Pinneberg
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Ein Modellbauer ebnet Woolworth den Weg

Was Elanza in der Rathauspassage zurückgelassen hat, nutzt Andreas Haker (52), um die Kulisse für seine Modellbau-Show zu bauen

Was Elanza in der Rathauspassage zurückgelassen hat, nutzt Andreas Haker (52), um die Kulisse für seine Modellbau-Show zu bauen

Foto: Lea Sirowitzki / HA

Haustechniker der Rathauspassage bereitet Ausstellung auf ehemaliger Elanza-Fläche vor. Danach zieht wieder ein Kaufhaus ein.

Pinneberg.  Andreas Haker kniet im Sand und bastelt. Um ihn herum entsteht eine Stadt im Miniformat. Die Wände der Häuser, sie bestehen aus Platten, wie sie zum Abhängen von Decken genutzt werden. Die „Lkw-Werkstatt“ nebenan war ursprünglich ein Regal. Es gibt Straßensperren aus alten Preisschildhaltern. „Und dass das Hochhaus eigentlich ein Brillenständer ist, hat auch noch keiner gemerkt“, sagt Haker. „Alles, was hier zu sehen ist, ist recycelt und selbst gemacht.“

Pinneberg, Rathauspassage. Hier bereitet der 52 Jahre alte Leiter der Haustechnik gerade eine ganz besondere Ausstellung hinter Schaufensterglas vor. Und exakt an diesem Ort wird später im Jahr die Warenhauskette Woolworth eine 1000 Quadratmeter große Filiale eröffnen, wie Konzernsprecherin Diana Peisert auf Anfrage bestätigt. Aber der Reihe nach.

Elanza schloss nach nur gut einem halben Jahr

Im Februar schloss überraschend Elanza Fashion & Home, der Ankermieter der Passage, der erst im Juli zuvor die Räume von Strauss Innovation übernommen hatte. Die hohen Anlaufverluste der ersten Monate und Umsätze, die hinter den Erwartungen zurückblieben, sollen die in Monheim am Rhein beheimatete Muttergesellschaft GMG Retail GmbH veranlasst haben, schon im Oktober 2017 beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz zu beantragen – wegen drohender Zahlungsunfähigkeit im laufenden Geschäftsbetrieb. Auch Cecil nebenan zog aus, ebenso Thews. Elanza zog aus, ohne die Ladenfläche vollständig zu räumen. Und eben deshalb ist jede Menge Material zum Basteln übrig geblieben.

Und das ruft nun den Haustechniker Haker auf den Plan, der ein leidenschaftlicher Modellbauer ist. Zusammen mit zwei anderen Modellliebhabern vom RC Glashaus aus Quickborn stellt der Bastler sein Hobby vor. Was vom Laden übrig blieb, wird zur Kulisse für Kipplaster, Sattelschlepper, Bagger, und Raupen. „Gekauft haben wir nur den Sand“, sagt Haker.

Seine Modelle sind alle im Maßstab von 1:16 oder 1:14 gebaut. Haker: „Mein größtes Modell ist 1,40 Meter lang. Das ist kein Hobby mit Spielzeugautos, wie viele denken.“ Manchmal baut er eine Woche an einem Fahrzeug, manchmal zwei Jahre. „Materialien gibt es günstig auf dem Schrottplatz. Wir fertigen alle Teile eines Modells selbst an, auch die Hydrauliktechniken.“ Die Entwürfe dafür stammen auch aus der Feder des Segebergers.

Der Modellbau begleitet Andreas Haker schon seit 35 Jahren: „Anfangs ließ ich nur ab und an auf der Quickborner Modellfahrbahn ein paar Wagen starten, Lastkraftwagen interessierten mich nicht. Aber durch Zufall kam ich zu meinem erstes Lkw-Modell, und seitdem habe ich die großen Fahrzeuge lieben gelernt.“

Selbst bei ihm zu Hause kommen die Modelle zum Einsatz. Das Futter für seine Hunde karrt ein Mercedes SK Kipper heran, und eine Straßenreinigungsmaschine säubert die Flure, wenn die Haustiere mal wieder dreckige Pfoten hatten. Auch in der Ausstellung sollen die Fahrzeuge etwas zu tun haben. „Wir bauen eine Filteranlage auf, in der Steine aus dem Sand sortiert und dann von Autos abtransportiert werden.“

Wenn Hakers Show vorbei ist, wird der Raum zu einer echten Baustelle. Woolworth beziehe nicht nur die Elanza-Filiale, sondern auch den alten Cecil-Laden und Teile der früheren Thews-Fläche, sagt Nicole Bastein, vom Centermanagement der Rathauspassage. Woolworth-Sprecherin Peisert rechnet mit einem Umzug des Kaufhauses vom Fahltskamp in die Einkaufspassage im September oder Oktober. „An unserem bisherigen Standort haben wir nur 700 Quadratmeter Verkaufsfläche“, sagt sie.

Modellbauer will Jüngere für Hobby begeistern

Mit viel Holz und Metall ausgestattet, solle der neue Laden auch hochwertiger und einladender wirken als der alte. Woolworth werde auch das Angebot erweitern. Peisert schätzt, dass fünf bis zehn neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Noch aber hält Andreas Haker auf seiner „Baustelle“ die Fäden in der Hand. Er möchte auch jüngere Menschen für sein Hobby begeistern: „Für mich ist es nicht schön zu sehen, wie junge Menschen vor Spielekonsolen sitzen. Wenn man schon früh mit Modellbau anfängt, lernt man auch handwerkliches Geschick. Dadurch finden einige ihren Beruf, zum Beispiel als Kfz-Mechatroniker“, sagt er.

Und handwerkliches Geschick ist unabdingbar, denn: „Die Hydraulik unserer Modelle arbeitet im Druckbereich von 20 bis 30 Bar. Eine falsche Bewegung, und der Finger ist ganz schnell ab.“ Die Kraft der Modelle sei ohnehin nicht zu unterschätzen. Im Verhältnis schafften sie sogar eine größere Leistung als ihre Vorbilder in Originalgröße. Ein Grund, aus dem kleine Kinder nicht zu dicht an die „Baustelle“ herantreten dürfen.

Von draußen schauen neugierig Passanten auf die kleine, wachsende Stadt. Andreas Haker sitz im Sand und bastelt.