Norderstedt
Kreis Segeberg

Einbrecher hatten leichtes Spiel in der Ellerauer Villa

Das Landgericht in Kiel (Symbolbild):

Das Landgericht in Kiel (Symbolbild):

Foto: Carsten Rehder / dpa

Autos für 200.000 Euro verschwunden – Prozess vor dem Landgericht in Kiel. Täter stahlen bei Einbruch auch gleich sechs EC-Karten.

Kiel/Ellerau.  In der Villa der Unternehmerfamilie in Ellerau lagen die Schlüssel für den mehr als 200.000 Euro teuren Fuhrpark „abholbereit“ für die Einbrecher im Eingangsbereich. So formulierte es am Montag der Vorsitzende der Strafkammer bei der Fortsetzung des Indizienprozesses gegen einen mutmaßlichen Autodieb (39) im Kieler Landgericht.

Wie berichtet schweigt der in U-Haft sitzende Lette zu den Vorwürfen. Gemeinsam mit mindestens zwei Komplizen soll er im August 2019 einen Porsche Panamera (Wert: 155.000 Euro) und ein Wohnmobil (65.000 Euro) gestohlen haben. Die Staatsanwaltschaft rechnet den Angeklagten einer international agierenden Bande aus dem Baltikum zu. Ihm werden ähnliche Taten in Schweden und Lettland vorgeworfen.

Wie der geschädigte Porschebesitzer (48) aus Ellerau am Montag als Zeuge aussagte, wurden bei dem nächtlichen Einbruch auch sechs EC-Karten gestohlen. Wegen der Vielzahl der Konten habe er als „Gedankenstütze“ möglicherweise auch einen Zettel mit den zugehörigen PIN-Nummern zu den Karten gesteckt. Noch in der Nacht hoben die Diebe mehr als 4000 Euro am nächsten Geldautomaten ab. Nach Einschätzung einer Ermittlerin (26) der Kripo Norderstedt sieht der beim Geldabheben gefilmte Kartennutzer wie der Angeklagte aus.

Bei seiner Festnahme wegen eines Ladendiebstahls hatte der Lette die Fahrzeugpapiere des seitdem verschwundenen Porsches bei sich. Auf seinem Handy stellte die Polizei zudem Fotos und Videos weiterer Zielobjekte sicher.

Beim Einbruch schlief die Familie tief und fest

Bis heute weiß der bestohlene Unternehmer aus Ellerau nicht, wie die Diebe unbemerkt ins Haus gelangen konnten, während die sechsköpfige Familie ungestört schlief. Die Eingangstür wies keinerlei Einbruchsspuren auf. Ein gut versteckter Ersatzschlüssel lag unangetastet an seinem Platz. Jetzt fühlt man sich trotz Sicherheitstechnik nicht mehr sicher. Man habe schon an einen Umzug gedacht, sagt der Zeuge. Als er an jenem Morgen das Verschwinden der Fahrzeuge entdeckte, wollte er eigentlich mit seinem Sohn zu einem Ausflug in die Autostadt Wolfsburg aufbrechen. Dort wollte man nach einem fahrbaren Geburtstagsgeschenk für den 18-Jährigen suchen.

Im Haus der Familie erbeuteten die Einbrecher auch 7500 Euro Bargeld und ein Apple MacBook. Gegen den Angeklagten spricht, dass sein Handy in der Funkzelle des Tatorts eingeloggt gewesen sein soll. Ein Urteil des Landgerichts wird frühestens Mitte März erwartet.