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Kreis Pinneberg

Bei den süßen Osterlämmern von Haselau

Sandra Schüder, hier mit einem eineinhalb Wochen alten Lamm, ist Landwirtin und Tierzüchterin aus Leidenschaft. Außer Schafen züchtet sie auch noch Hühner und englische Kaltblüter

Sandra Schüder, hier mit einem eineinhalb Wochen alten Lamm, ist Landwirtin und Tierzüchterin aus Leidenschaft. Außer Schafen züchtet sie auch noch Hühner und englische Kaltblüter

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

450 Mutterschafe lammen derzeit auf dem Schüderhof in der Haseldorfer. Wenn es wärmer wird, dürfen die Tiere auf den Deich.

Haselau.  Sandra und Ernst Schüder sind derzeit im Stress. Mindestens alle drei Stunden geht es in den Stall – auch nachts –, um nach den Schafen zu gucken. 450 Muttertiere lammen zwischen Ende Februar und Anfang April auf dem Haselauer Hof. Der Landwirtschaftsmeister und seine Tochter können sich allerdings kaum etwas anderes vorstellen. „Es gibt nichts Schöneres, als bei den Tieren zu sein“, sagt Sandra Schüder.

Haben die Muttertiere einen dicken Bauch, schlafen oder fressen gemütlich vor sich hin, ist alles in Ordnung.
„Plärren sie rum“ oder ist der Bauch dünn, könnten sie krank sein, sagt die Züchterin. Hat Mutter Schaf etwa eine Euterentzündung, gibt sie keine Milch mehr – ihre Kinder würden verhungern.

Oder die Mutter nimmt ihr Junges nicht an. Das muss dann auch mit der Flasche aufgezogen werden. Manchmal werden Drillinge geboren, das Schaf hat aber nur zwei Zitzen. Jedes Jungtier hat seine eigene Leiste. „Das jüngste Lamm würde verkümmern“, erklärt die staatlich geprüfte Wirtschafterin des Landbaus. In so einem Fall versucht sie, den Stärksten der Drillinge einer Mutter mit nur einem Lamm unterzuschieben.

Um die Mutter zu täuschen, wird das fremde Kind mit ihrem Fruchtwasser eingeschmiert. „Die Jüngeren lassen sich täuschen, aber die Erfahrenen merken bald, dass das nicht ihres ist“, sagt Schüder. Um die Flaschenaufzucht müssen sich die Schüders übrigens kaum selbst kümmern. Es gibt genügend Nachbarskinder, die gern den kleinen Wollknäueln die Flasche zu geben.

Im Herbst werden die 14 Böcke des Schüder-Hofes zu den „Mädels“ gelassen, wie Sandra Schüder ihre 500 Schafe nennt. Künstliche Befruchtung wie bei Kühen, Pferden oder Schweinen gibt es nicht. „Das regeln die Tiere selbst“, sagt die 35-Jährige. Das klappt jedoch nicht immer. Etwa zehn Prozent der Schafe werden nicht trächtig.

Derzeit stehen die Tiere noch in den Stallungen. Sobald es wärmer wird, kommen sie nach draußen. „Wenn die Muttertiere frieren, geben sie weniger Milch, und die Lämmer wachsen nicht“, sagt Ernst Schüder. Über das Sommerhalbjahr grasen die Tiere auf dem Elbdeich zwischen Pinnaumündung und Bishorst. Sie halten dort die Grasnarbe kurz und treten mit ihren Hufen den Erdwall fest, machen ihn so stabiler. Weitere Weideflächen haben die Schüders direkt hinter diesem Deichteil sowie auf der zweiten Deichlinie. „Alles schön nah an unserem Hof“, sagt Sandra Schüder.

Verkauft werden die Lämmer an einem Händler, der sie schlachtet. Einige Tiere gehen auch zur Landschlachterei Fülscher nach Seestermühe, werden dort geschlachtet und von den Schüders direkt an einen langjährigen Kundenstamm vermarktet. Die Tochter kümmert sich um die Buchhaltung, die Arbeit „bei den Tieren“, teilen sie sich.

Der Schüderhof steht – wie es sich einst für einen gut geführten landwirtschaftlichen Betrieb gehörte – wie ein Melkschemel auf drei wirtschaftlichen Beinen. Außer den Schafen gibt es noch 800 Hühner. Die legen Eier, die ab Hof verkauft werden. Außerdem werden die Hühner verkauft, entweder an einen Händler oder vier- bis fünfmal im Jahr an einen festen Kundenstamm ab Hof. Je nach Arbeitsanfall schlachtet Ernst Schüder selber oder er lässt schlachten. Außerdem wird auf 70 Hektar Getreide angebaut, das entweder verkauft oder an die Hühner verfüttert wird.

Aus dem Büro auf den Bauernhof gewechselt

Mehr zum Spaß als aus wirtschaftlichem Interesse züchtet die Powerfrau auch noch englische Kaltblüter. Shire Horses sind die größte Pferderasse der Welt, werden auch als sanfte Riesen bezeichnet. Ein Hengst und drei Stuten sorgen für Nachwuchs. „Ich habe gern viele Tiere um mich“, sagt die Züchterin.

Der Urgroßvater von Ernst Schüder hatte einst auf den Hof eingeheiratet. Wann das war und wie weit die Geschichte des landwirtschaftlichen Betriebes zurückgeht, lässt sich nicht nachvollziehen. Seit 1966 züchtet Ernst Schüder Schafe.

Fast wäre die Geschichte des Hofes mit dem heute 63-Jährigen zu Ende gegangen. Drei Kinder haben er und seine Frau Christel, und keines wollte den elterlichen Hof übernehmen. „Es war ein auslaufender Betrieb“, sagt Ernst Schüder. Sandra Schüder arbeitete zehn Jahre in einem kaufmännischen Beruf, doch sie merkte, dass die Arbeit nach Feierabend ihr mehr Spaß machte als der Job. Also sattelte sie als 30-Jährige noch einmal um und absolvierte zwei landwirtschaftliche Ausbildungen. „In absehbarer Zeit“ will Ernst Schüder den Hof übergeben. Und man merkt, wie stolz er auf seine Tochter ist.