Pinneberg
Stadtzentrum

Wie Pinnebergs Passage den Krisen trotzt

Die Rathauspassage in Pinneberg aus der Luft betrachtet

Die Rathauspassage in Pinneberg aus der Luft betrachtet

Foto: B.Kuhn / HA

Vor 15 Jahren ist der Neubau mit Rathaus und Finanzamt eröffnet worden. Derzeit sind alle Ladenflächen an Geschäfte vermietet.

Pinneberg.  Wer ins Parkhaus will, muss warten, bis ein anderer rausfährt. An den Kassen lange Schlangen. Die Pinneberger Rathauspassage ist prima besucht an diesem Morgen. Das Weihnachtsgeschäft hat offenkundig Fahrt aufgenommen. Für Bettina Hingst und Nicole Bastein sind die Wochen vorm Fest wie für jeden rund um den Einzelhandel Beschäftigten etwas Besondereres. 2017 gilt das mehr denn je, denn dieser Tage jährt sich die Eröffnung der Passage zum 15. Mal.

Für die beiden beim Centermanagement angestellten Frauen Grund genug, zurückzublicken. Und nach vorn. Optimistisch. Trotz eines rasant wachsenden Onlinemarkts, der den stationären Einzelhandel in eine Krise stürzte. „Ein wenig jammern tun alle, aber wir sind mit unserem funktionierenden Branchenmix gut aufgestellt“, sagt Bastein, die sich hauptsächlich um Vermietungen kümmert. Und dabei augenscheinlich Erfolg hat. Derzeit gibt es in Pinnebergs Passage kein einziges leerstehendes Geschäft.

C&A verlässt Pinnebergs Passage im Frühjahr 2018

Nachdem beim langjährigen Ankermieter Strauss im Frühjahr 2017 die Lichter ausgegangen waren, hatte manch einer schon schwarzgemalt. Schließlich waren die 1000 jahrelang von Strauss genutzten Quadratmeter eine echte Hausnummer. Doch im Sommer eröffnete das Unternehmen Elanza – mit vergleichbarem Sortiment wie der Vorgänger. „Bei so großen Flächen lassen wir uns von einem Maklerbüro helfen“, sagt Bastein. Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung würden nicht zur Hilfe gerufen. „Das ist unsere Party hier“, sagt Bastein, die es „schon etwas ärgerlich findet“, wenn sich andere mit Ansiedlungen schmücken.

Erbaut wurde die Pinneberger Rathauspassage von der AVW Immobilien AG. Mehr als 40 Millionen Euro wurden verbaut, langjährige Mietverträge mit Sparkasse und Finanzamt abgeschlossen. Die Eröffnung der Einkaufsmeile mit ihren 21 Geschäften war 2002 gefeiert worden. 5000 Quadratmeter Handelsfläche stehen seitdem in der Passage zur Verfügung. Insgesamt gibt es 22.000 Quadratmeter Nutzfläche im Gebäudeensemble, in dem auch die Pinneberger Stadtverwaltung sitzt.

Einige Ladenmieter der ersten Stunde sind übrigens noch heute im Boot, so etwa eine Buchhandlung und ein Schuhgeschäft. Doch auch der Wandel gehört für Hingst und Bastein zum Geschäft. Dass sich in dem Bau zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Am Rathaus 2018 einiges ändern wird, steht bereits vor dem Jahreswechsel fest. Dass das Unternehmen C&A seine Flächen im Frühjahr räumen wird, ist klar. Mit länger währendem Leerstand rechnet Bastein auch in diesem Fall nicht. „Es gibt einen Nachmieter, die Gespräche laufen.“ Wer in die Lücke springt, will sie noch nicht verraten.

Dass es sich nicht um einen von vielen Pinnebergern herbeigesehnten Elektronikmarkt handeln wird, ist schon jetzt klar. Es gibt eben Branchen, die nicht am Standort interessiert sind. „Da ist dann die mangelnde Kaufkraft in der Region entscheidend“, sagt Bastein. Aus diesem Grund sei auch die Ansiedlung eines großen Spielwarenanbieters gescheitert. „Tschibo haben wir ebenfalls angefragt, aber auch die haben kein Interesse an Pinneberg.“

Zwischen 15 und 20 Euro pro Quadratmeter an Miete werden in der Passage, zu der auch der von Geschäften gesäumte Laubengang zur Dingstätte gehört, aufgerufen. „Verhandlungssache“, sagt Bastein, die auch mal mit skurrilen Gerüchten zu tun hat. So habe kürzlich die „Ente“ die Runde gemacht, Pinnebergs Post werde in der Passage eine große Dependance eröffnen. „Absurde Idee“, sagt die 43-Jährige.

Ein Dauerthema in Pinneberg sind die Parkgebühren. Die wurden in der Tiefgarage der Passage vor einem Jahr von 50 Cent auf einen Euro pro Stunde erhöht. „Wir hatten zehn Jahre zuvor keine Erhöhung, aber die Betriebskosten sind munter gestiegen“, wirbt Bastein um Verständnis. Auch Kritik an zu kurzen Öffnungszeiten – die Passage schließt um 19 Uhr – hat sie etwas entgegenzusetzen: „Die Pinneberger kaufen wenig abends ein, schon um 18 Uhr ist es oft leer.“ Daher gebe es auch von den Ladenbesitzern keine Wünsche, die Öffnungszeit zu verlängern.

Für die Zukunft stehen Investitionen an. Die 15 Jahre sind nicht spurlos an Pinnebergs Passage vorbeigegangen. Und Auflagen der Baubehörden, etwa beim Brandschutz, sind heute schärfer als 2002. „Aber die Kunden bekommen davon nicht viel mit“, ist Hingst sich sicher. Sie wünscht sich übrigens mehr attraktive Gastronomie für die City – auch außerhalb der Passage.