Serie: 50 Jahre – 50 Köpfe

Sie bringt die Norderstedter sicher ans Ziel

Maja Rüter im Bahnhof Norderstedt-Mitte. Die U 1 ist die Lieblingsstrecke der 45-Jährigen.

Maja Rüter im Bahnhof Norderstedt-Mitte. Die U 1 ist die Lieblingsstrecke der 45-Jährigen.

Foto: Thorsten Ahlf

Maja Rüter ist Zugführerin bei der Hochbahn. Die 45-Jährige kann aber nicht nur eine U-Bahn fahren, sondern auch mit Dartpfeilen umgehen.

Maja Rüter ist patent. „Alles, was mit Technik zu tun hat, ist meins. Schon als Kind habe ich den Eltern beim Hausbau geholfen. Ich kann verklinkern, Fliesen legen, tapezieren...“, sagt sie. Das Thema Technik fasziniert die 45-Jährige auch im Job: Die Norderstedterin ist eine von 552 Zugführerinnen der Hamburger Hochbahn.

Ein Freitagmittag im August. Treffen in der Redaktion zum Interview. Hinter Maja Rüter liegt eine Acht-Stunden-Frühschicht. Tausende Menschen hat sie seit dem frühen Morgen mit der U 1 von Norderstedt-Mitte nach Großhansdorf/Ohlstedt und wieder zurückgebracht. Was geht ihr durch den Kopf, wenn sie in oder durch den Tag rollt? „Sie werden lachen“, sagt die schlanke Frau mit den kurzen Haaren. „Ich habe gar keine Zeit zum Nachdenken. Weil ich da vorn wirklich hochkonzentriert sitze. Signale, Schilder – es gilt, so vieles zu beobachten. Und genau aufzupassen, wenn man in die Haltestelle einfährt: Wie verhalten sich die Fahrgäste? Gibt’s Gefahrensituationen?“

Dazu später. Erst mal ein Blick zurück. Geboren wird Maja Rüter 1974 in Hamburg. Sie ist ein halbes Jahr alt, als die Familie nach Norderstedt zieht. „Aufgewachsen bin ich in Friedrichsgabe. Unsere Familie war immer sportlich. Ich habe das Schwimmen geliebt, war 13 Jahre lang bei den Wasserratten Norderstedt. Später auch als Kinderbetreuerin.“

Nach dem Abitur spielte sie mit dem Gedanken, Jura zu studieren, hat ein Studium aber nie begonnen. „Ich wollte erst eine abgeschlossene Berufsausbildung haben für den Fall, dass mir ein eventuell anschließendes Studium nicht gefällt.“

Maja Rüter ist gelernte Patentanwaltsfachgehilfin

Sie macht eine Ausbildung zur Rechtsanwalts- und Notargehilfin in einer Norderstedter Anwaltskanzlei und bildet sich weiter zur Patentanwaltsfachgehilfin. Arbeitet in einer großen Hamburger Kanzlei und danach in der Rechtsabteilung eines mittelständischen Pharmaunternehmens. „Dort hatte ich viel mit Markenrecht, Patent- und Vertragsrecht zu tun“, sagt Maja Rüter. „Das hat Spaß gemacht.“

Und doch: „Eigentlich wollte ich immer raus in die Welt.“ Sie sei ein richtiger Globetrotter, habe ihre Mutter schon früher festgestellt. „Mein Plan damals war, irgendwann eine Auszeit zu nehmen und auf Weltreise zu gehen. Dazu ist es nicht gekommen. Ich bin hier geblieben.“ Wieso das denn? „Die Liebe hat mir dazwischengefunkt.“ Beim Weinfest am Schmuggelstieg lernt die damals 24-Jährige ihren Herzensmann kennen und lieben. Die beiden heiraten. Das war’s erst mal mit der Weltreise.

