Norderstedt
Amtsgericht Segeberg

Rentner zerkratzt geparkten Pkw – 3000 Euro Strafe

Foto: Arne Dedert / dpa

Amtsgericht verurteilt 69 Jahre alten Mann, der ein Auto beschädigt haben soll, wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe.

Bad Segeberg.  Mehrere Jahrzehnte lang hat er dem Staat treu gedient. Seit 20 Jahren genießt der ehemalige Bauingenieur seinen Ruhestand. Eine monatliche Pension von 3500 Euro garantiert dem Ehemann und dreifachen Vater einen unbelasteten Lebensabend. Jetzt saß der Ruhestandsbeamte mit dem weißen Haarkranz auf dem Anklagestuhl im Amtsgericht Segeberg. Der Strafvorwurf: Sachbeschädigung. Eine Anklage, die eigentlich nicht zum eher unscheinbaren Mann passen will.

In dem kleinen Dorf im Kreis Segeberg sind die Straßen so schmal, dass Autofahrer ihre Wagen oft auf dem halben Bürgersteig parken müssen. Dies hat offenbar auch den Angeklagten genervt, der sich beim üblichen Gassigehen immer an den parkenden Autos vorbeizwängen musste. Laut Anklage hat der 69-Jährige an der Beifahrerseite eines abgestellten Wagens einen meterlangen Kratzer gezogen. „Ich habe nichts beschädigt“, sagte dazu der Beschuldigte mit fester Stimme zu Amtsrichterin Karin Vitols.

Die Aussagen des geschädigten Autofahrers im Zeugenstand ergaben jedoch einen anderen Sachverhalt. Er sei zum Rauchen vor die Tür gegangen und stand hinter seiner Hecke, etwa drei Meter vom abgestellten Wagen entfernt. „Ich habe genau gesehen und gehört, wie mein Nachbar den Lack beschädigt hat“, betonte der 38-Jährige erbost. „Dass kann doch wohl nicht wahr sein“, sei damals sein erster Gedanke gewesen. Bei seiner Aussage guckte er böse zum Angeklagten herüber. Der verzog keine Miene.

Angeklagter bestritt bis zum Schluss alle Vorwürfe

Erbost hatte der Tischler im November 2018 sofort die Polizei gerufen. Am Tatort musste der Pensionär seine Taschen leeren. Zutage kam ein Schlüsselbund. Die neue Lackierung kostete knapp 3000 Euro. Bei einem Schuldspruch werde er die Werkstattkosten zivilrechtlich vom Angeklagten zurückholen, kündigte der 38-Jährige an. Vor acht Monaten sei auch der Wagen seiner Mutter zerkratzt worden. Der Täter sei jedoch nie gefasst worden.

Bis zum Schluss blieb der Angeklagte bei seiner Darstellung, unschuldig zu sein. Aussage stand gegen Aussage, aber die Amtsrichterin zeigte mit ihrem Urteil, wessen Aussagen sie glaubhafter fand. „Ich bin von ihrer Täterschaft überzeugt“, erklärte die Amtsrichterin und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 3000 Euro. Ob ihr Mandant Rechtsmittel einlege, will er noch entscheiden, sagte die Verteidigerin.