Pinneberg
Tag des Buches

Ein fabelhafter Fabulierer

Foto: Marika Richters

Die Geschichten des gebürtigen Helgoländers James Krüss verzaubern nach wie vor Kinder aus aller Welt

Helgoland. "Und was ich so schrieb, gefällt vielen Kindern auf der Welt." Diese Aussage von James Krüss ist immer noch aktuell, und sie passt zum internationalen Tag des Buches, der an diesem Sonnabend gefeiert wird. Denn die Geschichten, Gedichte und Fabeln des gebürtigen Helgoländers und weltberühmten Kinderbuchautors verzaubern noch immer Kinder aus aller Welt - trotz der Konkurrenz der neuen Medien. Mit Erich Kästner und Michael Ende zählt James Krüss zu den bedeutendsten Kinderbuchautoren Deutschlands.

Aktuell hat die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Krüss' neu aufgelegtes Werk "Von Anfang bis Zebra", Abc-Gedichte, im Jahr seines 85. Geburtstages zum "Buch des Monats Mai 2011" gekürt. In diesem Buch, so heißt es, sind zwei Fabulierer miteinander verbunden: James Krüss, "der Sprachkönner mit seinem Witz und der Liebe zu den Kindern", und die Illustratorin Sabine Wilharm mit "farbenprächtiger, alle Rahmen sprengender Bildgestaltung". Das Buch für Kinder ab acht Jahre ist im Carlsen-Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro.

Illustratorin Sabine Wilharm eröffnet die Krüss-Saison auf Helgoland

Auf seiner Heimatinsel haben seine Erben im Jahr 2007 dafür gesorgt, dass in drei nachgebauten Hummerbuden ein kleines James-Krüss-Museum entstand, das sich zu einem Magneten für Schulklassen und Familien mit Kindern entwickelte - nicht zuletzt, weil die Erben von Krüss in jeder Saison Workshops und Lesungen mit renommierten Künstlern und Schauspielern anbieten.

In diesem Jahr ist die Saisoneröffnung für das Himmelfahrtswochenende geplant. Zugesagt hat Sabine Wilharm, Illustratorin von zwei Büchern des Helgoländer Autors, die vor Ort zeichnen wird. Darüber freut sich Kirsten Rickmers-Liebau, Sprecherin der Erbengemeinschaft, sehr. Mit dabei ist über Himmelfahrt der Hamburger Musiker und Kabarettist Axel Pätz, der bereits in den Jahren zuvor Gast im Krüss-Museum war und unter anderem Texte aus "James Tierleben" vertonte.

In den ersten beiden Augustwochen dieses Jahres hat sich Jule Pfeiffer-Spiekermann auf dem Helgoländer Museumshof angesagt. Die Diplom-Designerin, Illustratorin und Kinderliteraturvermittlerin wird ihrem jungen und älteren Publikum wieder viele Ideen präsentieren.

Apropos Museumshof: Auf dem Freigelände des Nordseemuseums befinden sich die beiden kleinen Hummerbuden des James-Krüss-Museums in einem ganzen Ensemble anderer Aussteller: Sammlung zur Postgeschichte Helgolands, Postkartenausstellung mit Motiven der Insel Helgoland, Ausstellung mit Fotografien vom alten Helgoland und die Ausstellung des Fotografen Franz Schensky sowie im Leuchtturm eine Ausstellung Seenotrettung.

Bleibt die Frage, ob Helgoland die Zugkraft des Namens James Krüss, dessen Bücher in mehr als 40 Sprachen übersetzt worden sind, der enormes Ansehen in der literarischen Welt, aber auch bei ganz normalen "Leseratten" genießt, nicht noch viel stärker nach außen betonen könnte oder sogar müsste - gerade mit Blick auf neue Gäste, die allen auf der vom Tourismus geprägten Insel zugute kämen.

"Wir können James Krüss gar nicht genug würdigen", sagte Helgolands Bürgermeister Jörg Singer. Er kennt die Krüss-Werke aus seiner Zeit in München, wo dem Helgoländer im Schloss Blutenburg (siehe Infokasten) von der Internationalen Jugendbibliothek ein ganzer Turm - neben Erich Kästner und Michael Ende - gewidmet worden ist.

Singer sieht die Krüss-Ausstellung auf Helgoland derzeit auf dem Museumshof des Nordseemuseums gut aufgehoben. Krüss als "Marke" für Helgoland besser zu verkaufen, das kann sich allerdings auch Singer "mittelfristig" sehr gut vorstellen.

James Krüss wuchs als ältester Sohn des Elektrikers Ludwig Krüss und dessen Frau Margaretha Friedrichs auf Helgoland auf. Krüss veröffentlichte 1946 im Parus-Verlag sein erstes Buch "Der goldene Faden". 1948 bestand er sein Examen als Volksschullehrer; war aber nie als Lehrer tätig.

Im selben Jahr zog James Krüss nach Reinbek bei Hamburg und gründete die Zeitschrift Helgoland für die durch den Krieg von ihrer zerstörten Insel vertriebenen Einwohner. Bereits 1949 wechselte Krüss nach Lochham bei München und lernte dort Erich Kästner kennen.

1956 erschien sein erstes Kinderbuch "Der Leuchtturm auf den Hummerklippen" im Verlag Friedrich Oetinger. 1997 starb James Krüss auf Gran Canaria und wurde am 27. September vor seiner Heimatinsel Helgoland auf See bestattet.