Mildes Urteill

Tod auf der Autobahn 7 – Fahrer zahlt Geldstrafe

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Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Fahrer (20) muss 2000 Euro an Diakonisches Werk zahlen und wird verwarnt, Handynutzung nicht erwiesen.

Neumünster/Segeberg.  Sieben Monate nach einem tödlichen Auffahrunfall auf der Autobahn 7 bei Kaltenkirchen hat das Amtsgericht Neumünster den 20 Jahre alten Unfallverursacher wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen. Jugendrichterin Brigitte Hrelja beließ es am Dienstag bei einer Verwarnung und einer Zahlungsauflage in Höhe von 2000 Euro an das Diakonische Werk.

Laut Urteilsbegründung erbrachte die dreitägige Beweisaufnahme keinen Nachweis einer Handy-Nutzung am Steuer durch den Angeklagten. Am Ende rückte deshalb auch die Staatsanwaltschaft von dem Vorwurf ab, der nicht vorbestrafte Auszubildende habe sich durch Bedienung seines Smartphones unmittelbar vor dem Aufprall ablenken lassen.

Am 16. Juli 2019 verschuldete der damals 19-Jährige am Steuer eines VW-Transporters den tödlichen Unfall auf der rechten Fahrspur der wenig befahrenen Autobahn 7, so die Jugendrichterin. Wie der Angeklagte trotz guter Sicht den mit 100 bis 110 km/h vor ihm auf der rechten von drei wenig befahrenen Spuren fahrenden Renault Twingo übersehen konnte, sei ungeklärt geblieben.

Der Transporter rammte den in Richtung Norden fahrenden Kleinwagen des 49 Jahre alten Mannes mit bis zu 150 km/h schräg von hinten, so das Gutachten eines Kfz-Sachverständigen. Demnach hatte der auf gerader und trockener Strecke fahrende Angeklagte erst unmittelbar vor dem Aufprall gegen 22.30 Uhr eine ruckartige Ausweichbewegung nach links ausgeführt.

Der 20-Jährige hatte im Prozess geschwiegen

Strafverteidiger Florian Schiefer forderte Freispruch für seinen Mandanten. Es sei nicht unwahrscheinlich, dass der damals tödlich verletzte Fahrer des Renault Twingo den Unfall selbst verschuldet habe. Der Kleinwagen sei womöglich vom Standstreifen plötzlich auf die Fahrspur eingeschert. In diesem Fall wäre das abrupte Ausweichmanöver seines Mandanten „plausibel und nachvollziehbar“, so der Verteidiger.

Schiefer behauptete, der Unfall habe sich unmittelbar hinter einer Auffahrt ereignet. Richterin Hrelja widersprach: „Da gibt es keine Auffahrt. Wie man hier an einer Schuld zweifeln kann, ist mir ein Rätsel.“ Und sollte das Opfer tatsächlich versucht haben, sich vom Standstreifen aus nach links in den fließenden Verkehr einzuordnen, hätte der Angeklagte natürlich rechtzeitig reagieren und die Spur wechseln müssen.

„Warum er abgelenkt oder unkonzentriert war, wissen wir nicht“, sagte die Jugendrichterin. Die Sicht sei jedenfalls gut gewesen. Der noch bei seinen Eltern wohnende Heranwachsende habe sich schlicht nicht verkehrsgerecht verhalten. Der 20-Jährige hatte im Prozess auf Anraten seines Anwalts geschwiegen. „Wir wissen nicht, ob es ihm leid tut oder nicht“, folgerte die Richterin.

Zwei Monatsgehälter seien als Geldbuße angemessen, so das Urteil. Weil bei dem Unfall anscheinend kein Alkohol im Spiel gewesen sei (keiner der Beteiligten wurde auf Alkohol oder Drogen untersucht), bekam der Angeklagte seinen damals eingezogenen Führerschein am Ende der Sitzung wieder zurück.

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