Kultur

So tickt Norderstedts neuer Kulturamtsleiter

Dieter Powitz (56), der neue Leiter des Amtes für Bildung und Kultur in der Stadtverwaltung Norderstedt.

Dieter Powitz (56), der neue Leiter des Amtes für Bildung und Kultur in der Stadtverwaltung Norderstedt.

Foto: Andreas Burgmayer

Von den Rathauskollegen wird Dieter Powitz als „Hochkaräter“ gefeiert. Umstrukturierungsprozess soll in wenigen Monaten abgeschlossen sein.

Norderstedt.  Neugierig zu bleiben. Das ist Dieter Powitz wichtig. Er betont das mehrmals am Dienstag, als er von seiner Chefin, der Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder, als neuer Leiter des Amtes für Bildung und Kultur vorgestellt wird. Die Neugier sei es gewesen, die ihn in seiner Karriere zu immer neuen Herausforderungen ermutigt habe. Und die Neugier war es auch, die ihn nach Norderstedt führte. Nun ja, nicht allein die Neugier. Es war schon auch das Geld. „Wenn man über Jahre in Städten und Theatern gearbeitet hat, in denen mit wenig Geld das gleiche Angebot aufrechterhalten werden muss, dann dürstet es einen nach Gestaltungsspielraum – und da kommt man in Deutschland unweigerlich auf Norderstedt.“

Welche 80.000-Einwohner-Stadt in Deutschland kann sich schließlich mal eben ein innovatives Bildungshaus für Volkshochschule, Stadtbücherei und Stadtarchiv leisten? Und in welcher Stadt nimmt man es nur mit einem Schulterzucken hin, wenn der Kulturtempel statt der ursprünglich angedachten knapp zehn plötzlich mehr als 20 Millionen Euro kostet?

Klar, dass bei Dieter Powitz im fernen Düren, Nordrhein-Westfalen, die Neugier geweckt war. Der Chef des Dürener Kulturbetriebs wollte unbedingt dabei sein, wenn sich in Norderstedt die Kulturlandschaft rund um das Leuchtturmprojekt Bildungshaus ganz neu ordnet. „Also warf ich meinen Hut in den Ring.“ Mit Erfolg.

„Es gibt viel zu tun“, sagt Powitz

Denn sowohl Oberbürgermeisterin Roeder als auch die zuständige Dezernentin Anette Reinders konnten am Dienstag nicht verhehlen, dass sie innerhalb der ersten Wochen des Kennenlernens schon zu Fans von Dieter Powitz wurden. „Da dürfen wir einiges erwarten“, sagt Reinders. „Ein echter Hochkaräter, der Mann“, sagt die Oberbürgermeisterin. Der sich offenbar auch nicht lange an die norddeutsche Tiefebene gewöhnen muss, schon warm ist und sich gleich voll in die Arbeit wirft.

Denn: Es gebe viel zu tun, sagt Powitz. „Viele verlockende Perspektiven und ein Mehrklang an Aufgaben!“ Ganz offenbar ist dem Kulturmanager das Norderstedter Angebot in Bildung und Kultur derzeit zu zerfasert. Powitz möchte den Akteuren in Kultur und Bildung nun zunächst sein Ohr schenken, hören, wo es gut klappt und wo nicht. In einer gar nicht so fernen Zukunft möchte Powitz dann die Angebote stärker bündeln, sie programmatisch akzentuieren. „Ich möchte das kulturelle Angebot in dieser Stadt zu einer Marke machen“, sagt Powitz.

Der Kultur- und Freizeitmarkt sei hart umkämpft. „Es geht auch darum, Kultur zu verkaufen“, sagt Dieter Powitz, und da spricht er wohl ein wenig als der ehemalige Geschäftsführer eines knallhart kalkulierenden Musicalbetriebes. „Auch in Norderstedt wird es darum gehen, Parallelstrukturen abzubauen und die Abläufe effizienter zu gestalten.“

Seinen Umstrukturierungsprozess will Powitz offenbar schon in ein paar Monaten abgeschlossen haben. Denn er kündigt bereits für Ende 2020, Anfang 2021 einen ersten Themenschwerpunkt an, unter dem das Norderstedter Kulturangebot dann stehen soll. „Und durch meine Erfahrung maße ich mir schon an, dabei auch das eine oder andere Großprojekt zu setzen“, sagt Powitz.

Mit diesen Ankündigungen weckt Powitz sicherlich die Neugier bei den Norderstedtern – die jetzt einiges erwarten werden. Sein Kulturbegriff, sagt Powitz, sei weit gefasst. Er sei kein „Verfluchender des Digitalen“,steht aber dafür, den urbanen Lebensraum als analogen Gegenentwurf zu bewahren. „Wir müssen Begegnungsräume schaffen und der Vereinzelung entgegenwirken“, sagt Powitz.

Powitz hat ein Faible für Hebbel, Schiller und Shakespeare

Sein ganz privater Kulturbegriff ist nicht weniger weit gefächert. Das Theater ist schon eines seiner Herzensthemen. Dieter Powitz verehrt die Dramatiker Friedrich Hebbel und Friedrich Schiller und, natürlich, William Shakespeare. Und am allerliebsten hat er es, wenn der in Zürich geborene und in Bochum lebende Regisseur Roger Vontobel inszeniert.

In der Musik zieht es Powitz zurück bis ins 18. Jahrhundert. „Wenn ich ehrlich bin, dann berührt mich die Musik des Barock – besonders wenn sie von Cecilia Bartoli dargeboten wird, etwa ihre Ausgrabungen, oder ihre Vivaldi-Einspielungen.“

Beim Fototermin in der Stadtbücherei im Rathaus greift Dieter Powitz zu Kriminalkommissar Gereon Raths zweitem Fall, „Der stumme Tod“. Der Kulturamtsleiter mag Spannung. „Den Autor Volker Kutscher schätze ich wirklich sehr – und das schon bevor die ,Babylon Berlin“-Serie lief.“