Kreis Pinneberg

Osterfeuer: Tausende verabschieden den Winter

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Andreas Daebeler
Osterfeuer 2015 im Kreis Pinneberg

Osterfeuer 2015 im Kreis Pinneberg

Foto: Andreas Daebeler

Tausende Menschen wärmen sich an Osterfeuern im Kreis Pinneberg. Die Tornescher schauen ein Jahr nach dem Mord an Lisa Marie nach vorn.

Kreis Pinneberg.  Es ist Ostersonnabend. Kurz vor 19 Uhr. Die Sonne schickt letzte wärmende Strahlen. Die am Mittag noch klare Luft ist erfüllt von Brandgeruch. Überall im Kreis Pinneberg werden hoch aufgetürmte Holzstöße entzündet. Auf Wiesen, auf Koppeln und befestigten Plätzen. Auch in Kleingärten und Höfen verabschieden Menschen die kalte Jahreszeit. In Tornesch ist der Tag des traditionellen Osterfeuers für viele ein Tag, der Erinnerungen wachruft.

Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass die Freiwillige Feuerwehr in der 13.000-Einwohner-Stadt sich von Lisa Marie B. verabschieden musste. Von der 18 Jahre jungen Frau, die von dem zwei Jahre jüngeren Lukas M. erwürgt worden war. Er war ein Feuerwehrkamerad. „Ja, das kommt alles wieder hoch“, sagt Thomas Ueckert. Er hat das Volksfest, das seinerzeit wegen der Trauer um das ermordete Mädchen abgesagt worden war, mitorganisiert. Ueckert erinnert daran, dass 2014 von einem weiteren Mitglied Abschied genommen werden musste. Andreas Jungclaus war im März gestorben. „Es wäre in seinem Sinne gewesen, dass wir an der Tradition des Osterfeuers festhalten“, sagt Ueckert. „Irgendwann sollte man nach vorn schauen.“

Das sieht Günther Pieper, der die Wehr in Esingen leitet, nicht anders. „Es muss weitergehen.“ Der Zuspruch der Tornescher gibt Pieper Recht. Schon vor Entzünden des Holzhaufens tummeln sich Hunderte auf dem Vorplatz der Feuerwache. Thomas Butzlaff ist einer von ihnen. „Ein unheimlicher Auflauf, eine gute Stimmung“, lobt der Architekt aus Klein Nordende. Er hat an der Esinger Wache mitgebaut. Und hebt hervor, dass der befestigte Vorplatz von vornherein Teil der Planung war. „Hier stehen die Besucher nicht im Matsch, das ist ein großer Vorteil.“

Sorgen um die Sicherheit muss sich derweil in Tornesch niemand machen. Obwohl 50 Mitglieder der Esinger Wehr mit der Organisation des Volksfests alle Hände voll zu tun haben. „Wir haben eine Bereitschaft für Notfälle eingerichtet“, sagt der Wehrführer. Die Nachbarwehr aus Ahrenlohe stehe zudem für Brandfälle parat.

Während in Tornesch die ersten Stockbrote an Kinder ausgegeben werden und aus den Boxen die Beats der 1980er-Jahre dröhnen, geht es im Süden der benachbarten Kreisstadt etwas beschaulicher zu. Der Bürgerverein Waldenau-Datum lädt bereits seit Jahrzehnten zum Osterfeuer ein. Auch Bier und Grillwurst gibt es auf der Wiese des Bauern Nils Ramcke am Hunnenbarg. Auf ein Programm verzichten die Veranstalter bewusst. „Wir wollen den dörflichen Charakter erhalten“, sagt Jürgen Hilbers, der den Bürgerverein leitet. „Das Osterfeuer bietet Jahr für Jahr Gelegenheit für Gespräche, wir haben hier kaum auswärtige Gäste.“

Klönschnack am wärmenden Feuer – der Pinneberger Künstlerin Mouna Ramcke gefällt das. Sie ist mit ihrer Familie gekommen. Auch Günter Petersen, streitbarer Sprecher der Pinneberger Marktbeschicker, lässt sich das Treffen der Waldenauer Dorfgemeinschaft nicht entgehen. „Ich musste bei dem Wetter einfach raus.“ Vor allem für Kinder birgt das knisternde Feuer eine große Anziehungskraft. Die vierjährige Mia legt immer wieder Zweige nach, der fünfjährige Louis tanzt vor dem brennenden Turm, der langsam in sich zusammenfällt.

Auf dem Weg nach Wedel geht es vorbei an jeder Menge Rauchsäulen. Auf dem Festplatz am Freibad steigt eine XL-Version des Osterfeuers, organisiert von der örtlichen Feuerwehr. Mittlerweile ist es empfindlich kalt. Das Thermometer zeigt drei Grad. Bürgermeister Niels Schmidt hat sich warm eingepackt. Wie viele Menschen sich in der Budenstadt tummeln, vermag er nicht zu sagen: „Ich bin schlecht im Schätzen.“ Es gibt Glühwein. Funken fliegen übers Gelände. Einige Meter weiter tanzen Hunderte zu „Atemlos“ von Helene Fischer. Angeheizt von einem lautstarken DJ.

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