Norderstedt
Kreis Segeberg

„Ich habe richtig Lust, weiter Politik zu machen“

Ole-Christopher Plambeck (33) wohnt mit seiner Frau Annika in Henstedt-Ulzburg.

Ole-Christopher Plambeck (33) wohnt mit seiner Frau Annika in Henstedt-Ulzburg.

Foto: Christopher Herbst

CDU-Landtagsabgeordneter Ole-Christopher Plambeck über die Situation der CDU, Landespolitik und persönliche Ziele.

Kreis Segeberg. Herr Plambeck, kürzlich waren Sie als Delegierter auf dem CDU-Parteitag in Leipzig. Sind Sie zufrieden mit dem Zustand der Union?

Ole-Christopher Plambeck Die aktuellen Umfragewerte auf Bundesebene können uns nicht zufrieden stellen. Die Menschen mögen keinen Streit und insbesondere keine Personaldebatten. Sie wollen Antworten auf die Fragen der Zukunft sehen. Annegret Kramp-Karrenbauer hat auf dem Parteitag eine sehr gute Rede gehalten und aufgezeigt, wie sie sich die 2020er-Jahre vorstellt. Das hat mir sehr gefallen, und ich bin mit einem guten Gefühl nach Hause gefahren.

In Ihrer Partei herrscht Unruhe, es gibt einen Richtungsstreit. Wem fühlen Sie sich eigentlich näher, der Linken oder der AfD?

Keinem von Beiden. Die AfD ist für mich ein No-Go, insbesondere mit den Personen, die dort agieren. Die Landes-AfD hatte noch im Frühjahr eine Rechtsextreme zu ihrer Landesvorsitzenden gewählt. Auch wenn sie mittlerweile das Amt niedergelegt hat, spricht das absolut Bände. Hier im Landtag werden jegliche Reden auf Flüchtlinge reduziert. Die AfD schürt Ängste, was ich nicht gut finde. Man sieht, dass die AfD keine Verantwortung tragen will. Auf jeder Ebene lehne ich eine Zusammenarbeit ab. Bei der Links-Partei ist das genauso. Sie ist zwar nicht im Schleswig-Holsteinischen Landtag, man darf aber nicht vergessen, sie ist die SED-Nachfolgepartei. In diesem Jahr jährte sich der Mauerfall zum 30. Mal. Da denkt man noch mal besonders über den Unrechtsstaat DDR und seine Folgen nach.

Die „Jamaika“-Koalition in Schleswig-Holstein galt als Experiment, scheint aber zu funktionieren. Wieso?

Ich bin absoluter „Jamaika“-Fan. Wir repräsentieren gemeinsam die Mitte der Gesellschaft in Schleswig-Holstein. Wir sind eine sehr streitbare Koalition, aber wir streiten uns ausschließlich in der Sache und vertreten anschließend unsere Ergebnisse gemeinsam. Damit das so klappt, betrachten wir, also CDU, FDP und Grüne, uns auf Augenhöhe. Jeder findet sich mit seinen wichtigen Themen im Koalitionsvertrag wieder. Und natürlich gibt es dann auch Themen, die dem einen oder anderen wehtun. Das gehört aber in einer Partnerschaft dazu.

Zum Beispiel?

Was uns wehgetan hat, war die Errichtung der Pflegekammer mit einer Pflichtmitgliedschaft. Für die Grünen war das in den Koalitionsverhandlungen sehr wichtig. Wir hätten auch gerne einige Verschärfungen in der Landwirtschaft zurückgenommen. Der Kompromiss ist hier, dass es keine weiteren Verschärfungen geben soll.

Und wo haben Sie Ihren Willen durchgesetzt?

Im Koalitionsvertrag ist der politische Wille festgeschrieben, die A 20 fertigzubauen. Zudem investieren wir mehr in die Infrastruktur, zum Beispiel jedes Jahr über 90 Millionen Euro in die Landesstraßen. Außerdem konnten wir durchsetzen, dass wir in den Schulen wieder G 9 haben. An den Grundschulen wird wieder auf die gebundene Schreibschrift gesetzt, und wir stärken die Förderzentren. Es gibt aber noch eine Menge anderer Themen wie das Kommunalpaket im Rahmen des neuen Finanzausgleichsgesetzes. Hier werden die Kommunen für ihre Aufgaben jedes Jahr finanziell besser ausgestattet.

Sie sind finanzpolitischer Sprecher Ihrer Fraktion. Wie ist die Investitionsstrategie der Regierung?

Die niedrigen Zinsen und die gute Konjunktur bringen uns in eine Situation, in der wir richtig gut gestalten können. Deswegen setzen wir hier auf drei besondere Ziele. Das eine ist die Stärkung der Bildung. Wir haben erheblich mehr Lehrerstellen aufgebaut, um die Unterrichtsgarantie zu erreichen und unterstützen die Kommunen beim Thema Sportstätten, Barrierefreiheit und Schulbau. Das zweite Thema ist die Digitalisierung. Hier müssen wir die Verwaltungen fit für die Zukunft machen und endlich eine flächendeckende Mobilfunkabdeckung erreichen. Und drittens: Die Investition in die Infrastruktur, um den Sanierungsstau abzubauen. Die alte Landesregierung hat nie mehr als sieben Prozent Investitionsquote erreicht. Seitdem wir regieren, schaffen wir es, über zehn Prozent in Investitionen umzusetzen. Von 13 Milliarden Euro gehen 1,3 Milliarden in die Infrastruktur, das heißt Landesstraßen, Gebäude, Schienen und so weiter. So bauen wir den Investitionsstau ab und bringen Schleswig-Holstein voran.

