Norderstedt
Norderstedt

„In den Steinhaufen sind bestimmt Radarfallen“

24 Tonnen Skulpturenkunst auf dem Kreisverkehr Ochsenzoller Straße und Berliner Allee: „Familie" heißt das Werk von Bildhauer Thomas Behrendt.

24 Tonnen Skulpturenkunst auf dem Kreisverkehr Ochsenzoller Straße und Berliner Allee: „Familie" heißt das Werk von Bildhauer Thomas Behrendt.

Foto: Andreas Burgmayer

Diskussion um die Skulptur „Familie“ im Garstedter Kreisverkehr: Die Meinungen der Abendblatt-Leser gehen auseinander.

Norderstedt.  Die Skulptur „Familie“ des Norderstedter Bildhauers Thomas Behrendt auf dem neuen Kreisverkehr zwischen Ochsenzoller Straße und Berliner Allee in Garstedt wird zum Stadtgespräch. Wir hatten unsere Leser aufgerufen, ihre Meinung zu sagen. Eine Auswahl.

Es gibt durchaus Zuspruch: „Gut, dass sich lokale Künstler an so zentralen Orten präsentieren können. An die Kritiker: Einfach mal in Ruhe wirken lassen und darüber schlafen“, schreibt Karin Czischke. „Ob jemandem die Familie gefällt oder nicht, steht für mich gar nicht im Vordergrund. Eine respektvolle und somit spottfreie Diskussion hat jeder Künstler verdient“, findet Susanne Hilbinger. „Verkehrskreisel besonders und außergewöhnlich zu gestalten, finde ich eine super Idee. Und: Mir gefallen die Skulpturen.“

„Das ist mal etwas anderes“

Andere Leser haben gegen die Kunst wenig oder nichts einzuwenden, sehen das Problem aber eher in der wenig ökologischen Gestaltung des Kreisverkehrs. „Das ist mal etwas anderes“, urteilt Achim Urban. „Wenn ich mir aber vorstelle, dass in gleich drei Kreiseln solche Skulpturen stehen sollen, werde ich skeptisch. Ich frage mich zudem, warum Herr Bosse andere Kreisel als ,nur bepflanzt und kaum gestaltet’ bezeichnet. Die Bepflanzung des Kreisels am Buschweg/Friedrichsgaber Weg finde ich wunderbar. Ich würde mir eine ähnliche natürliche Gestaltung der weiteren Kreisel wünschen, um auch Insekten etwas zu bieten. Vielleicht lässt sich ja beides kombinieren.“

Sabine Lechler findet das Thema Familie immer gut. „Und über Kunst kann man bekanntlich nicht streiten.“ Aber es fehlt ihr an Grün im Kreisel: „Wenn Eigenheimgärten zu Steingärten werden, immer mehr Gärten pflegeleicht gepflastert werden, wundert es mich schon, dass selbst die Stadt dazu tendiert. Warum lässt man nicht die Norderstedter die Kreisel gestalten, vielleicht mit Patenschaften; man könnte Wettbewerbe veranstalten.“ Manche wünschen sich angesichts der Skulpturen die Graffiti-Sprayer herbei: „Ich war entsetzt, diese Skulpturen zu sehen. Im Zeichen des Klimawandels ist es unverständlich, nicht Blumen und Sträucher auf dem Kreisel zu pflanzen. Ich hoffe nur, dass findige Graffiti-Sprayer aus diesem Objekt mit Blumen und Bienen einen Hingucker anfertigen werden“, schreibt Antje Werner. Dieter Wendt hört schon die „selbsternannten Künstler ihre Sprühdosen schütteln“. Er sei eigentlich gegen solche Schmierereien. „Aber in diesem Falle würde ich eine Ausnahme machen.“

„Ich sehe einen überdimensionierten patriarchischen Mann ohne Unterleib“

Bruno Dankert schreibt „Herr Bosse sagt selber, dass die drei Steinhaufen keine Kunst sind. Ich vermute, darin verstecken sie die so sehr beliebten Radarfallen.“ Günter Döscher macht sich inhaltliche Gedanken. „Kunst muss nicht schön sein – es geht um die Aussage.“ Das Sujet „Familie“ werde durch die Gestaltung nicht vermittelt. „Ich sehe einen überdimensionierten patriarchischen Mann ohne Unterleib, eine offenbar vegan lebende Frau und umständehalber ein vermutlich adoptiertes Kind. Armlos und handlungsunfähig steht diese Ein-Kind-Familie auf ihrer Insel und kann nur aus Stein gemeißelt mahnen: Wir sind das aussterbende Volk! Aber vielleicht ändert sich das ja, wenn man im Verkehr daran erinnert wird, dass sich doch alles um die Familie dreht.“