Bokel

Das Strandbad Bokel ist endgültig Geschichte

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Burkhard Fuchs und Sarah Stolten

Amt Hörnerkirchen lässt das 30 Jahre alte Gebäude abreißen, weil der Pachtvertrag mit dem See-Eigentümer ausläuft. Die Bokeler bedauern den Abriss sehr.

Bokel. Eine Ära ist jetzt in Bokel unwiderruflich zu Ende gegangen. Mit Bagger und schwerem Gerät hat das Amt Hörnerkirchen das Strandbad abreißen lassen, das 30 Jahre lang den Badegästen des 20 Hektar großen Sees Duschen, Umkleideräume und einen Verkaufskiosk bot. Drei Tage hat Baggerfahrer Hinrich Hell von der Firma Ernst Karl aus Westerhorn ganze Arbeit geleistet und den Rundbau dem Erdboden gleichgemacht. Vier Container Schutt sind übrig geblieben.

Nach 30 Jahren lief der Pachtvertrag aus zwischen dem Eigentümer des Sees, Rainer Erich, der auch das Ringhotel Bokeler Mühle betreibt, und dem Amt Hörnerkirchen. Zunächst war er für 25 Jahre geschlossen und dann noch mal um fünf Jahre verlängert worden. Erich will sein Hotel erweitern und die Zahl der Zimmer auf 44 fast verdoppeln. Um diese Fünf-Millionen-Euro-Investition stemmen zu können, will er den See meistbietend verkaufen. Ein Pachtvertrag und eine bebaute Liegenschaft direkt am See sollten da nicht stören. "Er wollte keine Lasten mehr drauf haben", sagt Amtsvorsteher Bernd Reimers. "Und da das Amt die Gebäude errichtet hatte, mussten wir sie jetzt zum 31. März abreißen lassen."

Bis zuletzt hätten das Amt und die Gemeinde Bokel versucht, dies zu verhindern. Aber vergebens, bedauert Amtsvorsteher Reimers. Alle Gesprächsangebote seien zuletzt abgelehnt oder nicht wahrgenommen worden. "Das ist ein Schlag ins Gesicht für die gesamte Naherholung im Norden des Kreises Pinneberg", bedauert Reimers diese Entwicklung. "Das Strandbad war ein Wahrzeichen für die Bokeler Mühle." Die Bokeler bedauern den Abriss sehr. Claudia Huckfeldt findet es sehr schade, dass es keine Einigung zwischen dem Amt und Rainer Erich gab. Der Abriss sei ein Trauerspiel, sagt Christian Baumgarten. "Für die Gemeinschaft fällt eine Tradition weg, das Abfischen und Strandfest am See waren größere Ereignisse", sagt Anna Kehde. Das bestätigt Barmstedts Stadtsprecher Wolfgang Heins, dessen Verwaltung auch die vier Hörner-Gemeinden verwaltet. "Damit ist ein Magnet der Naherholung nicht mehr in öffentlicher Hand." Ob der Badebetrieb auch ohne Aufsicht, sanitäre Einrichtungen, Umkleidemöglichkeiten und Erfrischungsverkauf im Sommer weitergeht, müsse abgewartet werden, sagt Heins. Das Bokeler Strandfest, das 30 Jahre lang im August gefeiert wurde, könne nicht mehr veranstaltet werden.

Dass die Behörden jetzt trotz des Winterwetters Ernst gemacht haben, scheint auch den Hotelbetreiber überrascht zu haben. So wundert sich Alexander Erich, den sein Vater Rainer Erich zum Teil mit den Verhandlungen betraut hat. "Aus meiner Sicht ist der Abriss der Einrichtungen am Strandbad tatsächlich unverständlich. Ich verstehe nicht, warum ein Abriss zum jetzigen Zeitpunkt erfolgt", sagt er auf Anfrage. Dadurch würde eine Wiederaufnahme des Betriebs erheblich erschwert. Gleichwohl betont Alexander Erich: "Den Pachtvertrag habe ich gekündigt." Auf den Rückbau der Anlagen habe er als Eigentümer des Sees auch einen theoretischen Anspruch, den er auch einklagen könnte. "Ich habe aber immer ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich einen Rückbau für kontraproduktiv halte. Im Pachtvertrag war dieser Fall nicht geregelt", sagt Alexander Erich.

Diese Aussagen kann Amtsvorsteher Reimers nicht mehr nachvollziehen. "Wir haben alle Register gezogen. Familie Erich war nicht mehr gesprächsbereit. Aber mir war schon klar, dass wir den Schwarzen Peter kriegen sollen." Wenn der Pachtvertrag Ende März auslaufe, müsse das Amt bis dahin auch das Strandbad beseitigen. "Danach darf ich nicht mehr aufs Gelände."

Auch ein konkretes Kaufangebot hätten die Gemeinden dem See-Eigentümer gemacht und sich dabei an ein Wertgutachten des Gutachterausschusses orientiert. Rainer Erich sprach in diesem Zusammenhang mal von vier Millionen Euro. "Da fehlte unserem Angebot aber eine Null", sagt Reimers. Alexander Erich versichert: "Einen Kaufinteressenten gibt es zurzeit nicht."

So endet der Bokeler Badebetrieb offenbar mit einem großen Missverständnis. Dies zeigt sich auch im Internet, wo die Stadt Barmstedt auf ihrer Homepage noch auf das Freibad Bokeler See hinweist einschließlich der Öffnungszeiten und Eintrittspreise.

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