Eintracht Norderstedt

Regionalliga-Fußballer gehen in der 96. Minute k.o.

| Lesedauer: 4 Minuten
Frank Best
Der zweifache Torschütze Julian Ulbricht (1. FC Phönix Lübeck) scheitert in dieser Szene an Eintracht Norderstedts Keeper Lars Huxsohl.

Der zweifache Torschütze Julian Ulbricht (1. FC Phönix Lübeck) scheitert in dieser Szene an Eintracht Norderstedts Keeper Lars Huxsohl.

Foto: noveski.com

Die Norderstedter gleichen gegen Phönix Lübeck in Unterzahl aus, verlieren dann aber doch 2:3. Was ihr Coach massiv kritisiert.

Norderstedt.  Was für ein Spiel, was für eine Dramatik, welch tragisches Ende: Die 320 Zuschauer, die die Heimpartie der Regionalliga-Fußballer von Eintracht Norderstedt gegen den 1. FC Phönix Lübeck im Edmund-Plambeck-Stadion verfolgten, bekamen einiges geboten: fünf Treffer, verbissene Zweikämpfe, viele Emotionen, überraschende Wendungen sowie zahlreichen Torraumszenen.

Und den K.-o.-Schlag für die Gastgeber in der 96. Minute, als deren Hintermannschaft das Spielgerät nicht energisch aus der Gefahrenzone befördern konnte; Anton Ihde war zur Stelle und netzte zum entscheidenden 2:3 ein.

Eintracht Norderstedt: Bittere Pleite für Regionalligisten

Besonders bitter: Kurz zuvor hatten die die seit der Gelb-Roten-Karte für Tjark Hildebrandt (72. Minute) mit nur neun Feldspielern aufopferungsvoll kämpfenden Norderstedter ihrerseits die große Gelegenheit zum 3:2, doch ein Kopfball von Jan-Pelle Hoppe nach Flanke von Elias Saad strich nur um wenige Zentimeter am Ziel vorbei.

Entsprechend aufgewühlt präsentierten sich die beiden Trainer bei der anschließenden Pressekonferenz. „Ich bin fertig mit der Welt“, sagte Phönix-Coach Oliver Zapel, „uns ist kurz vor Schluss zwar der Lucky Punch gelungen, aber wir hätten das Spiel nach einer zwischenzeitlichen 2:0-Führung und später in Überzahl niemals noch aus der Hand geben dürfen. Es ist angesichts der engen Tabelle brutal wichtig für uns, dass wir die drei Punkte eingefahren haben.“

Trainer Olufemi Smith ist „fertig mit der Welt“

Eintracht-Übungsleiter Olufemi Smith wählte bei seinem Statement eine ähnliche Eröffnung – und geizte nicht mit Kritik. „Fertig mit der Welt bin ich auch. Der Spielverlauf hat mich an das 2:2-Unentschieden gegen den VfV Borussia 06 Hildesheim erinnert, das war praktisch ein Déjà-vu, eine 2.0-Version; damals ist es uns ebenfalls gelungen, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen. Anders als vor zwei Wochen haben wir es jedoch geschafft, all das, was wir mit unglaublichem Aufwand erarbeitet haben, wieder herzuschenken. Es tut mir leid für meine Spieler, dass sie sich nicht belohnen konnten – aber die Jungs haben sich unfassbar naiv angestellt. Das muss sich ganz schnell ändern.“

Smith meinte damit zunächst einmal das Defensivverhalten vor dem 0:1 (60.). Doch was war passiert? Der Unparteiische Julian Meckfessel (TSG Burg Gretesch) hatte ein Lübecker Tor nach einer Ecke nicht anerkannt, wogegen einige Gästeakteure protestierten.

Nach einer Stunde: Doppelschlag von Lübecks Julian Ulbricht

„Anstatt diese Situation auszunutzen und schnell nach vorne zu passen, haben wir den Ball quer gespielt und prompt wieder verloren. Die anschließende Flanke war gefühlt 30 Meter in der Luft.“ Und nicht nur das: Sie landete auch noch auf dem Kopf des freistehenden Julian Ulbricht, der die Kugel ins lange Eck beförderte. Zwei Minuten später traf Ulbricht auch noch zum 0:2.

Ebenfalls ärgerlich: der Platzverweis für Tjark Hildebrandt. Er war schon verwarnt, ging aber trotzdem im Mittelfeld beim Stand von 1:2 – Elias Saad hatte einen Freistoß aus 20 Metern direkt verwandelt (64.) – hart zur Sache.

Eintracht Norderstedt: Schlechtes Abwehrhalten in der Nachspielzeit

Olufemi Smith machte den 19-Jährigen zwar nicht zum Sündenbock, sagte aber auch: „Ein solches Zweikampfverhalten geht gar nicht.“ Kurioserweise war die dezimierte Eintracht in der Schlussviertelstunde das bessere Team. Dylan Williams schaffte das umjubelte 2:2 (90.+3) – doch dann patzten die Norderstedter erneut, als der Ball in der letzten Minute der Nachspielzeit wie eine Flipperkugel durch ihren Sechzehnmeterraum flog.

„Das waren mehrere 50:50-Bälle, das müssen wir anders lösen“, sagte Mannschaftskapitän Jonas Behounek selbstkritisch. „Vielleicht ist es ganz gut, dass wir in der Regionalliga am kommenden Wochenende spielfrei haben. Das gibt uns die Gelegenheit, alles in Ruhe aufarbeiten und uns konzentriert auf das wichtige Lotto-Pokal-Spiel beim Eimsbütteler TV am 28. September vorzubereiten.“

Eintracht Norderstedt – 1. FC Phönix Lübeck 2:3 (0:0). – Schiedsrichter: Julian Meckfessel (TSG Burg Gretesch). – Zuschauer: 320. – Tore: 0:1, 0:2 Julian Ulbricht (60./62.), 1:2 Elias Saad (65.), 2:2 Dylan Williams (90.+3), 2:3 Anton Ihde (90.+6). – Eintracht: Huxsohl – Hildebrandt, Nuxoll, Grau, Wallenborn (76. Kummerfeld)– Behounek – Choi (45.+3 Hoppe), Williams, Bölter (63. Brendel), Saad – Brüning.

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