Norderstedt
Schleswig-Holstein

Neue Moschee in Nahe wird eingeweiht

Sprecher Danial Wadood und Abdul Rauf (r.), Präsident der Gemeinde, im neuen Gebetsraum des Gotteshauses.

Sprecher Danial Wadood und Abdul Rauf (r.), Präsident der Gemeinde, im neuen Gebetsraum des Gotteshauses.

Foto: Christopher Herbst

Seit 30 Jahren warten die Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde in Nahe auf ein richtiges Gotteshaus. Nun ist es fertig.

Nahe. Die Mihrab, also die Gebetsnische in Richtung Mekka, ist bereits fertig, der Teppich verlegt. „Niemand ist anbetungswürdiger als Allah, und Mohammed ist sein Gesandter“, besagt die arabische Inschrift. „Keiner kann Gottes Segen aufhalten“, heißt es im hinteren Schriftzug.

„Am Sonnabend wird der Kalif hier das erste Gebet leiten“, sagt Danial Wadood, Sprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat in der Gemeinde Nahe. Es wird ein bedeutender Tag sein für die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft in der Region. „Für uns gibt es kein höheres Ereignis.“

Zehn Millionen Menschen weltweit gehören dieser Glaubensrichtung an, ihr spirituelles Oberhaupt – durchaus vergleichbar mit dem Papst für die römisch-katholische Kirche – ist Mirza Masrur Ahmad. Er wird persönlich nach Nahe kommen, um die neue Moschee an der Wakendorfer Straße offiziell einzuweihen.

Ahmadiyya-Gemeinde wartete seit 30 Jahren auf richtige Moschee

Für jeden Gläubigen ist es elementar, ein würdiges Gotteshaus zu haben als Rückzugsort. Die Ahmadiyya-Gemeinde ist seit knapp 30 Jahren in Nahe präsent, ihr gehört ein Grundstück mit einem alten Bauernhof. Sie hat 400 Mitglieder, viele darunter aus Norderstedt. Doch als Gebetszentrum diente ein umfunktionierter Raum. Der Wunsch, eine Moschee zu bauen, war schon lange vorhanden. Und tatsächlich hat das Projekt eine lange Entstehungsphase – immerhin war die Grundsteinlegung 2011.

Wieso der Bau so lange gedauert hat? Wadood, ein 27 Jahre alter Kaltenkirchener, sagt: „Die Gemeinde finanziert sich aus Spenden. Und es gab organisatorische Probleme. Wir müssen immer alles mit der Zentrale in Frankfurt am Main abstimmen.“ Das sei zwar kein Problem, aber „man muss halt alle zufriedenstellen, deswegen hat es sich extrem in die Länge gezogen“. Was allerdings nicht genehmigt wurde vom Kreisbauamt, waren ein Minarett und eine Kuppel. 400.000 bis 500.000 Euro habe das Projekt gekostet. Das Besondere: Ein Kredit wurde aus Prinzip nicht aufgenommen – denn Verträge, die Zinsvereinbarungen beinhalten, sind gemäß Koran verboten.

Naher Muslime für Trennung von Staat und Religion

In anderen Dingen ist die Ahmadiyya, die sich für eine Trennung von Staat und Religion ausspricht, seit ihrer Gründung 1889 in Indien einen eigenen Weg gegangen. Der Prophet Mohammed ist zwar die wichtigste Person. Aber: Die Ahmadiyya-Anhänger glauben an einen Messias – ihren Gründer Mirza Ghulam Ahmad. „Er ist für uns ein Reformer, der die Lehren auffrischt“, sagt Danial Wadood. Der Prophet habe vorhergesagt, dass so ein Mensch kommen würde.

Diese Auffassung wird nicht überall geteilt. Im Gegenteil: In Pakistan, wo Wadood und die meisten anderen Mitglieder der Naher Gemeinde ihre Wurzeln haben, sieht sich die Glaubensrichtung Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. Gegner sehen in ihr eine Art Sekte.

„Meine Eltern sind aus Pakistan geflüchtet. Sie hatten dort keine Zukunft gesehen. Wir werden sehr unterdrückt, müssen ins Gefängnis gehen, wenn wir sagen, dass wir Ahmadiyya-Muslime sind.“ In Deutschland könne man seinen Glauben frei ausleben. „Wir sind hier öffentlich aktiv, gehen Blut spenden, machen Wohltätigkeitsläufe, am 1. Januar immer einen Frühjahrsputz, räumen deutschlandweit Silvestermüll weg.“ In Hessen (seit 2013) und Hamburg (2014) hat die Religionsgemeinschaft den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts.

"Wir suchen den Dialog", sagt der Gemeindesprecher

„Wir sind offen für alles, suchen den Dialog“, sagt Danial Wadood. „Mit der Naher Kirche haben wir einen guten Kontakt.“ Dass er seine Glaubensrichtung für die richtige halte, sei so. Aber wenn jemand eine andere Meinung habe, könne man sich „gerne intensiver austauschen“. Die Aufgabe sei es, eine Friedensbotschaft zu verbreiten. „Unser Motto ist: Liebe für alle, Hass für keinen. Wir wollen zeigen, dass Muslime für Frieden sind. Dafür ist der Messias gekommen – um Menschen näher zu Gott zu bringen und zur Schöpfung.“

In der neuen Moschee sei jeder willkommen. Einige Regeln gelten: Es muss Ruhe herrschen, die Schuhe werden ausgezogen, vor dem Gebet reinigen sich die Gläubigen. Und: Frauen beten getrennt von den Männern. Wadood begründet das mit der Konzentration, die geringer wäre, wenn beide Geschlechter Seite an Seite in einem Raum beten würden.