Pinneberg
Ausstellung

Zeitreise in das Elmshorn vor 100 Jahren

Museumsleiterin Bärbel Böhnke eröffnet die frisch renovierte erste Etage des Industriemuseums Elmshorn

Museumsleiterin Bärbel Böhnke eröffnet die frisch renovierte erste Etage des Industriemuseums Elmshorn

Foto: Anne Dewitz / HA

Im Industriemuseum ist die neue Dauerausstellung nach sechsmonatiger Umbauphase eröffnet worden – inklusive eines Dioramas des Hafens.

Elmshorn.  Es sind Unterlagen von gewisser Brisanz, die sich dort in der Schublade befinden, sagt Bärbel Böhnke scherzend. Es sind Listen mit Konfektionsgrößen namhafter Elmshornerinnen, mit denen die Schneiderinnen früher gearbeitet haben. „Ich habe extra eine Seite aufgeschlagen, auf der die Handschrift unleserlich und der Name nicht erkennbar ist“, so die Leiterin des Industriemuseums Elmshorn am Sonntag während der feierlichen Eröffnung des frisch renovierten ersten Obergeschosses, das ein halbes Jahr für die Öffentlichkeit gesperrt werden musste.

Modern und anschaulich werden bewährte Themen in neuem Glanz und noch nie präsentierte Exponate zum Wandel Elmshorns vom Handwerksflecken zur Industriestadt um 1900 gezeigt. Elmshorn als Mühlen- und Schweinestadt mit Hafen an der Krückau, der Berufswandel vom Schiffszimmermann zum Nieter auf den hiesigen Werften, die Auswirkungen der Industrialisierung auf Landwirtschaft und Verkehr, der Tischler, der Schuster und die Schneiderin mit ihrer neuen Kombination von Werkstatt und Ladengeschäft: Der industrielle Wandel in Elmshorn hatte viele Facetten und Geschichten, die in der neuen Dauerausstellung aufgegriffen werden. 50.000 Euro hat die Renovierung gekostet. Das Geld kam von Spendern und dem Förderverein des Industriemuseums.

Objekte zum Anfassen und Ausprobieren sowie interaktive Medienstationen laden zum Mitmachen ein. „Wir sind ein Museum zum Anfassen“, sagt Bärbel Böhnke. „Das Problem war, dass einige Besucher wirklich alles ausprobiert haben, sogar das alte Tretkurbelrad.“ In der frisch renovierten Etage sind nun die Bereiche weiß markiert, die nicht betreten werden und deren Objekte nicht berührt werden dürfen. Museumsmaus Bertha und ein Schraubenschlüssel auf einem Schild weisen hingegen darauf hin, wo etwas ausprobiert werden darf. Und so versuchten sich am Sonntag gleich ein paar Kinder an einer Nähmaschine mit Tretpedal.

Ein besonderer Hingucker ist das Hafenmodell. Eigens für die neue Dauerausstellung fertigte Modellbauer Olaf Krabbenhöft ein Diorama des Elmshorner Hafens um 1910 an – Ewer, Dampfschlepper, Hafenbahn und Fuhrwerke inklusive.

Viele Elmshorner haben dem Museum seit der Eröffnung vor 25 Jahren Objekte geschenkt oder als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Erst zwei Tage vor der Wiedereröffnung hatte jemand das Fahrrad seines Großvaters vorbeigebracht, das nun in der Ausstellung zu sehen ist. Skurril ist daneben das Rad von 1919 mit Sprungfedern statt Gummireifen.

Nun, da weitere finanzielle Mittel von der Stadt Elmshorn, dem Träger des Museums, bewilligt wurden, und mit weiterer Unterstützung des Fördervereins kann die Ausstellung bis Ende Mai um fünf Betriebschroniken, drei Medienstationen, 50 Lesetafel und zehn Leittexte vervollständigt werden. „Zum Tag der offenen Tür anlässlich des 25. Museumsgeburtstages am 29. Mai ist alles endgültig fertig“, sagt Bärbel Böhnke. Und das fehlende Geld für die Ausstellungsmöbel des Bereiches Bahnhof wird sie bis dahin sicherlich auch noch auftreiben.

Industriemuseum Elmshorn, Catharinenstraße 1, geöffnet Di 14-17 Uhr, Mi 10-17 Uhr, Do 14-19 Uhr, Fr 14-17 Uhr, Sa 14-17 Uhr, So 10-17 Uhr, Eintritt drei Euro, für Kinder frei, Führungen: Telefon 04121/26 88 70.