Pinneberg
Kreis Pinneberg

Gänse von den Äckern umleiten

Georg Kleinwort ist Vorsitzender des Kreisbauernverbandes

Georg Kleinwort ist Vorsitzender des Kreisbauernverbandes

Foto: Fabian Schindler

Landwirte stellen Maßnahmen gegen Fraßschäden durch Zugvögel vor. Neben Ausgleichszahlungen fordern sie, Naturschutzflächen für Gänse attraktiver zu gestalten

Kreis Pinneberg. Landwirte im Kreis Pinneberg wollen die Schäden durch Wildgänse auf ihren Äckern nicht mehr hinnehmen. Im vergangenen Juli kamen einige Vertreter erstmals in Haselau zusammen, um Maßnahmen gegen Gänsefraß zu besprechen. Diese wollen sie am Mittwoch,
6. Mai, im nordfriesischen Neukirchen auf einem Fachsymposium Vertretern aus Naturschutzverbänden und Landwirtschaftsministerium vorstellen.

„Wir sind für Naturschutz im Einklang mit Mensch und Natur“, sagt Georg Kleinwort, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes. „Aber mit Vernunft, Sachverstand und maßvoll. Naturschutz darf nicht zur Ideologie werden.“ So würden Naturschutzflächen sich selbst überlassen und zunehmend verunkrauten. Für Gänse sei das wenig reizvoll. „Sie bevorzugen die jungen Triebe, die sie auf Ackerflächen finden“, sagt Kleinwort. Und genau dort will man sie nicht.

Daher schlägt der Bauerverband extensive Standweiden vor. „Wenn Rinder die Flächen begrasen, werden breitblättrige Ampferarten, Brennnesseln und Ackerschachtelhalm dezimiert.“ Frisches, für Gänse attraktives Gras kann nachwachsen. Es müssten zwei bis drei Rinder je Hektar eingesetzt werden.

Die Frage ist, wie viele Gänse verträglich sind

„Pro Rind wäre eine Aufwandsentschädigung von 200 Euro für die Flächenpflege notwendig“, sagt Kleinwort. Auch Gänsefraßflächen, auf denen extra für die Vögel Getreide ausgesät wird, hält er für denkbar. Doch das koste. „Wenn die Gesellschaft die Wildgänse möchte, muss eben auch die Allgemeinheit dafür aufkommen.“

Ackerflächen, auf denen Schäden durch Gänse entstanden sind, müssten mit bis zu 2000 Euro pro Hektar entschädigt werden. Eine pauschale Ausgleichszahlung von 150 Euro pro Landwirt wie in Hamburg lehnt der Bauerverband ab. „Demjenigen, der den Schaden hat, ist mit der geringen Summe nicht geholfen“, sagt Kleinwort.

Zudem müsste die Zahl der Gänse neu erfasst und überprüft werden, ob sie tatsächlich noch schutzbedürftig seien. „Unser Eindruck ist, es sind entlang der Deichlinie zu viele“, sagt er. „Dem könnte man entgegenwirken, indem man Eier aus dem Gelege nimmt, die Vögel vergrämt oder mehr zum Abschuss freigibt.“

Die Frage sei, wie viele Gänse verträglich seien. „Die erlegten Wildgänse sollten in Abstimmung mit einer Geflügelschlachterei der regionalen Küche zugeführt werden.“ Zudem wünschten sich die Bauern in den zuständigen Ministerien, Behörden und Naturschutzverbänden mehr Sachverstand. „Oft klaffen Theorie und Praxis auseinander“, sagt Kleinwort. Um ein praxisnahes Fundament zu schaffen, müsse Naturschutz ein Ausbildungsberuf werden.