Pinneberg
Schenefeld

Neue Studie erforscht gefährlichen Keim

Das Mikroskop macht den Erreger Staphylococcus aureus sichtbar. Es gilt als resistenter Krankheitserreger und lässt sich in der Nasenhöhle nachweisen

Das Mikroskop macht den Erreger Staphylococcus aureus sichtbar. Es gilt als resistenter Krankheitserreger und lässt sich in der Nasenhöhle nachweisen

Foto: NIAID

3000 Probanden gesucht: Institut analysiert Verbreitung von Krankheitserregern. Studie soll Aufschluss über Ursachen geben.

Schenefeld. Sie sind mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen, resistent gegen Antibiotika und können für Erkrankte zur tödlichen Gefahr werden: multiresistente Krankheitserreger. Einem dieser sogenannten Krankenhauskeime soll nun eine groß angelegte Studie auf den Grund gehen. Das Unternehmen proDerm will die Verbreitung des Bakteriums Staphylococcus aureus in Schenefeld analysieren. Gesucht werden dafür 3000 Probanden, die bereit sind, sich in die Nase blicken zu lassen. Denn genau hier lässt sich das Bakterium nieder und zu 100 Prozent nachweisen, wie Reinhold Gahlmann weiß.

Der Naturwissenschaftler übernimmt die Leitung der klinischen Studie für ProDerm, dessen Firmensitz sich im Schenefelder Stadtzentrum befindet. Dem Staphylococcus aureus war Gahlmann schon früher einmal auf der Spur. Mit einem Team arbeitete er einst für Bayer intensiv daran, ein Antibiotikum zu entwickeln. „Es ist extrem schwer, neue Mittel zu finden“, erklärt er. Gleichzeitig weiß er um die Gefahr. „Es ist ein echtes Problem, wenn dieser Keim in Krankenhäusern auftritt.“ Gerade für immungeschwächte Patienten mit offenen Wunden kann der resistente Erreger schwere Folgen haben. So löst das Bakterium beispielsweise Infektionen, Blutvergiftungen und Knochenmarkentzündung aus.

Was allerdings unklar ist und worüber die Studie unter anderem Aufschluss geben soll: Infizieren sich die Patienten im Krankenhaus mit den resistenten Erregern und bringen sie ihn nicht vielmehr mit? Laut Gahlmann gebe es Untersuchungen, die von einer Verbreitung des Bakteriums in der deutschen Bevölkerung von 20 Prozent ausgehen, in skandinavischen Ländern soll die Zahl deutlich niedriger sein. „Wir vermuten, dass eine ähnlich hohe Zahl bei der Schenefelder Studie jetzt herauskommt“, so der Gahlmann.

Den Auftrag für die aufwendige Erhebung hat proDerm als Institut für Angewandte Dermatologische Forschung von einem Pharmaunternehmen erhalten. Das übernimmt auch die Kosten. Hintergrund: Das Pharmaunternehmen hat eine weitere Studie in Auftrag gegeben, die auf den jetzigen Ergebnissen aufbauen soll. Dabei wird es um den Test eines neuen Wirkstoffes an denjenigen gehen, die das Bakterium in sich tragen.

Die Teilnahme an dieser zweiten Studie ist für die Probanden kein Muss. Wer mitmacht, von dem werden anonymisiert einige Daten wie zum Beispiel Vorerkrankungen, Alter, Beruf oder Krankenhausbesuche erhoben. Zudem wird ihm ein Nasenabstrich zur Untersuchung im Labor entnommen. In Schenefeld ist das in den Räumlichkeiten des Unternehmens im Kiebitzweg 16 vom 14. bis 16. September, 12. bis 14. Oktober sowie 9. bis 11. November möglich sein (jeweils in der Zeit von 8.30 bis 12.30 Uhr). Freiwillige sollten etwa 20 Minuten Zeit und einen Personalausweis mitbringen. Kosten entstehen ihnen nicht.

Zu den ersten, die sich freiwillig für die Erforschung des Bakteriums in die Nase blicken ließen, gehörten Bürgervorsteherin Gudrun Bichowski und Schenefelds Bürgermeisterin Christiane Küchenhof. Sie wollen damit nicht nur das Schenefelder Unternehmen unterstützen, das sich kürzlich aufgrund von Problemen mit dem Vermieter auch mit Abwanderungsgedanken trug. Dabei beschäftigt das Unternehmen rund 100 Mitarbeiter auf den 1800 Quadratmetern im und 500 Quadratmetern neben dem Stadtzentrum und fertig zahlreiche Studien und Tests für Kunden weltweit an. Küchenhof und Bichowski wollen auch ein Signal setzen und für mehr Aufklärung sorgen. „Viele wissen nicht, dass es diese Keime auch außerhalb von Krankenhäusern gibt“, sagt Bichowski Dabei könne es auch gefährlich sein, wenn man den Erreger mit sich trage und beispielsweise einen schwerkranken Angehörigen pflegt. Laut Gahlmann werden die Probanden, bei denen der Erreger in der Nase nachgewiesen wird, darüber natürlich informiert. An der Studie können sich Freiwillige an 18 Jahre beteiligen, sie müssen nicht notwendigerweise aus Schenefeld stammen.