Stadtentwicklung

Büros und Wohnungen statt Gartenbedarf in Norderstedt

Der Blick in eine mögliche Zukunft: So könnte die Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee ohne das Traditionsgeschäft Meyer's Mühle aussehen.

Der Blick in eine mögliche Zukunft: So könnte die Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee ohne das Traditionsgeschäft Meyer's Mühle aussehen.

Foto: HHS Architekten

Ein Investor würde gerne das Grundstück des Traditionsunternehmens Meyer’s Mühle überbauen – Inhaber Harald Meyer ist nicht abgeneigt.

Norderstedt.  Was Unternehmer Harald Meyer nun gar nicht gebrauchen könnte wäre das Gerücht, dass Meyer’s Mühle schließen müsste. „Die Leute kriegen ja immer nur die Hälfte mit“, sagt Meyer. Das Unternehmen sei kerngesund, man wolle wachsen, Meyer’s Mühle für die nächste Generation der Familie in der Geschäftsführung weiterdenken – aber das müsse nicht unbedingt auf dem Grundstück an der Ecke Ochsenzoller Straße und Ohechaussee passieren. „Tradition ist das eine, unternehmerische Vernunft das andere. Außerdem wollen wir uns nicht der Stadtentwicklung verschließen“, sagt Meyer.

Der Investor plant den Bau von 133 Wohnungen

Seit 1966 führt er die Norderstedter Institution für Gartenbedarf. Die Familie wirtschaftet auf jenem Grundstück vis á vis vom Schmuggelstieg seit dem 19. Jahrhundert. Das Gartenparadies der Meyers ist ein Stück Stadtgeschichte. Wenn man sich vor diesem Hintergrund die Computeranimation der Hohaus, Hinz und Seifert Architektengesellschaft für die Pläne eines Investors auf dem Grundstück von Meyer’s Mühle ansieht, dann wirkt das im ersten Moment extrem ungewohnt – man vermisst das alte Backsteingebäude mit dem traditionellen Müller-Gruß „Glück zu!“, geschrieben in dicken, goldenen Lettern. Die sympathische Unaufgeräumtheit der Meyerschen Mühle ist im Entwurf der kühlen und hochverdichteten Zweckarchitektur gewichen.

Zu finden ist das Bild in einem Bauantrag, über den der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr am heutigen Donnerstag einen Grundsatzbeschluss fällen soll. Er wäre dann der Beginn eines Bebauungsplanverfahrens, in dem in einem langwierigen Prozess geklärt würde, was genau entstehen könnte. Heißt also: Entschieden ist noch nichts und selbst wenn, würde es noch Jahre dauern, bis Meyer’s Mühle wirklich weichen müsste.

Der Vorschlag des Investors ist es, auf dem Grundstück einen markanten sechsgeschossigen Kopfbau direkt an die Ecke der Kreuzung zu setzen, dorthin wo jetzt der Backsteinbau aus den 30er-Jahren steht. Entlang der Ohechaussee in Richtung des Nachbarn Aldi würde sich ein Riegelbau mit vier Vollgeschossen und einem zurückgesetzten Staffelgeschoss anschließen, an der Ochsenzoller Straße entstünden drei Vollgeschosse mit Staffelgeschoss. Dahinter, an der südwestlichen Grundstücksgrenze, würde man ein weiteres viergeschossiges Gebäude mit Staffelgeschoss bauen.

Im Kopfbau und entlang der Ohechaussee würden im Erd- und dem ersten Obergeschoss zwischen sechs und zehn Büros und Arztpraxen eingerichtet, vielleicht auch Flächen für eine Gastronomie. Einzelhändler seien nicht erwünscht, man wolle dem Nahversorgungszentrum am Schmuggelstieg keine Konkurrenz machen. In allen Geschossen darüber und sowohl in den Gebäuden an der Ochsenzoller Straße als auch im rückwärtigen Bereich des etwa 7000 Quadratmeter großen Areals sollen 133 Wohnungen entstehen, 50 Prozent davon öffentlich gefördert. Angedacht sind 30 Wohnungen kleiner als 50 Quadratmeter, 52 Wohnungen bis 75 Quadratmeter und 51 Wohnungen mit über 75 Quadratmetern. Geparkt werden soll auf 120 Stellplätzen in einer Tiefgarage, außerdem sind 300 Fahrradabstellplätze vorgesehen, dazu Stellflächen für Carsharing und Leihfahrradanbieter.

So weit die Idee, die aus Sicht der Verwaltung „geeignet ist, in ein Bebauungsplanverfahren einzusteigen“. Wie die Politik die Idee aufnimmt, werden die Beratungen zeigen.

Die Zukunftspläne der Meyers passen nicht in den Altbau

„Und vorher kann man noch gar nicht sagen, wie und wo es mit unserem Unternehmen weitergeht“, sagt Harald Meyer. Klar ist, dass er dem Bestreben der Stadt Norderstedt und des Investors, den Bereich städtebaulich fortzuentwickeln, nicht entgegenstehen möchte.

Wenn man die Tradition des Standortes ausklammert, sprechen viele Argumente für einen Umzug und Neuanfang an anderer Stelle. Der Investor würde den Meyers sicherlich eine beträchtliche Summe für das Grundstück überweisen – das macht das Unternehmen liquide für einen Neubau. Dieser würde auch aus strategischen Gründen für Meyer Sinn machen. „Unser Firmengebäude aus den 70er-Jahren ist für unsere Wachstumspläne nicht mehr geeignet und wird zunehmend zum Problemfall“, sagt Meyer. Er habe etwa versucht, ein größeres Café in den Gartenfachmarkt zu integrieren und sei gescheitert. „Man kann den Altbau praktisch nicht mehr verändern. Und wenn ich mir das Gebäude unter Brandschutzgesichtspunkten betrachte, dann müsste ich eine sechsstellige Summen investieren, um es zeitgemäß umzubauen.“ Man habe in Norderstedt ja noch den Standort am Rugenbarg, wo derzeit nur die Gartentechnik untergebracht sei. Auch hier könne sich Meyer einiges vorstellen. Es scheint also eher so, als kämen die Pläne des Investors der Zukunftsplanung der Familie Meyer gerade recht.

Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr, Do, 17.9, 18.15, Plenarsaal des Rathauses Norderstedt