Henstedt-Ulzburg

Kandidatencheck: Valentin Deck genießt die Außenseiterrolle

| Lesedauer: 5 Minuten
Bürgermeisterkandidat Valentin Deck mit (unten von links) seiner Frau Nicole sowie den Töchtern Nelly, Vivien und Davina

Bürgermeisterkandidat Valentin Deck mit (unten von links) seiner Frau Nicole sowie den Töchtern Nelly, Vivien und Davina

Foto: Christopher Herbst

Hausbesuch beim Bürgermeister-Kandidaten in Henstedt-Ulzburg: Der Grabungsarbeiter hört gern Musik der 90er-Jahre.

Henstedt-Ulzburg.  Soeben hat Valentin Deck verraten, dass er gerne 90er-Jahre-Musik hört, da zückt seine älteste Tochter Davina ihr Handy. „Darf ich?“ Ja, ist okay. Und dann spielt die 20-Jährige ein Video ab, das einen Mann im weißen Oberhemd auf der Tanzfläche im Joy, der Diskothek im Henstedt-Ulzburger Gewerbegebiet, zeigt. Es ist ihr Vater, der 42 Jahre alte Bürgermeisterkandidat. „Mein Mann ist eben ein leidenschaftlicher Tänzer“, sagt seine Frau Nicole (41).

Gemeinsam haben die beiden, die schon seit 26 Jahren, also seit der gemeinsamen Zeit an der Olzeborchschule, ein Paar sind, drei Töchter – neben Davina, die Einzelhandelskauffrau ist, noch Nelly (12, Schülerin am Alstergymnasium) und Vivien (18), die eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin anstrebt. „Hier ist immer Action“, sagt Davina.

Deck musste 155 Unterschriften sammeln

Dem täglichen Trubel im Haus hat Valentin Deck noch einen draufgesetzt. „Er hatte die Idee, kam damit an, dass er sich bewerben möchte, und dass er noch so und so viele Unterschriften braucht“, sagt seine Frau, die als Medizinische Fachangestellte arbeitet. „Ich sagte nur: Mach mal. Und dann hat er gesammelt und gesammelt.“ Die nötige Zahl von 155 Unterschriften waren kein Problem. Und – zwangsweise – hatte er auch die nötige Zeit. Deck ist als Grabungsarbeiter beim Landesamt für Archäologie tätig, „da bekommen wir immer Zeitverträge“.

Heißt aktuell: „85 Prozent der Belegschaft sind im Winterurlaub.“ Diese freie Zeit nutzt er also für eine große Herausforderung. „Ich bin Außenseiter, die Konkurrenz ist sehr groß. Es ist eine Erfahrung, die Spaß macht.“ Schon im Spätsommer 2019, als unklar war, ob Amtsinhaber Stefan Bauer erneut kandidieren würde – im Dezember wurde der kolportierte Rückzug dann offiziell –, hatte Valentin Deck mit dem Gedanken gespielt, sich als Mann aus dem Ort für die Wahl am 1. März zu bewerben. „Ich fand es schade, dass niemand aus Hen­stedt-Ulzburg, auch keiner von den Ortspolitikern, sich entschieden hatte, sich zu bewerben.“

Er will sich für Interessen der jungen Menschen einsetzen

Dabei hatte er eigentlich nie politische Ambitionen gehegt, das hat sich erst in jüngerer Vergangenheit verändert. „Ich war immer derjenige, der sich für den Sport interessiert hat.“ Und zwar für den Fußball. Er kickte beim FC Union Ulzburg, dann gab es einmal eine Spielgemeinschaft mit Kisdorf, auch beim MTV Henstedt war er, ehe eine Verletzung die Laufbahn beendete. „Und dann haben meine Mädels angefangen, Fußball zu spielen. Ich wurde dann gefragt, ob ich nicht beim Training unterstützen könnte.“ Also coachte er seine Töchter. „Das war immer witzig“, sagt Davina.

Gerade zu jungen Henstedt-Ulzburgern hat er – wohl auch deshalb – einen besonderen Bezug. Seine Töchter und seine Frau reden ihm schon jetzt ins Gewissen, als sei er bereits Chef im Rathaus. „Für junge Erwachsene gibt es keine Anlaufstelle mehr wie zum Beispiel früher das Billardcafé“, so Davina Deck. Außer eben, sich irgendwo am City Center zu treffen. Das gilt manchen Menschen bereits als Brennpunkt, weil dort immer wieder größere Gruppen zusammenkommen. „Es ist die einzige Anlaufstelle, die man hat. Man trifft sich, hört Musik, stellt sich unter. Wir wissen sonst nicht, wo wir hin sollen.“ Valentin Deck denkt ein paar Schritte weiter. „Mein Traum ist ein Generationenhaus, in dem ältere und junge Menschen zusammenkommen. Der Gemeinschaftssinn und die Hilfsbereitschaft werden immer weniger. Wir müssen daran arbeiten, mehr Respekt voreinander zu haben.“

Familie stammt aus Kasachstan

Ursprünglich stammen die Decks aus Kasachstan, die Familie kam in den 70ern nach Deutschland. „Mein Vater hatte acht Geschwister“, sagt Valentin Deck. Sämtliche Verwandte kann er ad hoc aber nicht auswendig aufsagen, gesteht er. Über Gäste, ob nun Familie oder Freunde, freuen er und Nicole sich immer. „Zu uns kann jeder kommen. Ich find’s schön, wenn immer alle da sind.“

Bis zur Bürgermeistersprechstunde im eigenen Wohnzimmer ist aber noch einiges zu tun. In diesen Tagen merkt Deck, dass sein Gesicht bekannter wird. Einige Plakate hängen entlang der Hauptstraßen, er hat sich auf den öffentlichen Präsentationsrunden vorgestellt. „Ich werde jetzt öfter begrüßt. Meine Freunde sagen schon: Na, Herr Bürgermeister, alles klar? Eigentlich ist es schon ein großer Erfolg, dass mein Name dort steht.“ Seine Frau sagt ganz locker: „Man lebt nur einmal, man sollte alle Dinge ausprobieren.“

Vielleicht wird im Frühjahr sogar doppelt gefeiert. Die Amtseinführung des neuen Bürgermeisters ist am 1. Juni. Am 17. Mai könnte der HSV seine Rückkehr in die Bundesliga feiern. Alle Decks sind große Fans des Clubs. Allen voran Vivien. Da ist eine Frage schon erlaubt: HSV-Aufstieg oder Wahlsieg vom Papa, was wäre wichtiger? Ganz ehrlich? „Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich mich für den HSV-Aufstieg entscheiden.“ Familie Deck ist für Überraschungen eben immer zu haben.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt