Pinneberg
Kultur

Der Glasmensch von Pinneberg sagt Tschüs

Hartmut Müller trennt sich am Sonntag von seinen Werken. Mit 74 Jahren schließt der Künstler sein Atelier am Fahltskamp in Pinneberg

Hartmut Müller trennt sich am Sonntag von seinen Werken. Mit 74 Jahren schließt der Künstler sein Atelier am Fahltskamp in Pinneberg

Foto: Andreas Daebeler / HA

Der 74-jährige Glaskünstler Hartmut Müller schließt sein Atelier Tabernakel – jedoch nicht ohne eine allerletzte Ausstellung.

Pinneberg.  Rot, blau, gelb und grün. Überall schimmert, strahlt und reflektiert es. Nein, an Farben fehlt es im Atelier Tabernakel nicht. Hier hat Hartmut Müller sein Reich. Ein Mann, der sich dem Glas verschrieben hat. Einer, der Skulpturen, Vasen, Schälchen und Briefbeschwerer kreiert. Seit den späten 70er-Jahren. Jetzt naht der Schlussakkord. Müller schließt sein Atelier, bringt seine Werke unters Volk – an diesem Sonntag steigt in den Räumen am Fahltskamp die letzte von etlichen Ausstellungen.

Mit Müller gibt ein Mann seine Kunst auf, der einst voll den Nerv der Zeit traf. Nach dem Industriedesign-Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg hatte der heute 74-Jährige entschieden, gemeinsam mit einem Kommilitonen einen Laden für Glaskunst zu eröffnen – am Grindel, unweit der Hamburger Uni. Er habe damals einen Trend aus den USA aufgegriffen. „In Deutschland wurde Glas als Werkstoff gerade erst entdeckt“, erinnert sich Müller an seine Anfänge in der Hansestadt.

Zunächst entstanden vor allem Gefäße, bei denen es aufs Dekor ankam. Dann kam mit den frühen 80ern die Zeit von Designerstücken. „Die Leute wollten sich Objekte in die Wohnung stellen, die etwas hermachten“, erinnert Müller sich. Bis in die 90er-Jahre habe der Boom angehalten, bevor er abebbte. In den Jahren danach waren dann vor allem Gebrauchsgegenstände gefragt. Müller schuf Briefbeschwerer, Kerzenständer und filigrane Obstschalen. Vieler dieser Werke können am Sonntag erworben werden.

Warum er aufhört? Müller nennt gesundheitliche Gründe. Es werde für ihn mit zunehmendem Alter immer schwieriger, feinmotorisch zu arbeiten. „Es ist ein harter Job, mit Glas zu arbeiten“, sagt der 74-Jährige. Von seinem Brennofen und dem Sandstrahler will sich der Künstler, der vor 15 Jahren aus der Gemeinde Rellingen nach Pinneberg wechselte, lieber noch nicht trennen. Wenn es ihn überkomme, werde er für sich arbeiten.

Das Atelier am Fahltskamp wird Hartmut Müller wohnlicher gestalten. Einige Stücke sind ihm so sehr ans Herz gewachsen, dass sie einen Platz behalten werden. Jede Kunst habe ihre Zeit, so Müller. „Mit skurrilen Objekten kann heute kaum noch jemand etwas anfangen.“ Junge Leute fänden selten Zugang zur Glaskunst. „Die interessieren sich eher für technische Dinge, sehnen das neue Smartphone herbei.“ Aber es gibt Liebhaber – die Sonntag nochmal zuschlagen können.

Ausstellung: So 6.5. 12–18 Uhr, Glasatelier Tabernakel, Fahltskamp 69, Pinneberg