Norderstedt
Diskussion

Streit um die "Familie": Bildhauer erklärt seine Kunst

Bildhauer Thomas Behrendt am Kreisel Berliner Allee/ Ochsenzoller Straße vor seiner Skulptur „Familie“, über die in Norderstedt zurzeit heftig diskutiert wird.

Bildhauer Thomas Behrendt am Kreisel Berliner Allee/ Ochsenzoller Straße vor seiner Skulptur „Familie“, über die in Norderstedt zurzeit heftig diskutiert wird.

Foto: Heike Linde-Lembke

Der Norderstedter Künstler wird in den kommenden Jahren weitere zwei Kreisel in der Stadt mit Skulpturen gestalten.

Norderstedt.  An der Skulptur „Familie“, die in der vergangenen Woche auf dem Kreisel Berliner Allee/Ochsenzoller Straße aufgebaut wurde, scheiden sich seitdem (wie berichtet) die Geister: Die einen finden das Kunstwerk sehr gelungen – für die anderen ist das Objekt gar keine Kunst, sondern schlicht eine Zumutung.

Während in Norderstedt noch heftig diskutiert wird, hat Bildhauer Thomas Behrendt, der die „Familie“ erschaffen hat, bereits Vorverträge für die nächsten zwei Kreisel-Skulpturen erhalten. Entwürfe und Modelle für die Plastiken aus Bentheimer Sandstein reichte der Norderstedter bereits vor vier Jahren bei der Stadt ein. Baudezernent Thomas Bosse hat sich vorgenommen, die Kreisel Berliner Allee/Ochsenzoller Straße, Ochsenzoller Straße/Achternfelde und Berliner Allee/Kohfurth nicht nur zu bepflanzen, sondern auch mit den Kunstobjekten zu gestalten. Bosse, der Ende des Jahres in den Ruhestand geht, betont, dass das Kreisel-Projekt auch die Zustimmung seines Nachfolgers Christoph Magazowski gefunden hat: „Mein Nachfolger befürwortet die Pläne.“

Alle drei Figurengruppen sind, zumindest auf dem Papiere, keine Kunstobjekte, sondern lediglich „Gestaltungselemente“. Der Unterschied: Die Auswahl der „Gestaltungselemente“ musste nicht in den politischen Gremien behandelt werden, sondern konnte vom Bauamt festgelegt werden. Eine Ausschreibung für einen Kunstwettbewerb hat es nicht gegeben.

Die Skulpturen sind offiziell „Gestaltungselemente“

Bildhauer Behrendt betont, dass seine drei „Gestaltungselemente“ aufeinander abgestimmt sind – sie sollen das Leben symbolisieren. Die Figurengruppe „Familie“ bildet nach Behrendts Worten das Zentrum des künstlerischen Konzepts.

Für den Kreisel Ochsenzoller Straße/Achternfelde, der mehr ein Oval sein wird, hat Behrendt die Skulptur „Ursprung“ als Brunnenstein mit seitlich herablaufenden Wasserfällen entworfen, dem gegenüber ein archaisch gestalteter Stein für den Ursprung allen Lebens steht.

„Garstedt wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und scheint daher das älteste Dorf von Norderstedts vier Ursprungsdörfern zu sein, daher habe ich hierfür die Skulptur ,Ursprung‘ entworfen“, sagt Behrendt. Baubeginn des Kreisels ist frühestens Ende 2020.

Für den Kreisel Berliner Allee/Kohfurth als drittes Element wählte Behrendt die Skulptur „Zukunft“ als finale Figur der Trilogie. „Ich hoffe, dass diese Figur ebenfalls eine dominante Ausstrahlung haben wird und so die Verbindung zu den anderen beiden Figuren herstellen kann, denn der Kreisel ist bereits mit teils ziemlich hohen Pflanzröhren aus Stahl bebaut“, sagt Behrendt.

Was viele Norderstedter sicherlich freuen wird – egal, wie sie zu den Skulpturen stehen: Die drei Kreisel sollen bepflanzt werden, das ist Bestandteil des Gestaltungskonzepts. „Am Kreisel Berliner Allee/Ochsenzoller Straße sind die Blumenzwiebeln bereits eingesetzt, damit sie im Frühjahr blühen“, sagt Thomas Bosse, der zudem betont: „Ich wollte auf den drei Kreiseln ein System, eine Gestaltung mit Wiedererkennungswert installieren.“

Und wie sieht es nun mit den Kosten aus? Die gesamte Gestaltung des Kreisels Berliner Allee/Ochzenzoller Straße kostet 115.000 Euro, wobei die Stadt für die Figuren-Gruppe „Familie“ 52.000 Euro zur Verfügung stellte. Bezahlt werden mussten davon die Steine (10.000 Euro), deren Transport (700 Euro) plus Autokran (1300 Euro), Maschinen, Werkzeuge, Gerüst und Überdachungsbau (10.000 Euro), Fahrten in den Steinbruch, drei Jahre Entwicklungsarbeit mit Präsentationsgesprächen sowie etwa 2000 Stunden Arbeit am Stein. „Mit der Skulpturengruppe ‚Familie‘ habe ich nicht einmal zehn Euro pro Stunde verdient, und die muss ich auch noch versteuern“, sagt Thomas Behrendt.