Norderstedt
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Vergewaltiger muss mehr als zwei Jahre in Haft

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand (Symbolbild).

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Norderstedter Schöffengericht verurteilt 32-Jährigen für Sexualverbrechen aus dem Herbst 2016 zu zwei Jahren und acht Monaten Haft.

Norderstedt. Der Prozess um die Vergewaltigung einer 25 Jahre alten Norderstedterin ist vor dem Schöffengericht in Norderstedt mit der Verurteilung des Angeklagten Gregor C. (alle Namen von der Redaktion geändert) wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten ohne Bewährung zu Ende gegangen. Der Angeklagte (32), ein aus dem Kosovo stammender Trockenbauer, der zur Tatzeit in einer Flüchtlingsunterkunft in Norderstedt lebte, muss außerdem die gesamten Prozesskosten tragen. Im Gefängnis absitzen muss er allerdings nur zwei Jahre und zwei Monate, da ihm wegen der Länge der seit dem Vorfall im Spätherbst 2016 vergangenen Zeit ein Teil der Strafe erlassen wurde.

Das Gericht hatte keinen Zweifel daran, dass die Aussagen der einzigen Tatzeugin, des Opfers Andrea B., der Wahrheit entsprechen. B., die im Prozess als Nebenklägerin auftrat, hatte davon berichtet, dass ihr der Angeklagte ein halbes Jahr lang nachgestellt und ständig überall aufgetaucht war, wo sie sich aufhielt.

Andrea B. hatte dem Angeklagten mehrmals deutlich gesagt, dass sie an einer Verabredung mit ihm kein Interesse habe. Eines Morgens im Oktober 2016 befand sich die Nebenklägerin auf dem Heimweg von einem Diskobesuch, als der Angeklagte plötzlich neben ihr ging, sie festhielt, küsste und an Brust und Unterleib unter der Kleidung berührte.

Opfer rief über Handy seine Freundin an

Zwei Wochen später war sie erneut allein unterwegs. „Ich sah den Angeklagten an der U-Bahnstation Norderstedt-Mitte, aber er sah mich nicht und ging die Treppe hinunter,“ berichtete Andrea B. vor Gericht. Die junge Frau ging zu Fuß den etwa halbstündigen Weg zu ihrem Elternhaus, als plötzlich der Angeklagte neben ihr auftauchte. „Geh’ nicht so schnell,“ sagte der Mann und „Ich möchte dich mitnehmen und heiraten. Ich habe ein Geschenk für dich.“

Andrea B. rief über Handy ihre Freundin an und sagte ihr: „Er ist wieder da.“ Auch konnte die Freundin das spätere Geschehen teilweise mit anhören. Im Gerichtssaal sagte sie aus, ihre Freundin habe geweint und immer wieder gerufen: „Fass’ mich nicht an, ich will das nicht!“ Der Angeklagte vergewaltigte Andrea B. hinter einer Turnhalle und ließ von ihr ab, als Stimmen zu hören waren. Zur Glaubwürdigkeit der Aussagen der jungen Frau trug zudem entscheidend die auf Video aufgezeichneten Vernehmung durch eine Polizistin am Tag nach der Vergewaltigung bei.

Die junge Frau erzählte zeitweise von Weinkrämpfen geschüttelt, was ihr passiert war, wobei die Details erst auf Nachfragen und deutlich schamhaft beschrieben wurden. Dass die Aussagen im jetzigen Gerichtsverfahren exakt mit den damaligen Aussagen übereinstimmten, sprach nach Ansicht des Gerichts ebenfalls für deren Wahrheitsgehalt.

Opfer leidet bis heute unter Folgen der Taten

Andrea B. leidet bis heute unter den Folgen der Taten. Sie musste ihre Ausbildung zur Kinderkrankenschwester ein Jahre lang unterbrechen und befindet sich noch immer in psychologischer Behandlung. Dennoch schaffte sie es, an allen vier Verhandlungstagen fast durchgehend anwesend zu sein und ihrem Peiniger gegenüberzusitzen.

Der Mann, der die junge Frau auf dem Gerichtsflur unverfroren angrinste, ließ in einer zweiten Erklärung durch seinen Verteidiger vortragen, Andrea B. habe ihn mehrmals in der Flüchtlingsunterkunft besucht und mit ihm einvernehmlich Geschlechtsverkehr gehabt. In seiner ersten Einlassung soll ein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr am Tattage stattgefunden haben, in dieser zweiten Erklärung behauptete der Angeklagte, am Tag davor mit Andrea B. verkehrt zu haben, während er am Tattag und zur Tatzeit in Hamburg unterwegs gewesen sein will.

Für diese Behauptungen nannte der Angeklagte zwei Zeugen, die sich im Kosovo aufhalten, deren Aussagen das Gericht aber letztlich für unerheblich hielt und die Beweisanträge ablehnte. Die widersprüchlichen Erklärungen des Angeklagten wurden als Schutzbehauptungen eingestuft. Andrea B. nahm das Urteil mit sichtbarer Erleichterung auf.