Norderstedt
Kreis Segeberg

Stadt Norderstedt und WZV: Recyclinghof-Streit beigelegt

Recyclinghof-Leiter Oliver Zebold freut sich über die Einigung zwischen der Stadt Norderstedt und dem Wege-Zweckverband.

Recyclinghof-Leiter Oliver Zebold freut sich über die Einigung zwischen der Stadt Norderstedt und dem Wege-Zweckverband.

Foto: Burkhard Fuchs

Nach heftiger Kritik haben sich die Entsorgungspartner auf eine Zusammenarbeit auf dem Recyclinghof geeinigt.

Norderstedt.  Es herrscht wieder Friede und Eintracht in der kommunalen Familie des Kreises Segeberg – zumindest was die Abfallentsorgung angeht. Rechtzeitig vor Weihnachten haben sich die Stadt Norderstedt und der Wege-Zweckverband (WZV) auf eine Fortsetzung der Kooperation auf dem Recyclinghof in Norderstedt geeinigt. Demnach wird die Sammelstelle für verwertbare Abfälle an der Oststraße auch im nächsten Jahr gemeinsam weiterbetrieben. 2021 will Norderstedt den Recyclinghof pachten und alleine betreiben. Die Einzelheiten dazu sollen gleich im neuen Jahr ausgehandelt werden.

Die Verbandsversammlung des WZV hat dieser Lösung nach monatelanger Verhandlung „mit deutlicher Mehrheit“ in nicht öffentlicher Beratung zugestimmt, wie WZV-Justiziar Nis Nissen bestätigt. In dem Gremium sitzen Vertreter aller anderen 94 Städte und Gemeinden des Kreises, für die der WZV unter anderem die Müllentsorgung regelt. Am kommenden Montag, 9. Dezember, berät der Hauptausschuss der Stadt Norderstedt erstmals über den neuen Vertrag. Aber auch hier zeichnet sich nach Informationen des Abendblattes eine breite Zustimmung ab.

Beide Seiten loben die neue Vereinbarung und das gute gegenseitige Gesprächsklima. Norderstedts Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder sagt: „Das war ein schwieriger Weg, eine schwere Geburt. Aber ich bin froh, dass wir mit dem WZV jetzt eine für beide Seiten gute Vereinbarung getroffen und den ganz dicken Knoten durchschlagen haben.“

110.000 Bürger nutzen den Recyclinghof

WZV-Verbandsvorsteher Peter Axmann, der erst seit wenigen Monaten im Amt ist, sagt: „Wir sind auf einem guten Weg, haben die Kuh vom Eis gekriegt und werden jetzt auch gemeinsam eine dauerhafte Zukunftslösung für den Recyclinghof Norderstedt finden.“ Sein Justiziar Nis Nissen ergänzt: „Das ist eine gute Basis für eine langfristige Kooperation mit Norderstedt, damit der Recyclinghof das Erfolgsmodell bleibt, das er ist.“ 110.000 Bürger, vor allem aus Norderstedt, aber auch aus anderen Teilen des Kreises Segeberg und sogar aus Pinneberg und Stormarn entsorgen hier – gegen Bezahlung – ihre verwertbaren Abfälle.

Die Stimmung zwischen Stadt und WZV war vor einem Jahr noch düster. Kurz vor Weihnachten drohte der WZV an, den Recyclinghof zum Jahresende 2018 zu schließen. Weil Norderstedt sich weigerte, die vom WZV geforderte neue Abschlagszahlung von 2,6 Millionen Euro für 2019 zu zahlen, die für die Stadt eine Kostensteigerung um eine halbe Million Euro im Vergleich zu 2018 bedeutet hätte. Die Stadt Norderstedt monierte, dass die Aufstellung der Kosten nicht transparent sei und behielt ihrerseits Nachzahlungsforderungen seitens des WZV für die Jahre 2016 bis 2018 zurück.

Eigener Recyclinghof wurde geplant

In buchstäblich letzter Minute erklärte sich Norderstedt bereit, den höheren Abschlag zu zahlen. Allerdings nur noch für ein Jahr. Danach würde Norderstedt eigene Wege beim Abfall-Recycling gehen, sollte es 2019 keine Einigung in ihrem Sinne geben, hieß es. Sogar ein eigener neuer Recyclinghof wurde auf einem Grundstück am Schützenwall sowie auf dem Gelände des Betriebshofes in der Friedrich-Ebert-Straße geplant.

Offenbar beschleunigte das die zunächst zähen Verhandlungen Anfang des Jahres. Der neue WZV-Vorsteher Axmann, der im Juli sein Amt antrat, scheint mit einem neuen Vorschlag des WZV an die Stadt die Wogen geglättet zu haben. Für 2020 zahlt Norderstedt dem WZV etwa 2,4 Millionen Euro für den Recyclinghof – 200.000 Euro weniger als in diesem Jahr. Und für die noch ausstehenden Vorjahre überweist die Stadt dem Verband 430.000 Euro, sodass nur noch das laufende Jahr endabgerechnet werden muss, nachdem der WZV die Zahlen offengelegt habe, wie Oberbürgermeisterin Roeder sagt.

Verkauf kommt für WZV nicht infrage

Zugleich sind sich die Partner einig, dass Norderstedt den im Jahr 2005 für etwa drei Millionen Euro gebauten Recyclinghof mit seinen zurzeit neun Mitarbeitern ab 2021 übernimmt. Die wahrscheinlichste Lösung ist ein Pachtvertrag. „Wir können mit einer Mietlösung ab 2021 gut leben“, sagt Roeder, auch wenn die Stadt den Recyclinghof gerne kaufen würde. Das aber kommt für den WZV „definitiv nicht infrage“, betont Justiziar Nissen. Andererseits sei es aber auch „nachvollziehbar“, dass Norderstedt den Hof alleine betreiben möchte, da er ja auch überwiegend von den Norderstedter Bürgern zur Entsorgung genutzt werde, sagt Axmann.

In der Norderstedter Politik wird die Einigung mit Erleichterung aufgenommen. „Wir haben immer gesagt, dass wir es begrüßen würden, uns mit dem WZV zu einigen“, sagt SPD-Fraktionschef Nicolai Steinhau-Kühl. „Eine Einigung ist besser, als einen neuen Recyclinghof zu bauen“, sagt FDP-Stadtvertreter Tobias Mährlein. Für Fraktionschef Miro Berbig von der Linken ist der Plan zum Bau eines eigenen Hofes das „richtige Schwert“ gewesen, um den WZV zum Einlenken zu bewegen. Für CDU-Fraktionschef Peter Holle müssen nach der Einigung die Abfallgebühren wieder gesenkt werden. Sie waren wegen der höheren Abschlagszahlung um rund fünf Prozent erhöht worden. „Das wäre die logische Konsequenz“, sagt Holle.

Der Norderstedter Hauptausschuss berät am Montag, 9. Dezember, 18.15 Uhr, im Sitzungsraum 2 im Rathaus.