Pinneberg
Jazz-Festival in Pinneberg

Musikfans erlebten auf sechs Bühnen 50 Konzerte

Foto: Manfred Augener

Der Jazz traf vor Tausenden von Musikfans auf die Neue Deutsche Welle. Besucher hörten Interpretationen von Kraftwerk bis Markus und Ideal.

Pinneberg. Den Sammlerwert seines schwarzen Caps schätzt Frank Leppelmeier auf mittlerweile 450 Euro. Das liegt nicht unbedingt am Aufdruck "Summer Jazz", hat aber direkt damit zu tun: Der Pinneberger hat alle 15 Festival-Pins vom Saxofon über Banjo und Gitarre bis zum neuesten Motiv, der Keytar, auf seiner Mütze "verankert". Einmal im Jahr kommt das Prachtstück zum Einsatz - wenn die Pinneberger Innenstadt vier Tage lang im Rhythmus von Jazz, Blues und Soul swingt.

Das prächtige Wetter mit warmen Temperaturen bis in den späten Abend hinein sorgte an den vergangenen vier Tagen dafür, dass Tausende von Musikfreunden, darunter sehr viele aus umliegenden Städten und auch aus Hamburg, bis in die späten Abendstunden hinein mitfeierten, sangen und tanzten.

Motto des Festivals war die Neue Deutsche Welle

Die Mischung macht's - mit ihrem Mix aus verschiedenen Stilrichtungen bedienten die Organisatoren wieder einmal auf immerhin sechs Bühnen jeden Geschmack. Mehr als 50 Konzerte fanden von Donnerstag bis Sonntag statt. Auch in diesem Jahr stand das Festival wieder unter einem Motto: "Jazz meets Neue Deutsche Welle" lautete die Vorgabe, diverse Bands überraschten mit Interpretationen von Kraftwerk bis Markus und Ideal. Das "Beatrice Kahl & Gaby Schenke Quartett" gab den Ton an und präsentierte das Programm ihrer neuen CD "99 - NDW meets Jazz". "Nena, Markus, Spliff & Co, arrangiert, reharmonisiert, mit anderen Grooves versehen", werben die beiden aus Hannover stammenden Musikerinnen für ihr neues Werk - das Zuhören und Zuschauen vor der Kunstmann-Bühne lohnte sich.

Sechs Bühnen über vier Tage plus drei ausverkaufte Festival-Nights im Rathaus - letztere mit Blues-Legende Tom Shaka, dann am Freitag Pianist Axel Zwingenberger als "Botschafter des Boogie-Woogie" und am Sonnabend, moderiert von Jazz-Sängerin Julia Fohreva, ein Tribut an Django Reinhardt, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre.

Viele internationale Künstler auf den Bühnen

Wie "angesagt" der Pinneberger "Summer Jazz" ist, spiegelt sich auch darin wieder, dass viele internationale Künstlerinnen und Künstler mit dabei waren. Unter anderem sorgte die polnische Frauenband "Nail Quartet" mit ihrem funkigen Jazz für Furore, die in Berlin lebenden Spanier Adrain Costa und Marcos Coll boten "Power-Blues mit spanischer Note". Welches Renommee der Pinneberger Summer Jazz in der Szene hat, spiegelt sich darin wider, dass zwei studierte Musiker auf Anfrage einen Auftritt ablehnten. Für Pinneberg seien sie nicht gut genug. "Schade", sagt Günter Kleinschmidt, der Vorsitzende des Fördervereins Summer Jazz. "Gerade die Tatsache, dass hier unerfahrene und routinierte Musiker aufeinandertreffen und sich gegenseitig inspirieren, macht unser Festival doch zu etwas Besonderem."

Welches Musikinstrument den Pin des nächsten Summer Jazz Festivals zieren wird, ist allerdings zurzeit noch nicht klar. Auf Frank Leppelmeiers Cap ist jedenfalls noch jede Menge Platz.