ullrike Hamer. Der Kunde könne sich entscheiden, ob er sein Geld komplett aus der Hand geben wolle oder ob er sich nur Vorschläge unterbreiten lassen möchte. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Zuspruch unserer Kunden.“

Eine persönliche Beratung werde es aber bei der Volksbank weiterhin geben, betont der Vorstand. So nutzten zurzeit etwa fünf Kunden im Monat das Angebot, per Videokamera live von Computer zu Computer mit dem Bankberater nach vorheriger Terminabsprache zu konferieren, erklärt Witt. Und das Gros der Kunden pflege weiterhin das persönliche Gespräch in den Räumen der Geschäftsstellen. Dafür hat die Volksbank gerade ihre Konferenzräume in den Hauptfilialen in Pinneberg und Elmshorn thematisch umgestaltet. In Pinneberg hängt ein Baumschulfeld als Bildtapete an der Wand – mit einem grünen Teppich davor. Auch den Hamburger Hafen und ein industrielles Ambiente gibt es. In Elmshorn gibt’s Buttermarkt- und Hafenflair.