Pinneberg

Zahl der Problemkinder wächst

Schulrat Dirk Janssen appelliert an Politiker, mehr Geld für die Schulsozialarbeit auszugeben

Uetersen. Immer mehr Kinder, die in die Schulen des Kreises Pinneberg kommen, sind verhaltensauffällig und gelten zum Teil sogar als nicht beschulbar. Schulrat Dirk Janssen hat während der jüngsten Sitzung des Uetersener Schulausschusses alarmierende Zahlen vorgelegt.

Danach haben im Kreis Pinneberg etwa 30 Prozent der Schulkinder Probleme im sozial-emotionalen Bereich - acht Prozent davon sogar "massive" Probleme. Sie können sich beispielsweise nur wenige Minuten konzentrieren und stören den Unterricht derart, dass sie als nicht tragbar für Klasse und Lehrer gelten. "Schon ein Kind, das ständig stört, kann den Unterricht zum Erliegen bringen", sagte Janssen. "Die Situation ist dramatisch."

Und die Problematik werde weiter ansteigen: Eine Abfrage des Schulamtes in den Kindergärten des Kreises habe ähnliche, teils noch negativere Ergebnisse aufgezeigt: Die Zahl der Kinder, die in den Kitas die Gruppenarbeit stören, nimmt stetig zu.

Im städtischen Bereich gibt es die meisten Problemkinder

Der Bereich Uetersen/Moorrege liegt im "Ranking" an vierter Stelle, erwartungsgemäß sind in den städtischen Bereichen die meisten Problemkinder in Klassen und Kitas zu beobachten. Elmshorn mit seinen sozialen Brennpunkten liegt vor Pinneberg und Wedel. Das Schulamt beobachtet die Entwicklung mit Sorge und wirbt für ein Unterstützungssystem für Kinder mit Förderbedarf. Es führe kein Weg mehr daran vorbei, mehr Geld für die Schulsozialarbeit auszugeben, sagte Janssen zu den Politikern, auch um spätere kostenintensive stationäre Unterbringungen der Problemkinder zu verhindern.

"Pädagogische Inseln" sollten verbindlich installiert werden

Janssen stellte ein Dreistufen-System vor, das in Kooperation mit der Jugendhilfe entwickelt wurde. Danach sollte auch bei den als unauffällig geltenden, "normalen" Kindern die Präventionsarbeit verbessert werden, was mit "Bordmitteln" im Unterricht, aber auch durch Elterarbeit geschehen könne. Für Kinder mit Problemen im sozial-emotionalen Bereich müssten "pädagogische Inseln" und zudem die Schulsozialarbeit erheblich intensiviert werden. "Pädagogische Inseln" als Förder- und Rückzugszentren gebe es schon an einigen Schulen, wichtig sei es, diese verbindlich zu installieren.

Für die Schulkinder mit massiven Störungen will der Kreis vier Beratungs- und Unterstützungszentren einrichten, eines davon soll in Uetersen entstehen. Maximal zwölf Kinder aus dem Bereich Grundschule bis Sekundarstufe I sollen in einem solchen Zentrum von sechs Erwachsenen betreut werden: Drei Lehrer und drei pädagogische Mitarbeiter. Die Lehrkräfte werden für die Arbeit freigestellt, die Kosten der Sozialpädagogen trägt der Kreis. An die Kommunen appelliert der Kreis, die Schulsozialarbeit zu unterstützen und Räume und Ressourcen für den Aufbau von Zentren bereitzustellen.

Die Betreuung in den Zentren hat auch zum Ziel, die Problemkinder im Elternhaus zu behalten und sie nicht in eine stationäre Einrichtung zu schicken, wo eine Tagespauschale bei bis zu 450 Euro liegen kann. Den Erfolg solcher Maßnahmen könne man nur an Einzelfällen aufzeigen, sagte Janssen auf Nachfrage von Adolf Bergmann (CDU).

In Elmshorn beispielsweise habe man ein Kind, das bereits für die stationäre Einweisung vorgesehen war, aufgrund intensiver Betreuung fast wieder soweit, dass es in die Schule integriert werden könne. Weitere Kompetenzzentren sind in den Bereichen Elmshorn/Barmstedt, in Pinneberg/Quickborn sowie in Wedel/Schenefeld vorgesehen.

Am 29. Juni stellt Schulrat Janssen das Unterstützungssystem im Pinneberger Schulausschuss des Kreises vor.