Pinneberg
Moorrege

Streit um Subvention für geplante Arztpraxis

Dr. André Plümer (v.l.), Dr. Sabine Wedekind, Bürgermeister Jürgen Neumann und Dr. Tiina Haatanen. Alle drei Mediziner praktizieren im Ärztehaus Heist

Dr. André Plümer (v.l.), Dr. Sabine Wedekind, Bürgermeister Jürgen Neumann und Dr. Tiina Haatanen. Alle drei Mediziner praktizieren im Ärztehaus Heist

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Bürgermeister will eine Allgemeinmediziner mit 90.000 Euro in die Gemeinde locken. Kritik von Ärzten aus der Region, SPD und Grünen.

Heist/Moorrege.  Es tobt ein Streit um die medizinische Versorgung der Dörfer zwischen Uetersen und Wedel. Auslöser ist der Plan des Moorreger Bürgermeisters Karl-Heinz Weinberg, ein Ärztezentrum mit einem Zahn- und einem Allgemeinmediziner zu schaffen. „Wir haben keinen Arzt im Dorf“, begründet der Christdemokrat seine Initiative. Knapp zwei Kilometer weiter im Ärztehaus Heist wird dies kritisch gesehen. „Das ist eine direkte Konkurrenz“, sagt Dr. André Plümer. Und eine 90.000-Euro-Subvention, mit der ein Arzt nach Moorrege gelockt werden solle, kritisieren die Fraktionschefs von SPD und Grünen, Dirk Behnisch und Helmuth Kruse: „Die Gemeinde verschenkt Geld.“

Hintergrund: Drei Jahre lang hatte Weinberg nach einem Allgemeinmediziner gesucht — ohne Erfolg. Die Lage zwischen dem Ärztehaus in Heist sowie den zahlreichen Praxen in Uetersen gilt als ungünstig. Dann wollte Weinberg mit Geld nachhelfen. Mit 90.000 Euro aus der Gemeindekasse soll dem neuen Mediziner die Praxis an der Wedeler Chaussee versüßt werden.

Doch diese Subvention scheiterte im ersten Anlauf an der Kommunalaufsicht des Kreises Pinneberg. So wurde eine Rechtsanwältin beauftragt, um im zweiten Anlauf eine vergaberechtlich einwandfreie Lösung mit der „Richtlinie zur Förderung der Ansiedlung von Ärztinnen und Ärzten in der Gemeinde Moorrege“ zu finden.

In einer turbulenten Gemeindevertretersitzung wurde die Richtlinie dann vorige Woche von der CDU-Mehrheitsfraktion durchgepeitscht. Auf der Website des Amtes Moorrege sowie bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein ist sie mittlerweile zu finden: Mediziner können sich ab sofort bei der Gemeinde bewerben.

Für potenzielle Kandidaten haben sich die Startbedingungen allerdings zwischenzeitig verschlechtert. Im Ärztehaus in Heist praktiziert neben Dr. Plümer und Dr. Sabine Wedekind seit kurzem mit Dr. Tiina Haatanen eine dritte Ärztin. Möglich wurde die Erweiterung durch einen Arztsitz, den die Kassenärztliche Vereinigung der gebürtigen Finnin zubilligte. Derzeit gilt die Metropolregion Südwest mit den Kreisen Pinneberg und Segeberg und Teilen von Steinburg als leicht unterversorgt. Fünf zusätzliche Hausarztstellen sind genehmigt worden.

Plümer freut sich, dass „wir zum ersten Mal seit der Gründung 1976 mit den benötigten drei Ärzten arbeiten können“. Aus seiner Sicht ist die ärztliche Versorgung in der Region „gesichert“.

Behnisch und Kruse mutmaßen indes, dass es gar keine Auswahl geben soll, sondern die Entscheidung für einen Subventionsempfänger bereits gefallen ist. Misstrauisch machte sie der Hinweis in der Richtlinie, dass auch „Kosten des Praxisumzuges“ als förderungsfähig gelten. Ähnlich sieht das der Bürgermeister aus Heist. Jürgen Neumann (CDU) geht davon aus, dass kein neuer Arzt nach Moorrege kommt, sondern mit der in Heist ansässigen Dr. Nicoletta Dancau eine Ärztin aus der Region bereits gefunden wurde.

Der Moorreger Bürgermeister reagiert ausweichend auf die Frage, ob die Praxisräume bereits vergeben sind. „Das ist Sache des Investors“, sagt er. Vom Investor und Vermieter des Ärztehauses, dem EMV Immobilienmanagement Elmshorn, war gestern keine Stellungnahme erhältlich. Und die Praxis von Dr. Nicoletta Dancau ist urlaubsbedingt geschlossen.

Ein weiterer Streitpunkt: Mitte der 1970er-Jahre gründeten die Gemeinden Moorrege, Heist, Haseldorf und Haselau eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts für das Ärztehaus. In dem Vertrag wurde festgeschrieben, dass die Partner „negative Handlungen“ zu unterlassen haben.

Weinberg kann jedoch „in keiner Weise“ schädigendes Verhalten in seiner Arztsuche erkennen. Heists Bürgermeister Jürgen Neumann vermeidet es zwar, seinen Moorreger Amtskollegen und Parteifreund direkt zu kritisieren. Er sagt jedoch: „Ich hätte mir gewünscht, dass man vorher miteinander spricht und die Moorreger Praxis als Dependance des Heister Ärztehauses geführt wird.“

Die drei Mediziner in Heist dürfen derweil vor Ort auf neue Kundschaft hoffen. Die Gemeinde sucht derzeit einen Investor für eine Seniorenwohneinrichtung. Wunsch sei es, so Neumann, in der Einrichtung auch eine Möglichkeit zum Praktizieren für die Mediziner aus dem Heister Ärztehaus zu schaffen. „Unser Bürgermeister steht hinter uns“, freut sich Plümer.