Pinneberg
Hetlingen

Alter Düker aus Flussbett der Elbe gezogen

Während die drei Röhren des alten Elbdükers aus dem Sand gezogen wurden, ging der Schiffsverkehr auf der Elbe ungehindert weiter

Während die drei Röhren des alten Elbdükers aus dem Sand gezogen wurden, ging der Schiffsverkehr auf der Elbe ungehindert weiter

Foto: Gasunie Deutschland / HA

Weltweit einmaliges Projekt bei Hetlingen erforderte zehn Stunden Präzisionsarbeit. Schiffsverkehr auf der Elbe nicht beeinträchtigt.

Hetlingen.  Es ist „ein einmaliges Projekt, das es weltweit so noch nie gegeben hat“, sagt Oberbauleiter Daniel Bley nicht ohne Stolz. „Düker werden immer wieder gezogen“, ergänzt Peter Arends, Projektleiter von Gasunie Deutschland, „allerdings noch nie drei nebeneinander und in dieser Größe.“ 1080 Meter lang sind die Röhren, die zwischen Hetlingen und Lühesand unter der Elbe lagen. In einer technischen Meisterleistung wurden sie am Dienstag aus dem Grund des Flusses gezogen und können jetzt auf der schleswig-holsteinischen Seite demontiert werden.

Die größte Linearzugwinde der Welt war dafür nötig, erklärt Bley. Eine Zugkraft von 1428 Tonnen musste aufgewendet werden, um die Röhren zu bewegen. Mit einer Geschwindigkeit von 60 bis 70 Zentimetern pro Minute wurden sie bewegt, ergänzt der holländische Projektchef. Die benutzten Stahlseile sind Spezialanfertigungen und wiegen 80 Kilogramm pro Meter. Sie konnten wegen der Größe der Trommeln nicht per Lkw, sondern mussten per Schiff angeliefert werden.

Die drei Röhren wurden vor Lühesand gekappt und auf den letzten 400 Metern mit Beton und Wasser verfüllt. Damit sollte gewährleistet sein, dass sie während der letzten Phase nicht aufschwimmen und den Schiffsverkehr gefährden. Mittels der Winde und einer Rampe wurden die Röhren über den Elbdeich gezogen. Drei Kräne kamen zum Einsatz, um die Leitungen sicher über die 250 Rollenstationen laufen zu lassen. Da nur ein Arbeitsfeld von 500 Meter zur Verfügung steht, wurden die Röhren in zwei Arbeitsgängen über zehn Stunden herausgezogen.

Vor der Entfernung musste erst einmal der Elbsand über den Rohren ausgebaggert werden. Bis zu sieben Schiffe gleichzeitig waren an diesen Arbeiten beteiligt. Mit einem Peilschiff wurde gewährleistet, dass so viel Material wie möglich entfernt wird, ohne die Leitungen zu beschädigen. 20.000 Kubikmeter Elbschlick fielen an, die nahe Giesensand zwischengelagert wurden. Demnächst wird damit die Baggerfurche wieder verfüllt.

Hoch war der technische Aufwand, der von einer vergleichsweise geringen Zahl an Mitarbeitern bewerkstelligt wurde. Von 50 Frauen und Männern auf der Baustelle berichtet Bley, wobei etwa ein Drittel administrative Aufgaben erledigten. Hinzu kommen noch einmal 20 Mitarbeiter auf den Schiffen. Derzeit werden die Betonwände abgeschlagen und die Stahlteile zerschnitten, um es entsorgen zu können.

Der Rückbau ist der zweite Akt, nachdem im ersten zwischen Oktober 2013 und April 2015 ein neuer Elbtunnel für Versorgungsleitungen gebaut wurde. Eine Erneuerung war notwendig geworden, weil der alte als Folge der Elbvertiefungen nur noch etwa fünf Meter unter der Flusssohle lag. Bei der Notankerung eines Schiffes hätte das Bauwerk Schaden nehmen können.

Arends lobte die Ingenieure und Arbeiter, die 1974 den ersten Elbdüker schufen. Der sei noch in einem hervorragenden Zustand. Damals war der Schiffsverkehr noch so gering, dass der Fluss für die Verlegung ausgebaggert werden konnte. Für den neuen Tunnel musste die Vortriebmaschine „Helene“ benutzt werden, was für „Hetlinger Erdgas-Leitung unter der Elbe für neue Energie“ steht.

Die Unternehmen Open Grid Europe und Gasunie Deutschland betreiben den Tunnel. Letztgenanntes Unternehmen hatte bei dem Projekt die Federführung. In dem Bauwerk befinden sich neben Röhren zum Transport von Gas von Skandinavien nach Mitteleuropa auch Telefonleitungen.

Der dritte Akt folgt ab Oktober und wird im Sommer 2016 abgeschlossen. Nach dem Rückbau soll der Bereich nahe der Hetlinger Schanze so aussehen wie vor den Arbeiten.