Norderstedt
Kunst im öffentlichen Raum

Kreisverkehr-Kunst in Garstedt polarisiert die Bürger

Skulpturenkunst auf dem Kreisverkehr Ochsenzoller Straße und Berliner Allee: "Familie" heißt das Werk von Bildhauer Thomas Behrendt.

Skulpturenkunst auf dem Kreisverkehr Ochsenzoller Straße und Berliner Allee: "Familie" heißt das Werk von Bildhauer Thomas Behrendt.

Foto: Andreas Burgmayer

Der Bildhauer Thomas Behrendt sorgt mit seiner Skulptur „Familie“ für eine Kontroverse. Bürger sehen das Kunstwerk kritisch.

Norderstedt.  Der vielleicht häufigste Vergleich, den die Norderstedter bisher beim Anblick dieser Skulpturen zogen ist – Osterinseln! Doch die Werke des Norderstedter Bildhauers Thomas Behrendt (64), die jetzt inmitten des neuen Kreisverkehrs zwischen der Ochsenzoller Straße und der Berliner Allee stehen, haben mit den Moai, jenen überlebensgroßen Steinköpfen auf der polynesischen Insel, so gar nichts zu tun.

Die aus drei Figuren bestehende Gruppe nennt Behrendt „Familie“. Eineinhalb Jahre bearbeitete der Bildhauer und Kulturpreisträger Norderstedts im Auftrag der Stadt 24 Tonnen Bentheimer Sandstein, bis er das Werk fertig hatte. Und die „Familie“ ist nur der Auftakt. Auch auf den Kreisverkehren an der Kohfurth und dem noch zu bauenden an der Einmündung Achternfelde in die Ochsenzoller Straße sollen künftig Werke von Behrendt zu stehen kommen.

115.000 Euro kostete die Gestaltung des Kreisverkehrs

„Noch unter Oberbürgermeister Grote haben wir überlegt, das Kreiselsystem in Garstedt ganz anders zu gestalten“, sagt Baudezernent Thomas Bosse. „Wir wollten eine einheitliche Gestaltungssprache.“ Nicht einfach nur Stauden, Blumen und ein Fahnenmast, sondern eine Gestaltung, die gleichsam Hingucker ist und Wiedererkennbarkeit liefert. Wobei Bosse das Wort Gestaltung ganz besonders betont. Denn obwohl der Betrachter Behrendts Werke sicher als Kunst bezeichnen würde, sind sie für Bosse abrechnungstechnisch nichts anderes als Stauden, Blumen oder Fahnenmasten.

Insofern handelt es sich also nicht um Kunst im öffentlichen Raum, und das Baureferat war frei in der Wahl seiner Mittel. „Und da kamen wir ganz schnell auf Thomas Behrendt, weil der mit Stein arbeitet.“ Die gesamte Gestaltung des Kreisverkehrs inklusive der „Familie“ kostete 115.000 Euro. „Das sind keine Summen, die uns schrecken. Auch Kreisverkehre, die nur bepflanzt werden und kaum gestaltet sind, kosten schon 90.000 Euro“, sagt Bosse.

Die Mutter ist 3,10 Meter groß und wiegt 8 Tonnen

Thomas Behrendt habe der Stadt für alle Kreisverkehre ein kluges und durchdachtes Konzept geliefert. „Wenn alle drei Skulpturen stehen, werden die Leute das besser verstehen“, sagt Bosse. Wann das so weit sein wird, stehe noch nicht fest. „Für mich ist die Familie die Keimzelle des Lebens“, sagt Behrendt. „Aus der Nähe des Kreisels zum Herold-Center, das ja ein Treffpunkt für Familien ist, entwickelte ich die Idee zur Figurengruppe ,Familie’.“ Kein kleines Projekt, denn die Mutter ist 3,10 Meter hoch, der Vater misst 2,65 Meter und das Kind 1,80 Meter. Das Gesamtgewicht von 24 Tonnen stellte sowohl bei der Anlieferung der Steine als auch für den Transport zum Kreisel Berliner Allee eine Herausforderung dar. Der größte Stein, die Mutter, wog bei der Lieferung ins Atelier allein elf Tonnen. Nach der Bearbeitung wiegt sie noch acht Tonnen.

„Vorausgegangen waren diverse Arbeitsgänge, viele Skizzen und Modelle, viele Steinbruch-Besuche, um den richtigen Stein zu finden“, sagt Thomas Behrendt. Gearbeitet hat er mit einer Kernbohrmaschine, die meiste Arbeit aber machte er von Hand, weil das Formen der Figuren viel Sensibilität erforderte. „Die Familie ist ein wichtiger Teil für den öffentlichen Raum“, sagt Behrendt.

Er hat schon viele Bildhauer-Werke in Norderstedt, Henstedt-Ulzburg und im gesamten norddeutschen Raum gearbeitet, darunter beispielsweise den „Atlas“ im Willy-Brandt-Park und das „Luftschiff“ auf dem Gelände des Lessing-Gymnasiums an der Moorbekstraße. Auf dem Norderstedter Bauspielplatz am Kulturwerk gibt Behrendt Bildhauerkurse für die Volkshochschule, und er führt Kinder an die Kunst heran. Auf dem „Baui“ hat er auch die Figurengruppe „Familie“ geschaffen.

Die Bürger sind kritisch: „Schwachsinn!“, „Frechheit!“

Am Donnerstag wurde das Innere des Kreisverkehrs um die „Familie“ von Gärtnern mit Stauden zwischen feinem Kies gestaltet. Nun stehen Mutter, Kind und Vater und blicken gen Norden über die Berliner Allee – und die Norderstedter blicken zurück. Das Willkommen fällt frostig aus. Zumindest, wenn man die Kommentare von Norderstedtern auf Facebook (öffentliche Gruppe „Wir, Mein Norderstedt!“ am Donnerstag) als repräsentativ erachtet.

„Die sehen aus wie Grote, Bosse und Roeder, nicht wahr???“, schreibt Holger Dietrich. Succi Klein fragt sich, „wer denn auf so einen Schwachsinn kommt“. Dirk Bruster tauft die Figuren „Zusammen.Zukunft.Leben“ – das neue Stadtlogo. Birgit Brückner fragt sich „Welcher Geldtopf musste denn da noch schnell geleert werden? Das ist eine Frechheit.“

Leif Eriiksson hingegen urteilt: „Schöne Skulpturen, wertet den Kreisel auf. Gut gelungen.“ Und Sascha Glover geht die Kritiker an: „Nichts gegen Kritik gegen Werke eines Künstlers, alles okay. Aber was hier die Norderstedter Bevölkerung zum Besten gibt, ist einfach nur traurig und ein Armutszeugnis.“

Wie gefällt Ihnen die „Familie“ von Thomas Behrendt? Schreiben Sie an norderstedt@abendblatt.de