Schröters Corona-Update

Das einsame Abendmahl ohne Gäste

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Jan Schröter
Jan Schröter schreibt hier einmal die Woche aus der Quarantäne.

Jan Schröter schreibt hier einmal die Woche aus der Quarantäne.

Foto: Privat

Das Osterwochenende wird in diesem Jahr verlängert, aber wer hat etwas davon? Jan Schröter plädiert für eine Wiederholung.

Kreis Segeberg.  Juchei, das lange Osterwochenende wird verlängert, es beginnt nun quasi schon am Mittwochabend. Schade für diejenigen, die sich vorausschauend den Gründonnerstag als Brückentag freigenommen hatten. Doch auch blöd für alle anderen, dass am frisch gewonnenen Urlaubstag alles geschlossen sein wird und wir dazu aufgefordert sind, die freien Tage in den eigenen vier Wänden zu verharren. Könnte man bitte diese Freizeitaktion vielleicht mal wiederholen, wenn Corona vorbei ist und alle was davon hätten?

Daraus wird wohl nichts, man ahnt es schon. Dann heißt es nämlich, die Konjunktur wieder auf Zack zu bringen und Pandemie-Kredite abzuzahlen. Wahrscheinlich wird deshalb Ostern ab nächstes Jahr per Dekret verkürzt – Karfreitag und Ostermontag ersatzlos gestrichen. Gilt nur diesmal, vielleicht noch fürs nächste Jahr, wird die Regierungsansage lauten.

So wie damals bei der Einführung des Solidaritätszuschlags, die Älteren werden sich erinnern. Den Soli mussten wir dann locker drei Jahrzehnte lang berappen. Stellen wir uns also besser darauf ein, das nächste normale Osterfest erst im Jahre 2051 zu erleben. Falls wir es noch erleben. Diesmal jedoch bleibt uns wenigstens der freie Gründonnerstag. Gründonnerstag, da war doch was?

Ach ja. Der Jahrestag des „Letzten Abendmahls“ am Vorabend der Kreuzigung Jesu. Leonardo da Vinci hat dieses historische Ereignis gemalt. Der ist zwar auch nicht dabei gewesen, aber wir alle kennen sein Gemälde und stellen uns die Szenerie genau so vor: Jesus und seine zwölf Jünger, alle an einer Tafel. Einige hält es nicht mehr auf den Stühlen, sie debattieren erregt, bilden Grüppchen, stecken die Köpfe zusammen. Speisen auf dem Tisch, Wein in den Bechern, dreizehn Personen aus ebenso vielen Haushalten und null Komma nichts Sicherheitsabstand – haaach, wahrhaft himmlisch.

Würde Jesus heute in Deutschland leben, wäre es nichts mit Abendmahl in munterer Runde. Es sei denn, er würde mit seinen Jüngern zusammen in einer WG wohnen. Leider sind gut geschnittene Wohnungen für 13 Personen hierzulande ein ziemlich rarer Artikel. Aber als Heiland hat man bestimmt gute Beziehungen, da ginge vielleicht was. Allerdings nur dann. Und wahrscheinlich ist so ein Abendmahl auch gar nicht besonders lustig, wenn am nächsten Tag die Kreuzigung wartet.

Uns dagegen erwartet – nun zum wiederholten Mal – statt Feiern und Geselligkeit ein weitgehend einsames Ostern zuhause. Und strebt die Infektionskurve trotzdem weiter rasant nach oben, drohen nächtliche Ausgangssperren. Die treffen natürlich Großstädter wesentlich härter als beispielsweise mich. Dort, wo ich wohne – nämlich sehr ländlich – ist nach Beginn des „Schleswig-Holstein-Journal“ auf N3 sowieso keiner mehr auf der Straße, Ausgangssperre hin oder her. Dafür versammeln wir uns tagsüber alle gedrängt im Supermarkt. Jetzt erst recht. Es gilt, fürs verlängerte lange Wochenende einzukaufen. Wenn schon ohne Gäste, soll ja wenigstens das Abendmahl üppig sein.

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