Pinneberg
Hetlingen

Neue Herausforderung für die Klärwerker

Foto: Thomas Pöhlsen / HA

Die Große Koalition will die Klärschlammverordnung reformieren. Jedoch mangelt es noch an ausgereifter Technologie, um die umzusetzen.

Hetlingen.  Die geplante Reform der Klärschlammverordnung stellt den Abwasser-Zweckverband (Azv) Südholstein vor neue Herausforderungen. Der Rohstoff Phosphor soll zukünftig dem Endprodukt wieder entzogen werden. „Grundsätzlich finden alle dieses Recycling gut“, sagt Azv-Vorstand Christine Mesek. Allerdings gibt es derzeit noch keine ausgereifte Technologie, die die Trennung möglich macht.“

Und aus ihrer Sicht ist es möglich, dass es bis 2024 am Ende einer Übergangsfrist diese Technik auch noch nicht gibt. Die Bauingenieurin und Betriebswirtin nutzte den Besuch des Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann und des Landtagsabgeordneten Thomas Hölck, beide SPD, zu diesem Alarmruf.

Der Hetlinger Klärschlamm wird derzeit komplett verbrannt. Bundesweit liegt der Anteil bei 50 Prozent. Rund 30 Prozent der Klärschlämme werden später als Düngemittel verwendet, 20 Prozent gehen in den Landschaftsbau.

Die Große Koalition habe in ihrer Koalitionsvereinbarung das Phosphor-Recycling festgeschrieben, erklärte Rossmann. Damit solle dieer nicht erneuerbare Rohstoff geschützt werden. Derzeit wird über den Entwurf der neuen Verordnung diskutiert. Voraussichtlich im April verabschiedet das Bundeskabinett das Papier. Ab Sommer soll die Vorschrift gelten.

„Wir müssen dann mit der Verordnung umgehen“, sagte Mesek. Das Phosphat im Klärwasser stammt vornehmlich aus dem im Haushalt verwendeten Waschpulver sowie dem Dünger aus der Landwirtschaft. Als sinnvoller bezeichnet es die Chefin des größten Klärwerks Schleswig-Holsteins, das Phosphat nach der Verbrennung abzutrennen. Doch für diese Rückgewinnung „gibt es noch kein wirtschaftliches Verfahren“, so Mesek. Aus ihrer Sicht ist es durchaus möglich, dass acht Jahre Übergangszeit nicht genügen, um diese Technik zu entwickeln. Und der gute Recyclinggedanke habe einen negativen Nebeneffekt: Die Kosten für die Entsorgung würden steigen, und das müssten die azv-Kunden, also Bürger und Unternehmen, tragen. Rossmann und Landtagsmitglied Hölck versprachen, die Bedenken in die aktuellen Diskussionen in Berlin und Kiel einzubringen.

Als „überfällig“ ordnet der Nabu-Kreissprecher Hans Ewers die Reform der Klärschlammverordnung ein. Die sei schließlich schon 25 Jahre alt. Das alte Nabu-Prinzip der Kreislaufwirtschaft, wonach Klärschlamm auf die Felder gehört, lässt sich aus seiner Sicht angesichts der hohen Kontamination nicht mehr durchhalten. „Die Realitäten haben sich geändert“, sagt Ewers. Deswegen begrüßt er es, dass mit der Phosphor-Rückgewinnung ein neuer Anlauf für eine Kreislaufwirtschaft genommen wird.