Pinneberg
Wedel

Insolventes Therapiezentrum Viapallia ist gerettet

Ulrich von Ofen ist neuer Geschäftsführer der Viapallia Reha GmbH

Ulrich von Ofen ist neuer Geschäftsführer der Viapallia Reha GmbH

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Eine Auffanggesellschaft übernimmt die insolvente Vorzeige-Reha in Wedel, in dem Menschen mit Hirnschäden betreut werden.

Wedel.  Eine Vorzeigeeinrichtung startet in ihr zweites Leben. Das insolvente Wedeler Therapiezentrum Viapallia, in dem Menschen mit schwersten Hirnverletzungen, Wachkoma- sowie Beatmungspatienten versorgt und therapiert werden, hat einen neuen Eigentümer. „Wir können den Betrieb nicht nur uneingeschränkt fortsetzen, sondern haben auch Luft, neue Konzepte umzusetzen“, sagt der neue Geschäftsführer Ulrich von Ofen.

Kurz vor Weihnachten musste sein Vorgänger Bodo Lindemann beim Amtsgericht Pinneberg wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz für die Viapallia Wedel Betriebsgesellschaft mbH anmelden. Seitdem führte der Pinneberger Rechtsanwalt Oliver Dankert als Insolvenzverwalter den Betrieb an der Wedeler Gärtnerstraße fort. Zum Stichtag am 1. März hat Dankert den Geschäftsbetrieb an die neugegründete Viapallia Reha GmbH übertragen, die als Auffanggesellschaft alle Mitarbeiter sowie die Patienten übernommen hat. „Ich freue mich, dass noch im Rahmen des vorläufigen Insolvenzverfahrens ein Weg gefunden wurde, der den Patienten und den Mitarbeitern Sicherheit vermittelt“, sagt Dankert.

Zahl der Patienten trotz Insolvenz konstant

Das Therapiezentrum war 2010 an den Start gegangen. „Die hohen Kosten, die mit der Betriebsaufnahme verbunden waren, sind unterschätzt worden“, räumt der neue Geschäftsführer von Ofen ein. Ein hoher Anfangsinvestitionsbedarf und eine zu geringe Auslastung bei gleichbleibend hohen Personalkosten – diese Faktoren führten schnell zu einer finanziellen Schieflage. „Spätestens 2014 waren die Probleme behoben“, sagt von Ofen. Jedoch hätten die finanziellen Belastungen aus der Anfangszeit wie ein Ballast gewirkt, der die Gesellschaft letztlich in die Knie gezwungen habe.

Mit dem Neustart habe man nun den Ballast über Bord werfen können. Hinter der Auffanggesellschaft steckt als Geldgeber die Luserke Vermögensverwaltung GmbH, die auch Eigentümerin des Gebäudes an der Gärtnerstraße ist. „Die Startbedingungen unterscheiden sich fundamental von denen vor sechs Jahren, als die Einrichtung ihren Erstbetrieb aufnahm“, sagt von Ofen.

Die Viapallia Reha GmbH übernehme einen eingeführten Betrieb mit angegliederter Arztpraxis und hoch qualifizierten Mitarbeitern, der sowohl bei den Pflege- und Krankenkassen als auch bei der Heimaufsicht über einen ausgezeichneten Ruf verfüge. Von Ofen: „Wir konnten trotz der Insolvenz die Zahl der Patienten konstant halten, auch die Mitarbeiter sind bis auf ganz wenige Ausnahmen bei uns geblieben.“

Zukünftig sei geplant, den Schwerpunkt auf beatmete Patienten sowie Patienten im Wachkoma zu legen. „Wir werden uns auf die schwersten Pflegefälle spezialisieren, dafür auch das Personal aufstocken“, erläutert der neue Geschäftsführer. Ziel bleibe es, dank des eigenen Therapeutenstamms die Lebenssituation der Patienten zu verbessern. Sie können an der Gärtnerstraße in kleinen Appartements für bis zu vier Personen effektiv gepflegt und therapiert werden.

Altersdurchschnitt liegt bei 50 Jahren

Die maximale Kapazität der Einrichtung wird von 58 auf 52 Betten reduziert, um dem neuen Ansatz Rechnung tragen zu können. Aktuell werden 41 Patienten in Wedel gepflegt, die überwiegend aus Hamburg, Schleswig-Holstein und Teilen Niedersachsens stammen. „Der Altersdurchschnitt ist deutlich gesunken und liegt bei 50 Jahren“, sagt von Ofen. Die Patienten leiden unter einem hypoxischen Hirnschaden, bei dem Gehirnzellen durch Sauerstoffmangel abgestorben sind. Dies kann nach Herzanfällen oder Schlaganfällen der Fall sein, wenn zwischen Ereignis und Wiederbelebung eine längere Zeit liegt.

Zum neuen Ansatz gehören auch zwei neue Standbeine. Das Unternehmen erweitert seine Aktivitäten um die Bereiche Fortbildung und klinische Forschung. „Die Grundlagen hierfür wurden bereits vor über einem Jahr gelegt“, so von Ofen, der auch das Sanierungskonzept erstellte. „Die Mitarbeiter sind bereits entsprechend geschult.“

Ziel ist es, dass die Ärzte und Therapeuten aus dem eigenen Haus ihr Know-how in Seminaren weitergeben. Zielgruppe sind Pflegekräfte. Therapeuten und Mediziner. Auch in der Forschung will Viapallia sich einen Namen machen, das Haus für klinische Langzeitstudien öffnen. Ulrich von Ofen sagt: „Wir schaffen eine Einrichtung, die bundesweit ein Alleinstellungsmerkmal hat.“ Er ist sich sicher, dass sie auch wirtschaftlich erfolgreich betrieben werden kann.