Pinneberg
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Warum die Angst jetzt im Taxi mitfährt

Taxifahrer Fatmir Hasani steht am Pinneberger Bahnhof, an dem sein Kollege überfallen wurde

Taxifahrer Fatmir Hasani steht am Pinneberger Bahnhof, an dem sein Kollege überfallen wurde

Foto: Andreas Daebeler / HA

Vierter Überfall innerhalb von zwei Wochen beunruhigt die Taxifahrer im Kreisgebiet. Polizei sucht zwei Männer als Täter.

Kreis Pinneberg.  Die Angst fährt ständig mit: In der Nacht zu Dienstag kam es im Kreis Pinneberg erneut zu einem Überfall auf einen Taxifahrer. Es ist bereits die vierte derartige Tat in den vergangenen zwei Wochen. Diesmal war ein 56 Jahre alter Mietchauffeur betroffen, der gegen 2.30 Uhr am Elmshorner Bahnhof auf Fahrgäste wartete. Zwei Männer gaben sich als Kunden aus, raubten dem in Tornesch lebenden Taxifahrer sein Handy und flüchteten in Richtung Busbahnhof. Zuvor hatten zwei Täter in Halstenbek und in Pinneberg zugeschlagen – mit ähnlichem Muster. Die Polizei geht von Serientätern aus.

Bei den Taxifahrern in der Region wächst derweil die Unruhe. „Schon wieder ein Überfall?“, fragt Fatmir Hasani entgeistert. Sein VW Touran mit dem gelben Leuchtschild steht am Dienstag am Pinneberger Bahnhof. Von dem erneuten Angriff auf einen Kollegen in Elmshorn hat er am Mittag noch gar nichts mitbekommen. Er ist erschüttert: „Das darf doch nicht wahr sein.“

Fraglos gebe es am Pinneberger Taxistand derzeit kaum ein anderes Gesprächsthema als die Überfallserie. Man hoffe auf Ermittlungserfolge der Polizei. „Die Fahrer haben Angst“, sagt Hasani. Und er hat sogar ganz besonders Grund dazu. Denn einer der vier Überfälle fand in seinem Wagen statt. In der Nacht zu Montag, 9. April, war das. Unmittelbar vor dem alten Empfangsgebäude des Pinneberger Bahnhofs. Hasanis Fahrerkollege Hicham Essalmi war zunächst von einem potenziellen Fahrgast angesprochen worden. Kurze Zeit darauf sah sich
Essalmi der Schusswaffe eines zweiten Mannes gegenüber, sollte seine Einnahmen rausrücken. „Das waren aber in der Nacht nur 70 Euro“, wie Hasani berichtet. Er kennt den Grund für die vergleichsweise leere Kasse: „Mein Kollege hat in der Nacht den Schienenersatzverkehr der Bahn übernommen, da wird dann erst später abgerechnet.“ Das ahnten die Täter, die dann schnell und ganz ohne Beute flüchteten, wohl nicht. „War ihnen wohl zu wenig Geld“, vermutet Hasani.

Den stillen Alarm habe sein Kollege in der Nacht zum vorigen Montag zwar ausgelöst. Aber mit dem Drücken des versteckten Knopfes werde erst mal nur die Zentrale verständigt. Von dort aus werde dann die Polizei benachrichtigt. Zeit, in der Täter längst über alle Berge sein können. Hasani jedenfalls ist vorsichtig geworden.

Das gilt auch für Karin Bahrs. Die 67-Jährige fährt seit 37 Jahren Taxi in Pinneberg. „Ich schaue mir Fahrgäste stets ganz genau an, verlasse mich auf meinen geschulten Blick“, sagt Bahrs. So sei sie bislang gut durch den Alltag gekommen. „Ich bin noch nie überfallen worden.“ Daher halte sich bei ihr die Angst auch angesichts der aktuellen Serie von Überfällen auf Kollegen in Grenzen.

Vier Überfälle. Viermal Taxifahrer. Ob er angesichts der offenkundigen Bedrohung schon mal darüber nachgedacht habe, sich zu bewaffnen? „Nein“, antwortet Fatmir Hasani. „Dürfen wir auch gar nicht.“ Es bleibe nur, die Tür möglichst lange von innen geschlossen zu halten, um sich etwas Sicherheit zu verschaffen. Die Polizei sucht mit zwei Phantombildern nach den Räubern. Die seien anhand der Aussagen seines Kollegen in Kiel erstellt worden.

Der erste Überfall hatte sich um 3.15 Uhr in der Nacht zum 4. April ereignet – in diesem Fall auf dem Parkplatz der Pinneberger McDonald’s-
Filiale an der Friedrich-Ebert-Allee. Erbeutet wurde ein Geldbetrag in unbekannter Höhe. In der Nacht zum 8. April schlugen die Täter dann am S-Bahnhof Halstenbek zu, in diesem Fall spricht die Polizei von einer Beute im dreistelligen Bereich. Es folgte die Tat in der Nacht zum 9. April am Pinneberger Bahnhof.

Bei allen Überfallen waren zwei Männer beteiligt, die arbeitsteilig agierten. Während sich einer als Fahrgast ausgibt und den Taxifahrer in ein Gespräch verwickelt, kommt sein Komplize – er ist teilweise mit einer Schusswaffe oder einem Messer bewaffnet – später dazu und führt den eigentlichen Raub aus. Diese Masche wandte das Duo auch in der Nacht zu Dienstag in Elmshorn an.

Beide Täter werden als 1,70 bis 1,80 Meter groß und schlank beschrieben. Sie trugen Sportschuhe, einer der beiden war außerdem mit einer Kapuzenjacke bekleidet. Weiteres ist leider nicht bekannt. Das Duo flüchtete zu Fuß in Richtung Busbahnhof. Die Fahndung der Polizei mit mehreren Streifenwagen blieb ohne Erfolg. Wer etwas zu dieser Tat oder den anderen Überfallen sagen kann oder die Personen auf den Phantombildern wiedererkennt, meldet sich bei der Kripo Pinneberg unter der Telefonnummer 04101/20 20.

Phantombilder der beiden Täter sehen Sie in der aktuellen Abendblatt-Regionalausgabe Pinneberg