Pinneberg
Bridge in Quickborn

Das Kartenspiel, bei dem das Gehirn auf Trab kommt

Foto: Burkhard Fuchs

Die Bridgefreunde Quickbornmessen sich regelmäßig im wohl anspruchsvollsten Kartenspiel der Welt. Es soll sogar Alzheimer vorbeugen.

Quickborn/Hasloh. Für den Laien ist es ein Buch mit sieben Siegeln. Für den geübten Spieler die Erfüllung all seiner Kartenträume, die weit über die Kunst anderer beliebter Kartenspiele hinausgeht. „Bridge verhält sich zu Skat wie Schach zu Dame“, sagt Ronald Kalf, 63. „Es ist das anspruchsvollste Kartenspiel der Welt.“

Der gebürtige Niederländer Kalf ist Erster Vorsitzender der Bridgefreunde Quickborn. Zweimal die Woche treffen sich die 56 Mitglieder des Vereins, der gerade sein 36-jähriges Bestehen feierte. Beim Montagsturnier messen sich die erfahrenen Bridgekenner im Viererspiel. Donnerstags haben auch schwächere Spieler die Chance mitzuspielen. Die Treffen beginnen um 18.30 Uhr in den Räumen der Arbeiterwohlfahrt an der Kamp­straße 8 und enden gegen 22 Uhr, wenn 28 Partien – Boards genannt – gespielt sind.

Bridge erscheint wie eine Mischung aus Skat und Doppelkopf, ist aber viel komplizierter. Als Vorläufer gilt das englische Kartenspiel Whist, das bereits im 16. Jahrhundert populär wurde und hierzulande auch unter dem Namen Kartoffeln bekannt ist. Dabei müssen die Spieler vor dem Spiel genau ansagen, wie viele Stiche sie bekommen wollen. Es gewinnt, wer richtig liegt.

Etwa 700.000 Menschen spielen weltweit die Variante Kontrakt-Bridge

Das heute weltweit geläufige Kontrakt-Bridge soll der US-amerikanische Milliardär Harold S. Vanderbilt, Enkel des Schiffs- und Eisenbahn-Tycoons Cornelius Vanterbilt, 1925 entwickelt haben – auf einer Kreuzfahrt, damit sich die Gäste auf seiner Yacht nicht langweilten. Diese Art des Bridgespiels wird heute von weltweit 700.000 Spielern gepflegt, etwa die Hälfte davon lebt in den USA, Frankreich und den Niederlanden. Der deutsche Bridge­verband zählt 28.000 Mitglieder.

Wie beim Doppelkopf spielen jeweils zwei Paare gegeneinander. Diese Paare wechseln aber nicht von Spiel zu Spiel, erläutert Kalf. „Es spielen immer die beiden Spieler zusammen, die sich gegenüber sitzen.“ Meist bleiben diese Paare über Jahre bestehen, weil der Mitspieler die vielen Ansagen und Absprachen seines Partners erst lernen und über Hunderte Partien verinnerlicht haben muss, damit das Team erfolgreich sein kann.

Ziel des Spiels, bei dem jeder Spieler 13 der 52 ausgeteilten Karten eines französischen Kartenspiels erhält, ist es, möglichst viele Stiche zu bekommen, deren Zahl vorab angekündigt sein muss. Gewinnen kann nur, wer mindestens sieben der 13 Stiche erhält. Gereizt wird danach, wer ein höheres Gebot an Stichen und Farben hat, wobei Pik die höchste und Treff (Kreuz) die kleinste ist. Darüber wird dann sozusagen ein Vertrag, der Kontrakt, für ein Spiel abgeschlossen.

Bridge gilt als ein Spiel für die ältere Generation. Das Durchschnittsalter liege oft jenseits der 70, was aber nicht verwunderlich sei, weil man viel Zeit haben müsse, die komplizierten Regeln zu lernen, meint Johanna von Spreckelsen aus Halstenbek, Zweite Vorsitzende der Bridgefreunde.

Das enorme Gedächtnistraining, das hier auf spielerische Art und Weise durch das ständige Zählen der Trümpfe und Behalten der Absprachen auf die Spitze getrieben werde, beuge sogar Krankheiten wie Alzheimer vor, sagt die 77-Jährige. „Meine Mutter hat erst mit 70 mit dem Bridgespiel angefangen und ist bis zu ihrem Tod mit 89 geistig voll auf der Höhe geblieben.“ Auch sie selbst hat erst im Rentenalter mit dem Spiel begonnen. Schatzmeisterin Gerda Wildauer bestätigt: „Es ist eine Art Gehirn-Jogging.“

Gute oder schlechte Karten gibt es nicht, stattdessen kommt es auf Tricks an

Bridge habe im Vergleich zum Skat auch den Vorteil, dass es weniger auf Glück ankomme als auf die Beherrschung aller möglichen Varianten und kleiner Tricks, sagt Sportwartin Ingrid Hoppe, die über ihren Mann zum Bridgespiel kam. „Er ärgerte sich immer, wenn er beim Skat nur schlechte Karten bekam.“ Das sei beim Bridge unmöglich. Die Karten würden nach dem Ausspielen sogar so zurück ins Board gelegt, dass der nächste Tisch mit vier Spielern mit genau denselben verteilten Karten spiele. Auf diese Weise könne dieselbe Ausgangslage stets zu neuen Spielvarianten führen. „Auch nach 30 Jahren Bridgespielen lernt man immer wieder etwas dazu“, sagt Ingrid Hoppe.

Wer bisher zu Hause bei Tee oder Kaffee im kleinen Kreis Bridge spiele, sei herzlich eingeladen, in dem Quickborner Verein mitzumischen und „Turnierluft zu schnuppern“, wie der Vorsitzende Kalf sagt. Einige weniger geübte Spieler könnten auch an der Hasloher Bridgeschule bei dem ehemaligen Quickborner Vorsitzenden Albert Henne teilnehmen. Dieser lädt dienstags zum Übungsspiel zu sich nach Hause an der Dorfstraße 6 in Hasloh ein. Auch dafür sind allerdings Vorkenntnisse vonnöten.

Wer Kontakt zu den Bridgefreunden Quickborn aufnehmen will, wendet sich per E-Mail an den Vorsitzenden Ronald Kalf: r-h.kalf@t-online.de.