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Posse um Hochzeit in Quickborner Kirche

Anna Gruschka und Björn Meyer wollten in der Marienkirche Quickborn heiraten

Anna Gruschka und Björn Meyer wollten in der Marienkirche Quickborn heiraten

Foto: Anne Dewitz / HA

Termine in katholischer Kirche wurden doppelt vergeben – für eine Gottesdienstübertragung des ZDF und eine kirchliche Trauung.

Quickborn.  In der katholischen St. Marienkirche in Quickborn wurde sie getauft und konfirmiert. Hier will Anna Gruschka ihrem Freund Björn Meyer am 19. Mai das Ja-Wort gegeben. Doch fast wäre ihr Traum geplatzt und ihre Hochzeit ganz anders verlaufen, als sie es so lange geplant hatte. Der Grund: Durch einen Pfarrer-Wechsel in der katholischen Gemeinde wurde der Termin doppelt vergeben.

Am 20. Mai wollte das ZDF den Pfingstgottesdienst mit dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße aus der Quickborner Kirche live im Fernsehen übertragen. Die doppelte Vergabe war erst kurz vor Weihnachten aufgefallen. Der Beginn von Irrungen und Wirrungen – mit einem Happy End: Nachdem die künftigen Brautleute zunächst im „Kampf“ mit dem Fernsehsender den Kürzeren gezogen hatten und ausquartiert worden waren, schaltete sich das Abendblatt ein – und das Erzbistum Hamburg ruderte zurück. Jetzt soll das Paar doch zum Wunschtermin in ihrer favorisierten Kirche heiraten dürfen.

Doch von Anfang an: „Wir hatten den Hochzeitstermin mit der Kirche ein Jahr im Voraus abgesprochen“, sagt Anna Gruschka. Längst waren die Einladungskarten verschickt, da passierte folgendes: „Vier Monate vor der Hochzeit haben wir jetzt erfahren, dass wir uns eine andere Kirche suchen müssen.“ Das Paar fühlt sich vom ZDF ausgebootet und ist stinksauer. Seinem Ärger macht es unter anderem auf Facebook publik. Denn das ZDF beansprucht die Kirche für Proben und Aufbau der Technik, die sich über mehrere Tage hinziehen, für sich allein. Statt in „ihrer“ Kirche St. Marien in Quickborn zu heiraten, stellen sich Anna Gruschka (23) und Björn Meyer (29) kurzfristig darauf ein, auf die Christkönigkirche in Uetersen ausweichen zu müssen.

Pfarrer Georg Bergner, der das Paar trauen wird und erst im November 2017 die Stelle in der katholischen Gemeinde St. Marien in Quickborn antrat, hatte sich zuvor noch bemüht, zwischen Brautpaar und dem ZDF zu vermitteln. Zunächst sah auch alles nach einem Kompromiss aus. „Die Senderbeauftragten hatten zugesagt, dass wir die Trauung am Sonnabendnachmittag trotz der Proben in der Kirche vornehmen können“, sagt er. Das Brautpaar zeigte sich einverstanden, dass das Fernsehteam am Tag der Trauung mit dem Aufbau der Technik beginnt. Für die Eheschließung waren maximal eineinhalb Stunden vorgesehen. Danach wollte die Hochzeitsgesellschaft für die Feier den Ort wechseln. Doch später hätte die Technikabteilung des ZDF darauf bestanden, dass sie die Kirche für technische Proben den ganzen Nachmittag über bräuchten. Sie hätten gedroht, die Übertragung abzusagen. Bergner sah sich gezwungen, für die Trauung einen alternativen Ort zu finden und versprach dem Paar trotz allem eine schöne Trauung.

Die Braut konnte er mit dem Versprechen allerdings nicht trösten. „Meine Eltern leben hier und wir sind auch gerade erst aus Niedersachsen nach Quickborn gezogen“, sagt Anna Gruschka. Ihre 2005 verstorbene Oma habe zudem für den Neubau der Kirche gespendet. Ein Ziegelstein im Boden mit ihrem Namen zeugt davon. „Diese Verbundenheit ist in Uetersen nicht gegeben“, sagt die junge Frau. Zudem soll die an die Trauung anschließende Feier mit etwa 50 Gästen in Quickborn-Renzel im Gemeindehaus stattfinden – zwei Kilometer von der Kirche entfernt. Nun hätten die Gäste mehr als 20 Kilometer hin und her pendeln müssen. „Es ist alles mit mehr Aufwand und Kosten verbunden“, sagt Björn Meyer.

Das ZDF teilte dem Abendblatt indes zunächst schriftlich mit, es bedaure zwar die Unannehmlichkeiten für das Brautpaar. „Durch einen Pfarrerwechsel sind wichtige Informationen untergegangen, die Absprache mit dem ZDF besteht ebenfalls seit Sommer 2017“, hieß es auf Abendblatt-Anfrage vom öffentlich-rechtlichen Sender. „Ein Wechsel der Übertragungskirche würde seinerseits große Irritationen in der Gemeinde auslösen, die sich seit Monaten darauf freut, für die ZDF-Zuschauer Gastgeber zu sein“, hieß es in der schriftlichen Antwort weiter.

Am Mittwochnachmittag dann die plötzliche Wende. „Wir haben gemerkt, dass die gemeinsam gefundene Lösung den Brautleuten doch erhebliche Bauchschmerzen bereitet. Um ihnen einen schönen Hochzeitstag in ihrer Wunschkirche zu ermöglichen, werden wir für die Übertragung des ZDF-Fernsehgottesdienstes zu Pfingsten nach einem neuen Ort suchen“, teilt Marco Chwalek, Sprecher des Erzbistums Hamburg, mit.

Anna Gruschka, vom Abendblatt über die neue Entwicklung informiert, kann die Kehrtwende des Erzbistums kaum in Worte fassen. „Für mich würde ein Traum wahr werden, wenn ich doch noch in St. Marien heiraten könnte.“ Momentan spricht vieles dafür, dass dies auch tatsächlich klappen könnte.