Norderstedt
Kreis Segeberg

Ein Sülfelder rappt gegen die Nazis in seinem Ort

Baldikin hofft, mit möglichst vielen Sülfeldern ein gemeinsames Video zu drehen.

Baldikin hofft, mit möglichst vielen Sülfeldern ein gemeinsames Video zu drehen.

Foto: Christopher Herbst

Der Rapper Baldikin hat den Song „Wir sind mehr“ geschrieben – und plant jetzt einen Videodreh mit Menschen aus seiner Gemeinde.

Sülfeld. Gelinde gesagt, hat „Baldikin“ einfach die Schnauze voll davon, dass in seiner Heimatgemeinde Sülfeld Rechtsextreme des „Aryan Circle Nord“ leben, die sich in aller Öffentlichkeit zeigen und als Bedrohung auftreten. Also ist der 35 Jahre alte zweifache Vater in das Tonstudio eines befreundeten Hamburger Produzenten gegangen und hat unter seinem Künstlernamen einen Rapsong aufgenommen, der seine Gefühle und die vieler Menschen in dem Ort widerspiegelt.

„Wir sind mehr“ ist der Titel, noch möchte er das gesamte Lied nicht veröffentlichen. Mit ruhiger Stimme beschreibt er darin die Unterschiede zwischen denen, die Offenheit wollen, die tolerant sind – und jenen, die ausgrenzen und Hass verbreiten. „Ein Dorf, eine Einheit, wie ein Hort für unabhängige Freiheit. Wir stehen zusammen, wir sind das Highlight, wir sind mehr, das ist unsere Weisheit“, heißt es im Refrain unter anderem.

Mehrere Zwischenfälle beschäftigen die Menschen in Sülfeld

Seit 25 Jahren lebt er im Kreis Segeberg, er ist gebürtig aus Frankfurt/Oder, kam 1989 mit seinen Eltern in den Westen. Beruflich ist er als Isolierer tätig, er engagiert sich bei den Fußballern des TSV Grabau, ist Schiedsrichter bei Herren- und Jugendspielen. „Wenn man nichts macht, darf man sich nicht wundern, wenn noch mehr kommen“, sagt er. Noch mehr Neonazis in Sülfeld, das müsse verhindert werden. „Wenn wir als kleines Dorf etwas erreichen, können auch andere kleine Dörfer etwas dagegen tun.“

Mehrere Zwischenfälle aus den letzten Wochen beschäftigen die Menschen. Bekannt ist, dass in einer Wohnung zwei junge Männer und eine junge Frau leben, die dem „Aryan Circle Nord“, einer durch Verfassungsschutz und Polizei als rechtsextrem eingestuften Gruppierung, angehören. Sie zählen zum Umfeld des Segeberger Neonazis Bernd T., eines vorbestraften Totschlägers. In Sülfeld waren zunächst einschlägige Aufkleber im Straßenbild aufgetaucht, dann gab es einen Angriff auf Bürger, die diese Sticker entfernen wollten. Dazu wurden am Reformationstag die Reifen von Autos im Bereich der Kirche zerstochen.

Im Video sollen Sülfelder gemeinsam rappen

„Ich kann nur sagen: Wer schweigt, unterstützt das Ganze“, so der Musiker. „Wer etwas tut, macht mehr als derjenige, der nichts tut. Hier im Dorf steht jeder für jeden.“ Das will er mit einem Musikvideo zu seinem Rapsong verdeutlichen. „Vielleicht habe ich die Chance, dass der eine oder andere aus dem Dorf mitmacht.“ Die Idee: Im Video sollen Sülfelder gemeinsam rappen, sodass eine starke Aktion gegen Rechts daraus wird. Einige Zusagen, darunter von Pastor Steffen Paar, hat er bereits. Wer mitmachen möchte, kann ihn auf Facebook oder Instagram – jeweils unter „Baldikin“ – kontaktieren.