Norderstedt
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Tresor-Knacker erbeuteten 26 Kilogramm Silber

Das Amtsgericht Neumünster.

Das Amtsgericht Neumünster.

Foto: Frank Molter / picture alliance / Frank Molter/

Gericht verurteilt 47-jährigen Mann, der einen Norderstedter Edelmetallhändler überfiel, zu einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung.

Norderstedt.  Der Einbruch bei einem der größten Edelmetallhändler im norddeutschen Raum sollte der ganz große Coup werden. Doch die Bande, die im Januar 2014 in Norderstedt durch das Dach des Firmengebäudes kletterte, erbeutete statt Gold und Platin „nur“ 26 Kilo Silberbarren im Wert von 11.600 Euro. Und dann hinterließ auch noch einer der Tresor-Knacker eine Zigarettenkippe samt Speichelprobe am Tatort.

Weil die Ermittler mit dem genetischen Fingerabdruck einen eindeutigen Treffer erzielten, musste sich jetzt ein 47-jähriger Kosovo-Albaner wegen Diebstahls im besonders schweren Fall vor dem Amtsgericht Neumünster verantworten. Das Urteil für den geständigen Safe-Knacker fiel sechs Jahre nach der Tat milde aus: ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Angeklagte muss den Schaden laut Urteil ersetzen.

In der Schweiz saß der Einbrecher auch im Gefängnis

Nach dem Einbruch war der große, schlanke Mann mit der Glatze untergetaucht. Bis er nach einer ähnlichen Tat in der Schweiz festgenommen und zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Nach der Verbüßung wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Seit August saß er in U-Haft. Vor Gericht legte er ein knappes Pauschalgeständnis ab. Der Tatablauf kam dabei ebenso wenig zur Sprache wie die Dimension des geschädigten Unternehmens. Die nach eigenen Angaben „einzige Gold- und Silber-Scheideanstalt Norddeutschlands“ kauft im großen Stil international auch Platin, Schmuck und Münzen an und wirbt mit eigenem Börsenzugang, Expertisen und Auktionen.

Die Einbrecher hatten sich mit der „Rififi“-Methode Einlass ins hochgesicherte Gewerbegebäude verschafft. Im gleichnamigen Gangsterfilm-Klassiker (1955) seilen sich die Safe-Knacker durchs Dach in die Geschäftsräume eines Pariser Juweliers. Im Nordosten Norderstedts nutzten die Täter das erste Januar-Wochenende im menschenleeren Gewerbegebiet. Die Einbrecher hatten das Stahldach aufgeflext, erklärte damals ein Zeuge. In einem Bürotrakt warfen sie einen mannshohen Tresor um und schweißten ihn auf. Als einzig bekannter Täter wolle der Angeklagte seine Komplizen „aus Angst um die Sicherheit seiner Frau und seiner drei Kinder“ nicht benennen, teilte der Verteidiger mit.

Laut Urteilsbegründung kam dem Angeklagten strafmildernd zugute, dass er zur Tatzeit in Deutschland nicht vorbestraft war. Auch die Staatsanwältin befürwortete Bewährung. Die Aussicht auf die ersten Weihnachten mit der Familie nach fünf Jahren trieb dem Angeklagten die Tränen in die Augen.