Kreis Pinneberg

Ein Pionier-Projekt in Halstenbek: Energie-Garage fürs Elektroauto

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Burkhard Fuchs

Ein Rentnerehepaar in Halstenbek leistet Pionierarbeit für den Klimaschutz. Es erzeugt jetzt Strom aus erneuerbaren Energien, um damit das Elektroauto aufzutanken und den Strombedarf für sich und seine Nachbarn zu decken.

Haslstenbek. Wie der motorisierte Individualverkehr in Zukunft umweltfreundlicher gestaltet werden könnte, zeigt das Beispiel im Halstenbeker Bickbargen: Dort haben Helen und Bill Kerby ein in dieser Form bislang einmaliges Projekt verwirklicht. Das Ehepaar hat seine Garage in ein hochmodernes Energiezentrum verwandelt: Auf dem Dach ist eine Fotovoltaikanlage installiert, die Solarstrom produziert. Damit wird das nagelneue Elektroauto aufgetankt oder der Strombedarf in ihrem Wohnhaus nebenan gedeckt. Und für die Herbst- und Wintermonate, wenn die Sonneneinstrahlung dafür nicht mehr ausreicht, springt ein kleines Blockheizkraftwerk ein, das ebenfalls in der Garage installiert ist und automatisch je nach Bedarf im Wechsel mit der Solaranlage geschaltet wird. Ein großer Ionenspeicher, der die überschüssige Energie langfristig speichern kann, rundet dieses private Konzept einer neuartigen Energie-Garage ab, in das die Umweltpioniere in Halstenbek rund 100.000 Euro investiert haben.

„Man kann große Reden schwingen oder selbst etwas für die die Zukunft tun“, sagte Helen Jones-Kerby bei der öffentlichen Vorstellung ihrer neuartigen Energie-Garage am Sonnabend, zu der die beteiligten Firmen, Kommunalpolitiker, Nachbarn und die lokalen Medien eingeladen waren. „Und wir haben uns für die Zukunft entschieden.“ Er möchte zeigen, wie der Autoverkehr künftig umweltschonender ablaufen könnte und anderen Leuten ein Beispiel geben, was sie selber für das Klima tun könnten, sagte der emeritierte Mathematik-Professor der Uni Hamburg. Ihre Idee geht sogar so weit, dass die überschüssige Energie nicht nur ins öffentliche Netz eingespeist werden soll. Vielmehr könnten sie die Nachbarhäuser auch noch mit Strom versorgen, weil seine Anlage mehr produziert als er verbraucht. „Das Interesse dazu besteht bei den Nachbarn.“

Der 76 Jahre alte Umwelt-Pionier kennt sich gut aus mit der Materie. Anhand von Schaubildern zeigte er der interessierten Öffentlichkeit, was die Ideallösung wäre. So würde sich die Solaranlage auf dem Dach der Garage und des Wohnhauses ausgezeichnet ergänzen mit einer Windkraftanlage. Der Solarstrom fließt überwiegend in den Sommermonaten, der Windstrom überwiegend in der kalten Jahreszeit. Da er aber nicht einfach eine Windkraftanlage in seinen Garten stellen darf, sei er auf den Kompromiss mit dem kleinen Blockheizkraftwerk gekommen. „Dieses Hybrid-System ist im Moment das Beste, was man selber machen kann“, ist Kerby überzeugt. „In dieser Form ist es bislang einmalig.“ Das bestätigt Klaus Krieger aus Kummerfeld, der die 18.000 Euro teure Anlage in der Garage eingebaut hat. Immer mehr Privatleute würden sich ein BHKW in ihren Keller stellen, das mit Erdgas Strom und Wärme produziert. In Kombination mit einer Fotovoltaikanlage wie bei den Kerbys sei es aber etwas völlig Neues.

Wie ein kleines Schalt- und Rechenzentrum sieht nun Kerbys Energie-Garage aus. Zwei Wechselrichter wandeln den Gleichstrom von den Solarmodulen in Wechselstrom um, erklärt Heinfried Torst, der die 40.000 Euro-Anlage installiert hat. Wenn, wie am Sonnabend, die beiden Solardächer nur jeweils 195 und 240 Watt Strom erzeugen, springt automatisch das BHKW an. Kerby will jetzt jeden Tag alle Daten messen und ein Jahr lang zusammentragen, um dann genaue Aussagen zu treffen, wie seine Energie-Garage optimiert werden und wie die erzeugte Energie seinen Nachbarn zugute kommen kann.

Drei Monate mit der Energie-Garage und dem 35.000 Euro teuren Elektroauto seien bereits einwandfrei verlaufen und machten ihm Mut, dass er und seine Frau das Richtige getan hätten. Auch wenn sie für ihr geschärftes Umweltbewusstsein noch draufzahlten, ist der gebürtige US-Amerikaner Kerby von der Sinnhaftigkeit dieses Weges fest überzeugt. „In fünf Jahren wird so eine Anlage 25 bis 40 Prozent kostengünstiger sein.“ Dann werde sich diese Investition für viele Nachahmer lohnen.

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