Und dann gibt es in all den Jahren auch noch immer den anderen Plan: Beruflich etwas mit praktischem Bezug zu machen. Aus dem Plan wird eine konkrete Aktion: Durch einen Freund, der ein Jahr zuvor bei der Hamburger Hochbahn als Zugfahrer angefangen hatte, landet Maja Rüter 2016 ebenfalls dort. Anfang 40 ist sie, als sie mit der fünfmonatigen Ausbildung startet. „Das Lernen ist mir leichtgefallen. Ich hatte ja schon immer eine Affinität zur Technik und ein gutes logisches Denkvermögen. Beides braucht man als Zugfahrer.“ Ihre Aufgabe mache ihr bis heute „total viel Spaß“.

Und wie fand ihr Mann den beruflichen Umstieg? „Der ist bei so was total tiefenentspannt, hat mich sogar motiviert: ‚Wenn du dich damit glücklich fühlst, mach’s.‘“ Schichtdienst, kein normales Arbeiten von Montag bis Freitag, all das mache ihm bis heute nichts aus. „Durch den Schichtdienst sehen wir uns manchmal drei Tage lang nicht, dann freuen wir uns wieder aufeinander. Das hat unsere Beziehung beflügelt.“

Auch wenn sie am liebsten die U 1 lenkt, fährt Maja Rüter regelmäßig alle Linien – schon wegen der Streckenkenntnis. Am liebsten lenkt sie die alten Bahnen, die noch auf der U 3 unterwegs ist. „Ehrlich gesagt ist das mein Lieblingszug, weil darin noch viel Mechanik verbaut ist.“

Ganz besondere Schichten seien immer die, wenn in Hamburg so richtig was los ist. Wie der Schlagermove zum Beispiel. „Die Leute sind gut drauf, lustig, bunt angezogen. Da gibt’s viel zu gucken.“ Grüne Haarsträhne, leuchtender Nagellack – auch Maja Rüter liebt es farbenfroh. „Mein Charakter ist einfach bunt, und das bringe ich damit zum Ausdruck. Auch wenn ich mittlerweile 45 bin, fühle mich innerlich jung, frisch und lebensfroh. Das will ich auch nach außen zeigen.“ Und wie ist das nun mit der Weltreise? Wohl eher nicht, aber: „Es gibt bestimmte Flecken auf der Erde, deren Kultur ich kennenlernen möchte. Neuseeland, Kambodscha, Kanada, Alaska. Ich liebe einfach die Natur.“

Norderstedterin spielt in zwei Hamburger Dartsportvereinen

Sie selber wohne ruhig, mit viel Grün drum herum. „Mein Zuhause hier in Garstedt ist meine Wohlfühloase. Ich lese viel, gern historische Romane, Krimis, Thriller und auch mal eine Biografie zwischendurch. Ich brauche immer Abwechslung.“ Regelmäßig rollt die passionierte Bikerin auf ihrer Enduro durch die Lande. Worauf sie sonst noch abfährt? Auf den Dartsport – und das seit 20 Jahren! „Ich bin Mitglied in zwei großen Hamburger Dartsportvereinen, spiele seit zehn Jahren sogar semi-professionell und nehme an Großturnieren teil. So gut wie die Profis im Fernsehen bin ich zwar nicht, kann aber so manchem hochklassifizierten männlichen Dartsportler aus der Bundesliga die Schweißperlen auf die Stirn treiben“, sagt Maja Rüter und lacht. „Dart ist ein Kopfsport, in dem man gut rechnen können muss und seinen Gegner mit so mancher psychologischen Raffinesse ablenken oder verwirren kann, ohne ihn dabei beim Wurf zu stören. Und ist – ähnlich wie beim Zugfahren – von Männern dominiert. Aber genau das ist für mich immer die Herausforderung.“

Maja Rüter, sind Sie ein glücklicher Mensch? „Ja, das bin ich“, sagt sie. „Ich bin gesund und mit allem total zufrieden. Ich habe einen tollen Mann, tolle Freunde, einen wunderbaren Job und Hobbys, die mich faszinieren. Was will ich mehr?“