Müssen Sie sich als einer der jüngsten Abgeordneten besonders durchsetzen?

Es gab mal einen Alterskonflikt bei uns in der Fraktion. Ich hatte den Antrag gestellt, einen Altschulden-Tilgungsplan auf den Weg zu bringen. Gerade die Älteren waren erst mal dagegen. Sie sagten, das Geld, das in die Tilgung geht, kann auch in andere Projekte gesteckt werden. Aber für mich ist Generationengerechtigkeit sehr wichtig. Denn die hohen Schulden von über 30 Milliarden Euro stellen ein hohes Haushaltsrisiko in Form von Zinslasten dar. Am Ende konnte ich mich aber durchsetzen, sodass wir einen entsprechenden Antrag im Landtag gestellt haben. Ich profitiere aber sehr durch meine Tätigkeit als Steuerberater. In die Finanzthemen konnte ich mich sehr gut einarbeiten.

Sie sind Vorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU, kommen regelmäßig mit Lokalpolitikern und Dorfbürgermeistern zusammen. Geht es da nur ums Geld, oder was erzählen die so?

Es geht immer ums Geld (lacht). Nein. Es geht um viel mehr, etwa um die Themen Ortsentwicklung, Digitalisierung, ärztliche Versorgung, Nahversorgung und so weiter. In Stuvenborn haben wir zum Beispiel letztens darüber diskutiert, wie eine Gemeinde energieautark werden kann. Das war sehr spannend. Mir ist die Meinung der Kommunalpolitiker sehr wichtig. Deswegen bin ich auch viel in der Region unterwegs. Kein Politiker ist so nah an den Menschen wie unsere Kommunalpolitiker, die das alles ehrenamtlich machen. Ich habe vor unseren Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern und den Gemeinde- und Stadtvertretern sowie Kreistagsabgeordneten sehr hohen Respekt.

Was fasziniert Sie eigentlich so an Zahlen?

Zahlen sind so klar, sie lügen nicht. Man kann mit ihnen verlässlich arbeiten. Eigentlich wollte ich ja immer Landwirt werden und den Hof meines Vaters übernehmen. Als ich 15 Jahre alt war, hat er vorgeschlagen, erst einmal was anderes zu lernen, und so habe ich die Ausbildung zum Steuerfachangestellten absolviert, war mit 19 Jahren fertig, und seit dem arbeite ich in diesem Bereich und habe mich dann bis zum Steuerberater fortgebildet.

Stimmt es, dass Sie nebenbei als Steuerberater arbeiten?

Ja, so zehn bis fünfzehn Stunden die Woche, um im Thema zu bleiben. Ich habe 2013 die Steuerberaterprüfung gemacht und bin mittlerweile Partner in einer Steuerberatungsgesellschaft. Die Haupttätigkeit ist mit großem Abstand das Landtagsmandat. Es tut aber manchmal gut, Dinge zu tun, die nichts mit Politik zu tun haben (lacht).

Bereuen Sie, nicht das Abitur gemacht und studiert zu haben?

Nein. Überhaupt nicht. Ich war mit 19 Jahren mit meiner Ausbildung fertig, und seitdem arbeite ich Vollzeit. Ich habe in dieser Zeit Geld verdient und viele Erfahrungen gesammelt. Das hilft mir jetzt bei meiner Abgeordnetentätigkeit. Ich glaube, 80 Prozent der Abgeordneten haben studiert. Aber es gibt so viele tolle Ausbildungsberufe, ob Erzieher, Handwerker oder im kaufmännischen Bereich. Vor allem ist man sofort in der Praxis und verdient sofort Geld. Ich bin ein Kind der beruflichen Bildung und kann nur jedem empfehlen, eine Ausbildung zu machen.

Und warum sind Sie in die Politik gegangen?

Ich war schon immer politisch interessiert. Im Rahmen des Europawahlkampfes 2009 habe ich eine politische Veranstaltung in Seth besucht, und seitdem bin ich dabei. Zunächst habe ich mich in der Jungen Union engagiert und dann in der CDU-Kreistagsfraktion.

Haben Sie eigentlich noch ein Privatleben, haben Sie Hobbys?

Eigentlich habe ich eine Sieben-Tage-Woche, bin bestimmt vier Tage von halb acht morgens bis abends 23.30 Uhr unterwegs. Mit meiner Frau Annika mache ich gerne Spaziergänge und Wochenendausflüge. Sport ist etwas weniger geworden, das muss sich ändern (lacht). Wir tanzen sehr gerne, und über Weihnachten und während der Sommerferien machen wir auch wirklich frei und fahren dann auch gerne weg.

Wohin?

Wir sind gerne mit dem Wohnmobil unterwegs. Dieses Jahr waren wir drei Wochen in Norwegen. Das ist ein wunderschönes Land. Dort konnten wir gut ausspannen.

Wie wäre es mit Berlin? Irgendwann wird dort vielleicht das Bundestagsmandat von Gero Storjohann frei.

Mit Gero Storjohann arbeite ich gut zusammen, und er soll das gerne weitermachen. Was nach ihm kommt, muss die Partei entscheiden. Ich bin jetzt gerade zweieinhalb Jahre im Landtag, fühle mich da richtig wohl und habe auch richtig Lust, weiter Politik zu machen. Gerade jetzt als finanz- und haushaltspolitischer Sprecher habe ich viel Einfluss, weil ich maßgeblich an der Haushaltsaufstellung mitwirke. Mein Ziel ist es, noch einmal für den Landtag zu kandidieren.