Norderstedt

Parkplatz geschlossen – Chaos bricht aus

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Die gesperrte Parkfläche an der Heidbergstraße, neben der Praxisklinik.

Die gesperrte Parkfläche an der Heidbergstraße, neben der Praxisklinik.

Foto: Andreas Burgmayer

Auf der Fläche an der Norderstedter Praxisklinik parkten über Jahre täglich Hunderte Autos. Nun wurde sie gesperrt.

Norderstedt. Im Rathaus und in der Politik sprechen sie gerne von Norderstedt als der Fahrradstadt. Doch es genügt, einen Parkplatz an der Heidbergstraße zu sperren, um das Gegenteil zu beweisen. Obwohl Busbahnhof, U-Bahn-Haltestelle, Leihradsystem und ein Radparkhaus gleich nebenan sind – die Autofahrer fahren trotzdem mit dem Auto den gewohnten Parkplatz an. Und weil der nicht mehr verfügbar ist, parken sie eben einfach davor – und sorgen für ein mittleres Verkehrschaos.

„Es ist unglaublich, wie frech manche Autofahrer sind“, sagt Heinz Wiersbitziki. Der Feuerwehrmann und CDU-Politiker lebt an der Heidbergstraße. „Die parken auf den Grünstreifen, mitten auf dem Gehweg – ganz egal.“ Wiersbitzki beobachtete die Entwicklung, nachdem die Entwicklungsgesellschaft Norderstedt (EGNO) die Fläche in Nachbarschaft zur großen Praxisklinik kürzlich ganz plötzlich dicht machte. Seither hängt eine Absperrkette vor den Zufahrten, ein Schild gebietet „Betreten verboten!“ und ein laminiertes Schreiben der EGNO daneben erklärt das Warum.

Wiersbitzki fragte wegen der „unhaltbaren Parkzustände“ bei der Verwaltung nach. Das Rathaus beschied ihm, dass die Örtlichkeit kontrolliert und verkehrswidriges Verhalten – insbesondere beim Parken in der Kurve – geahndet werde. „Zunächst wurde der Seitenstreifen der Kurve vor dem Parkplatz mit Flatterband abgesperrt – den drückten die Autofahrer einfach weg und parkten trotzdem. Jetzt wurden Eisenstangen in den Boden gerammt. Seither hat sich die Lage beruhigt“, sagt Wiersbitzki. Das Ordnungsamt hat ein Auge auf die Lage.

Parkplatz war nie eine offizielle Parkfläche

Klar ist, dass der Parkplatz wohl nie mehr geöffnet werden wird. Eigentlich war er auch nie eine offizielle Parkfläche. „Die Nutzung wurde von uns über all die Jahre nur geduldet“, sagt Keno Kramer, Sprecher der EGNO, der Eigentümerin der unbefestigten Fläche. Für die Autofahrer war sie allerdings fester Bestandteil des Parksystems in Norderstedt-Mitte und immer dann gerne genommen, wenn in den kostenlosen P+R-Tiefgaragen rund um das Rathaus keine Plätze mehr frei waren.

„Wir hatten mittlerweile sehr tiefe Schlaglöcher auf dem wilden Parkplatz. So tief, dass man aufpassen musste, den Wagen nicht zu beschädigen“, sagt Kramer. Und trotzdem die EGNO die Parkerei auf dem Areal nicht offiziell erlaubt hatte – eine gewisse Verantwortung erwächst für sie trotzdem aus Lage. „Wir mussten entscheiden, ob wir die Fläche aufwendig ausbessern und ob sich das noch lohnt.“ Denn über kurz oder lang hätte das Parken dort sowieso ein Ende gefunden. Ein Bauprojekt steht auf der gesamten Fläche bevor. „Deswegen haben wir uns entschieden, die Fläche jetzt schon zu sperren. Es kann allenfalls noch mal sein, dass sie für Stadtfeste in diesem Jahr verwendet wird.“

Viele Autofahrer werden sich jetzt ärgern – aber sicher eine Lösung für sich finden. Es gibt allerdings einige regelmäßige Nutzer des Parkplatzes, die nicht ganz so einfach auf den Parkplatz neben der Praxisklinik verzichten können – nämlich die Patienten der Klinik. In der Praxisklinik der Segeberger Klinik, mit seinem Herzzentrum, dem kardiologischen Versorgungszentrum und den vielen Praxen im Gesundheits- und Therapiezentrum, gehen täglich an die 300 Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen ein und aus. Und die haben es natürlich geschätzt, dass sie direkt neben der Klinik eine Chance zu parken und somit kurze Fußwege in die Klinik hatten.

Viele Patienten sind verärgert

„Das hat bei uns schon für große Probleme gesorgt“, sagt Dr. Marina Gebhard, Leiterin des Kardiologischen Versorgungszentrums. Viele Patienten hätten sich über die Lage beschwert, sie seien regelrecht verärgert und sie kamen aufgrund der Parkplatzsuche zu spät zum Termin. „Wir raten derzeit allen Patienten, mehr Zeit mitzubringen. Wir haben selbst nur eine begrenzte Anzahl an Parkplätzen auf dem Grundstück. Wir verweisen deshalb auf die Möglichkeit, mit Bussen und Bahnen zu uns zu kommen“, sagt Gebhard.

Überrascht wurde von der Sperrung der Parkfläche auch das Wohnungsbauunternehmen Struck, das gemeinsam mit Behrendt Immobilien auf dem Parkplatz und der etwa zwei Hektar großen Wiese neben der Praxisklinik ein Großprojekt mit 280 Wohnungen hochziehen wird – eine Mischung aus geförderten Wohneinheiten, frei finanzierten und Seniorenwohnungen, kombiniert mit Service und Pflege. „Das hat uns schon verwundert“, sagt Geschäftsführer Torsten Struck. „Denn wir sind noch mitten im Verfahren für das Projekt. Bis zum Beginn der Bauarbeiten dauert es mindestens bis Ende des Jahres. Es ist jedoch ganz allein Sache der EGNO, was sie mit der Fläche so lange anstellt.“

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