Pinneberg
Elmshorn

Ein Ausnahmezustand voller Emotionen

Ergänzten sich wunderbar: Hyojong Kim (l.) und Nerita Pokvytyte sowie Dirigent Wolfram-Maria Märtig

Ergänzten sich wunderbar: Hyojong Kim (l.) und Nerita Pokvytyte sowie Dirigent Wolfram-Maria Märtig

Foto: Elvira Nickmann / HA

Bei der elften Elmshorner Neujahrsgala begeistert ein erstklassiges Konzert mit Werken aus Opern und Operetten die Zuschauer.

Elmshorn.  Die Publikumsränge im Saalbau Elmshorn sind alle besetzt. Kein Wunder, schließlich steht die elfte Elmshorner Neujahrsgala auf dem Programm. Zum zweiten Mal sind die Hamburger Symphoniker mit von der Partie, sie werden einfühlsam und kraftvoll von dem Dirigenten Wolfram-Maria Märtig geleitet. Die Eröffnung des Konzerts mit der Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ kann sowohl als schwungvoller Auftakt als auch als Versprechen auf einen unvergesslichen Abend mit hochkarätigem Kulturgenuss verstanden werden.

Stefanie Fricke, Künstlerische Leiterin der Stiftung Landdrostei, führt in den nächsten Stunden mit ihrer unvergleichlich charmanten und geistreichen Art durch das Programm, gewürzt mit einer humorvollen Kombination aus Anekdoten, Zitaten und Wissenswertem zu den einzelnen Stücken. Als Motto des Abends kündigt sie eine „emotionale Achterbahnfahrt“ an. „Es wird ja behauptet, das Wort ,Operʹ sei überhaupt nur eine andere Bezeichnung für ,Ausnahmezustandʹ“, sagt sie.

So vorbereitet, lauscht das Publikum zunächst der aus Litauen stammenden Koloratursopranistin Nerita Pokvytyte mit der Arie „O mio babbino caro“ aus der Oper „Gianni Schicchi“ von Puccini. Worum es in der Arie geht, ist schnell erzählt: Es handelt sich nicht um Liebe, diesmal geht es ums Vermögen, auch das manchmal Anlass für die wilde Leidenschaft, die Pokvytyte so gut zu Gesicht steht. Während die erste Hälfte der Veranstaltung ausschließlich der Opernmusik gewidmet ist, finden sich in der zweiten Hälfte Stücke aus Operetten, Filmmusik und weitere Variationen. In der Arie „Glitter And Be gay“ aus Bernsteins Musical „Candide“ zeigt die Sängerin ihr Spektrum an stimmlichen wie schauspielerischem Können in einer Intensität und Dichte, die die Zuschauer begeistert.

Der zweite Solist des Abends, der Tenor Hyojong Kim, offenbart dagegen sein ausgesprochen komödiantisches Talent in einem weiteren Höhepunkt: Gaetano Donizettis „Caro elisir“ aus der Oper „L’elisir d’amore“. Ohne Jacke, dafür mit grüner Sektflasche bewaffnet, betritt er die Bühne. In dem Duett gibt er den Nemorino, einen Bauern, der gerade einen angeblichen Liebestrank zu sich genommen hat, dessen Wirkung er schon zu spüren meint. Selbstsicher lässt er seine zuvor Angebetete links liegen und freut sich diebisch, als ihr das so offensichtlich missfällt. Doch nicht nur hier kommt seine volle und warm tönende Stimme mit ihrer beeindruckenden Intensität in jeder Tonlage zur Geltung. Berührend auch, wie hingebungsvoll er seinen Part in dem Stück „Sag ja, mein Lieb“ zu Gehör bringt. Das harmonische Zusammenspiel der beiden Solisten setzt Dirigent Wolfram-Maria Märtig behutsam in Szene.

Zum Schluss gibt es Zugaben, die allgemeine Begeisterung hervorrufen. Der Schlagzeuger Andreas Suworow erheitert das Publikum als „Überraschungsgast“ mit Kuckucksrufen in der „Krapfenwaldl“-Polka. Ein fantastisches Orchester, wunderbare Stimmen, ein souveräner und in der Musik sichtlich aufgehender Dirigent – Prädikat: absolut empfehlenswert!

Die Neujahrsgala ist noch am Freitag, 8. Januar, von 19.30 Uhr an im Forum Schenefeld zu sehen und zu hören. Es gibt noch Karten: Buchhandlung Heymann, Telefon 040/60 90 27 18.