Bad Bramstedt

Die „Victory“ zieht ins Maritime Museum nach Hamburg

Heike Schlapkohl schaut sich zusammen mit Bad Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske im Internationalen Maritemen Museum Hamburg zum ersten Mal die „Victory“ an, die ihr Mann Hartmuth gebaut hat.

Heike Schlapkohl schaut sich zusammen mit Bad Bramstedts Bürgermeisterin Verena Jeske im Internationalen Maritemen Museum Hamburg zum ersten Mal die „Victory“ an, die ihr Mann Hartmuth gebaut hat.

Foto: Annabell Behrmann

Der verstorbene Bramstedter Hartmuth Schlapkohl hat ein Modell des britischen Schiffes gebaut. Jetzt kommt es ins Maritime Museum.

Bad Bramstedt/Hamburg.  Heike Schlapkohl berührt mit beiden Händen die Glasscheibe, hinter der sich das Modellschiff ihres verstorbenen Mannes befindet. Vier Lampen strahlen die „Victory“ an. Die 69-Jährige steht im Foyer des Internationalen Maritimen Museums in der Hamburger HafenCity. Sie sieht das Schiff ihres Mannes zum ersten Mal, seitdem es hier ausgestellt ist. „Das ist sehr ergreifend für mich“, sagt sie.

Hartmuth Schlapkohl hat gut eineinhalb Jahre liebevoller Arbeit in den Bau der „Victory“ gesteckt. Von April 2004 bis Dezember 2005 hat es gedauert, bis er das älteste noch im britischen Marinedienst befindliche Schiff in seinem Wohnzimmer in Bad Bramstedt nachgebaut hatte. Das Modell besteht aus Tausenden von Einzelteilen und ist sehr detailverliebt. Aus den Kanonenluken ragen winzig kleine Rohre heraus.

„Eine Zeitlang habe ich meinen Mann nur bei der Arbeit am Schiff gesehen“, erinnert sich Heike Schlapkohl. Sie ist aufgeregt, die Geschichte ihres Mannes zu erzählen. „Wenn ich staubsaugen wollte, musste ich um Erlaubnis fragen“, fährt sie fort und schmunzelt. Und wenn eine der Kanonen verloren gegangen sei, hätte sie das Teilchen mit einer Lupe gesucht. „Dann sind wir gemeinsam über den Teppich gekrabbelt. Ich habe sein Hobby immer unterstützt.“

Hartmuth Schlapkohl fuhr fast zehn Jahre zur See

Zum Besuch im Maritimen Museum hat Heike Schlapkohl das Seefahrtsbuch ihres Mannes mitgebracht. Wie in einem Reisepass ist darin festgehalten, an welche Orte in teils fernen Ländern Hartmuth Schlapkohl gereist ist. Das Passfoto in Schwarz-Weiß zeigt ihn als jungen Mann. 1967 hat der Diplomingenieur bei Hapag-Lloyd angeheuert. Fast zehn Jahre lang ist er zur See gefahren – bis seine Tochter Verena geboren wurde.

Anschließend war er unter anderem als stellvertretender Wehrführer bei der Freiwilligen Feuerwehr Bad Bramstedt tätig. Bei dem tragischen Zugunglück, bei dem vor 25 Jahren nördlich von Bad Bramstedt zwei AKN-Züge zusammenprallten, leitete er den Einsatz. Ausgerechnet seine Frau Heike gehörte damals zu den zahlreichen Verletzten im Zug. Sechs Tote gab es. Bei dem Namen Schlapkohl erinnern sich viele Menschen aus der Region an diese Geschichte. Im Januar 2017 verstarb Hartmuth Schlapkohl im Alter von 73 Jahren.

Seine Miniaturausgabe der „Victory“ stand bislang im Rathaus-Foyer in Bad Bramstedt. Helmuth Schlapkohl hatte es der Stadt übergeben, als Hans-Jürgen Kütbach noch Bürgermeister war. Seine Nachfolgerin Verena Jeske hatte nun die Idee, dem Schiff an einem „würdigeren Ort“ ein neues Zuhause zu geben. „In dem Modell steckt so viel Arbeit. Es muss die Zuschauer bekommen, die es verdient“, sagt Jeske.

Das Museum wollte das Schiff unbedingt haben

Also hat die Bürgermeisterin nach Zustimmung von Heike Schlapkohl Kontakt zum Schifffahrtsmuseum in der Hamburger HafenCity aufgenommen. „Das Museum wollte das Schiff unbedingt haben. Der ideelle Wert ist unbezahlbar.“

Verena Jeske begleitet Heike Schlapkohl ins Maritime Museum. Die beiden Frauen stehen gemeinsam vor dem Glaskasten. „Hier wird die Arbeit meines Mannes gewürdigt. Er hätte sich sehr darüber gefreut“, sagt Schlapkohl. Auch Peter Tamm junior, der das Museum im Kaispeicher B leitet, ist extra gekommen, um die Bramstedterinnen zu empfangen. „Das Modell von Hartmuth Schlapkohl ist ein Gewinn für unsere Sammlung“, sagt Tamm.

So gut ihr der Besuch im Schiffsmuseum auch gefallen hat, wiederkommen möchte Heike Schlapkohl erst einmal nicht. „Das ist mir zu emotional“, sagt sie, „aber ich weiß, dass das Werk meines Mannes in guten Händen ist.“

Internationales Maritimes Museum Hamburg, Kaispeicher B, Koreastraße 1, täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr, Eintritt 13/ermäßigt 9,50 Euro.
www.imm-hamburg.de